5 Fragen an: Benjamin-Lew Klon über die Offenheit von Düsseldorf und unserer Gesellschaft

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Nicht jeder kommt so viel in der Welt herum wie Schauspieler auf Tourneen. Für den 1983 in Düsseldorf geborenen Benjamin-Lew Klon gilt das – er war in den letzten Jahren vorrangig in Europa, Russland und China unterwegs. Er reist gern, mag es aber auch, wieder zu seinen Wurzeln zurück zu kommen, die hier am Rhein liegen. Im Düsseldorfer Stilwerk spricht der 33-jährige morgen (29.09.2016) auf einer Veranstaltung zum Thema „Welches Land wollen wir sein?“. Dazu laden die Konrad-Adenauer-Stiftung und Die Offene Gesellschaft ein, Klon ist einer von vier Impulsgebern. Seine Erfahrung ist: Weltoffenheit zeigt sich nicht im Vergleich der Länder sondern der Städte. Auf eine gute Stadtpolitik komme es an – und da hat Klon, der zur Zeit in Stuttgart am Theaterhaus in der Produktion ‚Zeit der Kannibalen’ arbeitet, aktuell einiges erlebt. Elke Tonscheidt hat ihn befragt.

[1] Was ist für Dich eine Offene Gesellschaft?
Eine Gesellschaft, die Fremde mit Respekt und Gastfreundschaft empfängt; die offen ist für neue Ideen und fremde Kulturen. Wobei dieser Begriff stark mit dem der persönlichen Freiheit verbunden ist, beispielsweise frei zugängliches Wissen.

[2] Du kommst aufgrund Deines Berufes ja viel in der Welt rum, wie offen ist Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern, die Du kennst?
Ich hatte das Glück mit drei Inszenierungen vom Thalia Theater Hamburg und mit dem internationalen Ensemble ISO Theatre in den letzten Jahren viel in Europa, aber auch ein wenig nach Russland und China zu reisen. Meine Erfahrung ist, dass sich die Weltoffenheit nicht im Vergleich der Länder, sondern der Städte zeigt. Das sieht man schon innerhalb Deutschlands. Wie sind beispielsweise die Geflüchteten in Berlin aufgenommen worden im Gegensatz zu denen in Dresden? Die Stimmung in Antwerpen, wo man orthodoxe jüdische Familien beim Purim-Fest auf der Straße sieht, ist ganz anders als in Brüssel in den arabischen Vierteln oder in den Vororten von Paris – da kann man den Unmut auf der Straße sehen, ja fühlen. In Köln und Hamburg dagegen ist die Stimmung offener und entspannter.

Benjamin-Lew Klon wurde 1983 in Düsseldorf geboren. Von 1991 bis 1998 spielte er als Schauspieler am Düsseldorfer Schauspielhaus. In Düsseldorf studierte er Medienkulturanalyse und war Mitbegründer des Filmfestes an der Heinrich-Heine-Universität. Er absolvierte in New York Praktika bei Michael Haneke und Wong Kar-Wai, arbeitete anschließend bei der Serie „Düsseldorf, mon amour“. Seit 2012 sieht man ihn auch in zahlreichen deutschen Fernsehproduktionen. Seit vier Jahren spielt Klon am Thalia Theater Hamburg in den Inszenierungen „Jeder stirbt für sich allein“ nach Hans Fallada und „Die Brüder Karamasow“ nach Fjodor Dostojewski. 2014/2015 wurde er Teil des internationalen Ensembles der Produktion „FRONT“ – das erste Stück, das im Schloss Bellevue vor dem Bundespräsidenten aufgeführt wurde. Benjamin-Lew Klon ist zudem Teil des internationalen Theaterkollektivs ISO Theatre (International Super Objective Theatre), er nahm an den künstlerischen Residenzen des ISO Theatre in Sofia und Rom teil. In Hamburg spielt er zudem auf der Bühne des Altonaer Theaters – in der Titelrolle als “Garp und wie er die Welt sah” nach dem Roman von John Irving.

[3] Was folgt daraus für Dich?
Offenheit ist ein Thema von Stadtpolitik, mehr als von Landespolitik. Das Schöne daran ist: Man kann deshalb in seinem unmittelbaren Umfeld direkt etwas tun bzw. seine Ideen direkter verwirklichen. Zum Beispiel sollten sich Stadtplaner intensiver damit beschäftigen, wo sie Geflüchtete unterbringen. Ein Flüchtlingsheim neben einer Mülldeponie, in einem Wohnviertel oder direkt vor der Semper Oper… Ich glaube: Je näher ein solches an der Lebenswirklichkeit der Menschen ist, desto weniger Angst löst ein solches Wohnheim aus.

[4] Hast Du ein weltweites Beispiel?
Ja. Shanghai z.B. ist zwar eine riesige Weltstadt mit französischen, englischen, japanischen, österreichischen, deutschen und russischen Einflüssen, aber kein Ausländer darf je Chinese werden; da ist eine Stadt wie Tel Aviv erheblich gemischter und offener. Das hat auch viel mit der geographischen Lage zu tun – Städte am Wasser bewirken eine andere Atmosphäre, eine offene eben, Wind und Meer geben den Menschen sofort das Gefühl von Freiheit.

[5] Gilt das auch für Städte an großen Flüssen? Du wohnst ja direkt am Hamburger Elbstrand, kann man Düsseldorf und Hamburg als offene Städte bezeichnen?
Definitiv beide. Nehmen wir das Thalia Theater, an dem ich arbeite: Hier wurde in letzter Zeit viel für Flüchtlinge getan, es wurde Geld gesammelt, in einigen Inszenierungen spielen sogar Flüchtlinge mit, es gibt ein Flüchtlings-Café. Für die Weltoffenheit in Düsseldorf sprechen vor allem der große Einfluss der japanischen Kultur und die weltbekannte rheinische Kunstszene. Auch ist die jüdische Gemeinde heute größer als sie es vor dem Krieg war – ein weiteres Zeichen für Weltoffenheit, so wie ich sie persönlich bis heute erlebe und genieße.

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2 Kommentare

  1. Korrektur am

    Herr Klon gründete das Filmfest nicht alleine, so wie es sich hier liest. Es war die Idee eine Gruppe von Studenten des Studiengangs, den auch Herr Klon belegte, die diese dann auch gemeinsam in die Tat umsetzte.

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