5 Fragen an: Peter Brünsing, Geschäftsführer der Lebenshilfe Düsseldorf

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Die Lebenshilfe Düsseldorf e.V. (LHD) wurde 1960 gegründet. Sie bietet heilpädagogische Angebote im Rahmen der Frühförderung, Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsangebote (KoKoBe) für Menschen mit geistiger Behinderung sowie eine Tagesassistenz für Senioren mit geistiger Behinderung und Ambulant Betreutes Wohnen an. Außerdem betreibt die Lebenshilfe zurzeit vier Kitas und sechs Wohnstätten in Düsseldorf. Seit sechs Jahren ist Peter Brünsing Geschäftsführer der LHD. In einer schwierigen Situation der LHD im Jahr 2012 übernahm er die Geschäfte. Zuvor hatte die 2015 verstorbene Vorstandsvorsitzende Evelyn Küpper diese Position kommissarisch ausgefüllt und nach einem neuen Geschäftsführer Ausschau gehalten. Den fand sie in Gestalt des Juristen Peter Brünsing, der bei der BAG Selbsthilfe bereits lange Jahre bei einer gemeinnützigen Organisation in verantwortlicher Funktion tätig war. Wir haben mit Peter Brünsing über aktuelle Themen und die LHD in den Jahren 2017 und 2018 gesprochen.

Frage: Herr Brünsing, auch wenn der Begriff „Inklusion“ immer mehr Bundesbürgern bekannt geworden ist, fragen sich immer noch viele „Was ist Inklusion eigentlich?“ Was würden Sie diesen Menschen antworten?
Antwort: Ich möchte dazu den verstorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zitieren, der am 1. Juli 1993 im Rahmen seiner Eröffnungsrede bei einer Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte gesagt hat: „Es ist normal, verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein.“ Einfacher und treffender kann man meiner Meinung nach den Grundgedanken der Inklusion kaum beschreiben. Es kann nur ein Miteinander aller Menschen geben, unabhängig davon ob jemand behindert ist oder nicht, denn verschieden sind alle Menschen ohnehin, kein Mensch gleicht dem anderen.

F: Gibt es Ihrer Meinung nach Grenzen der Inklusion? Wenn ja, wo liegen diese?
A: Ganz klare Antwort: Die Grenzen der Inklusion liegen in den Köpfen der Menschen, in unseren gesellschaftlichen Strukturen, in unserem jahrzehntelangen Erleben und Handeln.
Wir Menschen brauchen oft sehr lange zum Umdenken. Der Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes wurde vor mehr als 10 Jahren geändert, die Behindertenrechtskonvention der UN trat 2008 in Kraft, und dennoch arbeiten wir immer noch an der Umsetzung und befinden uns im Grunde erst noch in der Anfangsphase.
Inklusion kann nur funktionieren, wenn sich der Gedanke der Inklusion in der Gesellschaft manifestiert hat mit der Folge, dass z.B. Barrierefreiheit kein Thema mehr ist, sondern als selbstverständlich in allen Bereichen unseres Lebens anerkannt ist und gelebt wird.

F: Neben dem wichtigen Thema Inklusion steht aber die ganz konkrete Arbeit vor Ort – was war für die Lebenshilfe Düsseldorf im Jahr 2017 wichtig, was ist für 2018 geplant
A: Wir haben weitere wichtige Schritte bei der wirtschaftlichen Konsolidierung der LHD erreicht. Das gibt uns die Möglichkeit, erheblich mehr für die Fort- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tun. Außerdem haben wir im abgelaufenen Jahr unser Qualitätsmanagement deutlich verbessert.
An konkreten Projekten sind vor allem der Umzug unserer Frühförderung von Düsseldorf-Itter in die Elisabethstraße in der Innenstadt und auch der Umzug des Betreuten Wohnens (BeWo) in die neu erbauten Kastanienhöfe an der Karl-Geusen-Straße zu nennen. In beiden Fällen machen es uns die neuen Standorte möglich, Beratungssuchenden und Betreuten noch bessere Leistungen zu bieten. Ebenfalls wichtig war der Umbau der Wohnstätte am Krönerweg entsprechend der Vorgaben des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG).
Im kommenden Jahr wollen wir noch mehr für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun, um sie mit ihrem großen Engagement und ihren weitreichenden Fähigkeiten stärker und langfristiger an die LHD zu binden.
Enorm wichtig wird natürlich der Baubeginn der neuen Wohnstätte an der Werstener Dorfstraße, die voraussichtlich 2019 fertig wird und bezogen werden kann. In Angriff nehmen wir 2018 aber auch die Umbaumaßnahmen in der Wohnstätte an der Gudastraße, die dann ebenfalls den Anforderungen des WTG entsprechen wird.

F: LHD und das hiesige Brauchtum – wo gibt es Berührungspunkte?
A: Gerade im Hinblick auf den Düsseldorfer Karneval und die Schützen kann man sagen: Da funktioniert Inklusion schon sehr weitgehend. Unsere Kitas sind ganz selbstverständlich an den Karnevalszügen in den Vierteln beteiligt, viele der von uns betreuten Menschen sind im inklusiven Karnevalsverein Gemeinsam Jeck engagiert und nehmen aktiv am Rosenmontagszug teil, und unsere eigene Karnevalsfeier, die es schon seit 1973 gibt, ist beliebt und bekannt und wird jedes Jahr vom Prinzenpaar besucht.
Auch zu den vielen Schützenvereinen haben unsere Wohnstätten teils enge Kontakte. Die LHD selbst pflegt Kontakte zu den Heimatvereinen wie den Gerresheimer Mädchen und den Düsseldorfer Jonges. Wir würden uns aber sehr freuen, wenn noch mehr Vereine aus dem Winter- und an dem Sommerbrauchtum von sich aus an die LHD und unsere Einrichtungen herantreten, damit sich die von uns betreuten Menschen auf die eine oder andere Art am jeweiligen Vereinsleben beteiligen können.

F: Bleibt noch die Frage, wie Bürger der Stadt die LHD unterstützen ganz konkret unter-stützen können?
A: Es gibt viele Möglichkeiten. Wichtig ist vor allem, sich für unsere Arbeit zu interessieren, zum Beispiel unsere Facebook-Seite zu liken und so mitzubekommen, was die Lebenshilfe Düsseldorf für die betreuten Menschen tut. Natürlich kann sich jede Düsseldorferin, jeder Düsseldorfer bei uns ehrenamtlich einbringen. Bei uns gibt es vielfältige Möglichkeiten des Engagements. So können Menschen zu uns in die Einrichtungen kommen, zum Beispiel um Musik zu machen, zu spielen, kreativ zu sein oder einfach eine nette Unterhaltung zu führen.
Wir freuen uns auch über jeden und jede, die unsere Bewohner ins Kino, ins Theater, zum Fußballspiel oder auf einen Spaziergang zum Rhein begleiten. Wer uns materiell helfen möchte, kann beispielsweise Fördermitglied werden oder unsere Arbeit mit Geld- und Sachspenden unterstützen. Schließlich können Menschen uns auch in ihrem Testament bedenken. Auf der unserer Website finden sich die entsprechenden Informationen und Links.

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