5 Fragen an: Richard Gleim aka ar/gee gleim – Fotograf, Spaziergänger und Chronist der frühen Düsseldorfer Punk-Jahre

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In den Frühzeiten der deutschen Blogosphäre stieß ich zufällig auf ein Blog aus Düsseldorf namens „Mehrzweckbeutel“ und darin auf ein Foto, auf dem das Haus zu sehen war, indem ich seinerzeit wohnte. Geschossen hat das ein gewisser ar/gee gleim, und dieser Name sagte mir noch etwas. Stichwort „Guter Abzug„, Fotos, Punk, Ratinger Hof. Nur war mir das anno 2003 alles weit, weit weg und berührte mich nicht sehr. Aber dass dieser ar/gee praktisch täglich durch Düsseldorf spazierte bzw. mit Bus und Bahn fuhr und einfach fotografierte, was er in der Stadt sah, das faszinierte mich. Nach dem Mehrzweckbeutel für immer verschlossen wurde, machte Richard Gleim, um den es hier geht, mit seinem eigenen Blog weiter. Das trägt den merkwürdigen Namen „Gnogongo“ und enthält immer noch magische Blicke in und auf die Stadt.

Die Austellung: "ZK und die frühen TOTEN HOSEN. Von ar/gee gleim"

Die Austellung: „ZK und die frühen TOTEN HOSEN. Von ar/gee gleim“

Tatsächlich ist ar/gee gleim nie wirklich in der Versenkung verschwunden, weil er derjenigen war, der die frühen Jahre des Düsseldorfer Punk dokumentiert hat. Immer wieder konnte man die alten, wilden Schwarzweiß-Fotos irgendwo im Internet sehen, oft ohne Nennung des Fotografen. Und als Mitte der Nullerjahre eine Aufarbeitung der Punk-Ära begann, war Richard Gleim wieder mittendrin. Und jetzt das: Leider nur zwei Wochen lang ist eine Auswahl seiner Fotos in der Ausstellung „ZK und die frühen TOTEN HOSEN. Von ar/gee gleim“ im Postpost zu sehen. Die Vernissage findet am 29.09. ab 19:00 statt, und jeder kann kommen. Man kann davon ausgehen, dass dieser Abend zum Klassentreffer aller Beteiligten und Beobachter der frühen DTH-Jahre wird. Die, man muss es so nennen, Fotografien sind dann vom 30.09. bis zum 14.10. zu sehen – ein Besuch ist für alle Düsseldorfer, die dabei waren, und alle Hosen-Fans Pflicht.

Wir haben Richard, der ja auch Fotos zu unserer Reihe „Bild der Woche“ beiträgt, im Vorfeld die mittlerweile berühmten 5 Fragen gestellt, und er hat ganz in dem ihm eigenen Stil geantwortet.

Frage: Du kommst vom Jazz – hat dich die Punk-Musik der frühen Jahre anfangs nicht schockiert?
Antwort: Nein, das war kein Schock für mich. Seinerzeit, also in den 50er Jahren, als ich Musik gemacht habe, waren wir ebenso schockierend wie der Punk in den 70ern. Andere Zeit, andere Musik. Was vergleichbar war, war die Haltung. Ich hatte sofort einen direkten Zugang zum Geschehen der End-70er-, beginnenden 80er-Jahre.

F: Kannst du dich an das allererste Foto erinnern, das du aufgenommen hast?
A: Absolut gesehen? Da war ich so 10 oder 11 Jahre alt. Die Brandung der Nordsee am Strand von Borkum. Das erste Foto der Musikszene der 70er, 80er entstand in Willich, in einem Haus, welches von 14 Studenten gemietet worden war, wovon einige dann später Der Plan werden sollten. Also schon Kunst und Musik, was sich ja bald als Kennzeichen der speziellen Düsseldorfer Szene herausstellen sollte.

F: Bei deinen bisherigen Ausstellungen hingen die Fotos mit Wäscheklammern an Leinen – wie wird das im Postpost sein?
A: Ganz anders. Die Formate sind auch anders, z.T. sogar riesig. Letzteres weniger, um einem Trend zu folgen, der sagt: „Mach Riesenbilder, dann werden aus Fotos Kunst.“ Nein, so nicht. Es ist vielmehr so, dass auf meinen Fotos soviel passiert, dass das auf kleinen Formaten untergeht, während es auf großen Formaten erst richtig deutlich wird. Alles brav schwarz holzgerahmt und – und das ist entscheidend – hinter Museumsglas, was meint, doppelt entspiegeltes Glas und UV-Schutz für die Bilder. Das ist zwar schweineteuer, aber mich ärgert es nun mal, wenn man beim Betrachten der Bilder vor lauter Reflexen das Bild nicht mehr sehen kann.

F: Man kann deine Fotos aus der Punk-Ära jetzt auch auf feinstem Papier im schicken Rahmen kaufen – ist das noch Punk?
A: Es kommt drauf an, wie man Punk definiert. Versteht man darunter ein einfach dilettantisches Draufhauen, ist es bestimmt kein Punk. Versteht man darunter das, was es in Düsseldorf eben vor allem war, nämlich etwas in die Welt zu setzen und das mit vollem Risiko, aber so gut man es konnte, dann kommen wir der Sache schon näher. Aber darum geht es hier gar nicht. Punk ist Geschichte. Und mit dieser Ausstellung wird Geschichte geschrieben. Wenn da ästhetische Faktoren zu entdecken sind, dann war und ist das eben so. J.S. Bach wird heute auch auf hoch entwickelten Pianos gespielt, von denen Bach nicht mal träumen konnte. Meine Haltung entspricht noch dem Punk Düsseldorfer Prägung. Einfach machen und das so gut wie möglich.
Die Punkästhetik wurde dann ja sehr bald von der Modebranche und den Friseuren entdeckt und lugt heute noch aus so manchem Schaufenster.

F: Die frühen Fotos von den Toten Hosen bzw. ZK sind legendär – wann hast du die Hosen zuletzt fotografiert?
A: Bei einem Fußballspiel gegen die Gruppe ‚Alarm‘ irgendwann in den späteren 80ern.

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