10 Düsseldorfer Eckkneipen, in denen man sich wohlfühlen kann (1)

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Als wir auf Facebook unsere Leserinnen und Leser nach IHRER Eckkneipe befragten, ernteten wir auch ein wenig Unverständnis. Die Idee des verlängerten Wohnzimmers, des Ortes, an dem man abends nach getaner Arbeit in aller Ruhe sein Bier (oder seinen Wein oder Drink) trinken kann, erschien gerade den Jüngeren einigermaßen merkwürdig. Besonders originell: Alternative „Stromkasten“, dass man sich also mit Freunden auf der Straße trifft und dort zusammenhockt und redet und trinkt. Die Bedeutung als fester Treffpunkt, als sicherer Hafen in unmittelbarer Nachbarschaft haben Gastwirtschaften anscheinend weitestgehend verloren. Und trotzdem gibt es sie noch, die Eckkneipe, die Stammkneipe, die Pinte, die man allen anderen vorzieht. Die folgende Liste erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch ist sie repräsentativ für die Lokale in den Düsseldorfer Stadtvierteln. Es handelt sich um getestete und für gut befundene Vorschläge von DüsseldorferInnen für DüsseldorferInnen.

[1] Der Hoferhof in Unterrath

Gaststätte Hoferhof (Bild: Google Streetview)

Gaststätte Hoferhof (Bild: Google Streetview)

Obwohl der Hoferhof im Vergleich zur benachbarten „Klinke“ noch sehr, sehr jung ist, erfüllt er für ein ganzes Viertel die Funktion einer Stammkneipe. Einerseits, weil es so wenig Alternativen im Norden von Unterrath gibt, andererseits, weil die Wirtschaft direkt an der Straßenbahnendhaltestelle alle Kriterien einer Eckkneipe erfüllt: es ist urig, es ist gemütlich, Nachbarn sind unter sich, das Bier fließt gut und es gibt was Handfestes zu essen. Natürlich war und ist auch der Hoferhof am äußersten Zipfel der Unterrather Straße gewissen Schwankungen unterworfen, die meiste mit dem Wechsel des Pächters zu tun hat, aber ihren Charakter hat sich dieses Lokal immer erhalten. Den Wechsel kann man gut an der jeweils kredenzten Altbiersorte ablesen: früher gab’s dort Schlösser, dann eine Weile Schlüssel, momentan wird dort Schumacher Alt ausgeschenkt. Ob der Hoferhof eine Reise wert ist? Eher nicht. Aber wer in Lichtenbroich oder im nördlichen Unterrath oder am Rande von Rath wohnt, sollte diese urige Gaststätte einmal testen.

[2] Vossen an der Hüttenstraße

Das Vossen an der Hütte-/Helmholtzstraße

Das Vossen an der Hütte-/Helmholtzstraße

Das Geheimnis des Vossen an der Helmholtz-/Hüttenstraße ist das Team. In kaum einer Eckkneipe trifft man auf eine derart freundliche und aufmerksame Truppe. Und, ja, das Vossen, das mit dem Slogan „Klönen.Essen.Trinken“ wirbt, ist AUCH eine Eckkneipe. Denn an dieser Ecke gab es schon immer eine Gastwirtschaft. Dieser lange Tradition ist es auch geschuldet, dass das Innere so ein bisschen verbaut wirkt mit ineinander verschachtelten Räumen und verschiedenen Ebenen. Das hat aber den Vorteil, dass jeder ein ihm genehmes Eckchen findet – auch wenn der Laden bei Auswärtsspielen der glorreichen Fortuna knallvoll ist. Ungewöhnlich für diesen Typ Wirtschaft ist das sehr gute Essen – die Karte reicht von den üblichen Schnitzeln und der Currywurst bis zu feinen, saisonalen Dingen, und die Tageskarte ist immer einen besonderen Blick wert.
So kann man das Vossen als Restaurant nutzen und als Stammkneipe. Im Sommer bildet die zur belebten Hüttenstraße gelegene Terrasse den Mittelpunkt; man darf sich allerdings vom Verkehrslärm nicht stören lassen. Und dann ist noch das „Nebenan“, ein separater Raum, in dem gelegentlich die Dart-Freunde ihren Sport betreiben, den man aber auch für Privatpartys buchen kann. Im Dezember fand dort zum erste Mal eine TD-Sprechstunde im Vossen statt – Talkgast war der Krimiautor Horst Eckert, und alle Anwesenden waren vom Vossen sehr angetan.

[3a] Die Blende an der Friedrichstraße

Die Blende und das Tigges sind Zwillinge im Geiste. Deshalb haben wir sie auch als 3a und 3b gelistet. Gemeinsam ist beiden, dass es sie schon ewig gibt und dass sie sich in den vergangenen vierzig Jahren kaum verändert haben. Mittlerweile ist Die Blende die einzige verbliebene Rockkneipe außerhalb der Altstadt. Das hatte lange Zeit Auswirkungen auf das Publikum, das nach und nach der Vergreisung anheim fiel. Inzwischen zieht die leicht angeranzte Kneipe aber zunehmend jüngere Leute an, die einfach Bock auf korrekte, harte Musik haben. Am meisten gelitten hat diese Pinte an der Ecke der Friedrichstraße zur Bilker Allee vermutlich durch das Rauchverbot. Denn ein ab spätestens neun Uhr völlig verqualmter Gastraum war praktisch das Markenzeichen der Blende.
Wer also auf Rockmusik steht, gern sein Bier trinkt ohne viel zu quatschen, der sollte sich die Blende auf jeden Fall anschauen. Und weil diese Eckkneipe so verkehrsgünstig gelegen ist, lohnt sich sogar die Anreise aus einem weiter entfernten Viertel.

[3b] Das Tigges am Bilker Bahnhof

Das Tigges am Bilker Bahnhof

Das Tigges am Bilker Bahnhof

Darf man das Tigges am Bilker Bahnhof eigentlich noch eine „Studentenkneipe“ nennen? Jedenfalls hat diese Traditionspinte in einem der markantesten Häuser Bilks diesen Ruf schon seit den Achtzigerjahren. Vermutlich zu Recht… Auch heutzutage ist das Publikum eher jung und strahlt meist auch dieses gewisse Studentische aus. Der Gaststätte selbst macht das nichts aus – sie ist einfach. Und das unabhängig vom Pächter und vom Personal. An den Räumlichkeiten selbst kann es nicht liegen. Denn das Tigges gehört zu den ganz, ganz wenigen Durchgangskneipen: Man kommt von der Brunnenstraße aus hinein und kann – zumindest im Sommer, wenn die Terrasse zur Merowingerstraße geöffnet ist – auf der anderen Seite wieder raus.
Interessant am Tigges war immer die Küche. Lange Zeit war es die einzige Gaststätte weit und breit, die türkische Gerichte anbot. Dann die erste Kneipe, in der es immer mindestens ein vegetarisches Angebot gab. Nicht nur das macht das Tigges zum Gegenpol von der nicht weit entfernten Blende. Während dort die Musik (und auch die Gäste) laut sind, herrscht im Tigges immer eine akustische Atmosphäre, die das Gespräch ermöglicht.

[4] Gambrinus an der Philipshalle

Das Gambrinus an der Philipshalle

Das Gambrinus an der Philipshalle

Das Gambrinus an der Ecke Oberbilker Allee / Siegburger Straße ist eine der wenigen Eckkneipen Düsseldorfs, die in ganz Deutschland bekannt sind. Das hat einen ganz einfachen Grund: Diese große Traditionsgaststätte liegt in unmittelbarer Nähe der Philipshalle (die ja inzwischen leider Mitsubishi-Irgendwas-Halle heißen muss), direkt an den Haltestellen von Straßen-, U- und S-Bahn. Generationen von Freunden der populären Musik haben dementsprechend im Gambrinus vorgeglüht, viele haben sich dort am rustikalen Essen und dem guten Düsseldorfer Altbier gestärkt bevor es ins Konzert ging. Aber auch abgesehen davon ist dieses waschechte Wirtshaus ein guter Ort für Speis und Trank.
Aktuell ist es unter griechischer Leitung, was der Atmosphäre sehr zu gute kommt. Wie gut verankert dieses große Lokal im Viertel ist, zeigt sich auch daran, dass hier das Brauchtum ein Zuhause hat. Deshalb unser Tipp: Spätestens vor dem nächsten Besuch der Philipshalle unbedingt mal im Gambrinus reinschauen! Aber, Achtung: In den Stunde vor Öffnung der Halle kann es in der Eckkneipe knüppelvoll sein.

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5 Kommentare

  1. Nicht der Rainer am

    „Sehr gutes Essen“ im Vossen? Alle obige Beschreibungen treffen wirklich auf den Laden zu aber gerade das Essen ist es, weswegen ich da des Öfteren schon einen Bogen drum gemacht habe. Nett sind se ja, aber kochen können se nun wirklich da nit….

    • Wilfried am

      Na ja, über Geschmack lässt sich nicht streiten… Wir gehen seit Jahren gerne und immer wieder gerade des Essens wegen dorthin…

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