Düsseldorf als Walfangmetropole – ein kurzes Kapitel in der Geschichte der Stadt

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Schon mal von der „Fettlücke“ gehört? Dieser Propagandabegriff bezeichnete ab den Zwanzigerjahren den Rohstoffmangel des Deutschen Reiches an Fetten und Ölen. Dieser Mangel betraf auch die Düsseldorfer Waschmittelfabrik Henkel, die für Persil und andere Seifenpulver auf Fette und Öle angewiesen war. Also gründete Henkel Ende 1935 die Erste Deutsche Walfang-Gesellschaft (EDWG) – mit ausdrücklicher Unterstützung durch das NSDAP-Regime, das den Walfang in ihrem Programm zur Rohstoffbeschaffung für wichtig und wünschenswert erklärt hatte. Obwohl die Gesellschaft in Bremerhaven gegründet wurde, trug das im September 1936 in Dienst gestellte Walfang-Fabrikschiff den Namen MS Jan Wellem, ist also nach unserem geliebten Kurfürsten benannt.

Das Walfangmutterschiff Jan Wellem vor Südgeorgien

Das Walfangmutterschiff Jan Wellem vor Südgeorgien

Das Walfangmutterschiff Jan Wellem entstand aus einem massiven Umbau des 1921 in Dienst gestellten Frachters Württemberg in neunmontiger Arbeit bei Blohm & Voss in Hamburg. Ausgestattet war die Jan Wellem mit einer kompletten Fabrik zur Verarbeitung der erbeuteten Wale. Die wurden von einer Flotte aus sechs Fangbooten gejagt und erlegt. Über die Slip am Heck des Fabrikschiffs zog man die toten Tiere an Deck und verarbeitete sie fast vollständig. Nur insgesamt drei Mal lief die Flotte ins südliche Eismeer aus. Die erste Expedition war recht erfolgreich:

Als die Schiffe im Mai 1937 nach Hamburg zurückkehrten, hatte die Jan Wellem 227 Blauwale, 584 Finnwale, sieben Seiwale, 63 Buckelwale und 20 Pottwale verarbeitet. Im Vergleich zu den alten Grönlandfahrern sind das astronomische Zahlen, und doch hinkte der deutsche Neuling damit der internationalen Konkurrenz hinterher.“
[Quelle: greenpeace magazin 3.07]

Eines der wenigen bekannten Foto des Walfängers MS Jan Wellem

Eines der wenigen bekannten Foto des Walfängers MS Jan Wellem

Besonders scharf war die Henkel’sche EDWG auf Waltran und Walspeck, beides Grundstoffe für die Erzeugung von Tensiden, die bei der Herstellung von jeglicher Art Seife sowie Wasch- und Putzmitteln gebraucht werden. Also wurde die fette Beute im Heimathafen Wilhelmshaven entladen und per Eisenbahn und Binnenschiffen nach Düsseldorf in die Henkel-Werke in Holthausen gebracht und dort verarbeitet. Der Firma Henkel Cie. scheint die kurze Beteiligung am Walfang äußerst peinlich zu sein. Noch bis vor vier oder fünf Jahren gab es auf der Website des Unternehmen einen kurzen Artikel zur EWDG samt Foto der Jan Wellem. Heute findet man keine Spur dieses Abenteuers mehr auf den Seiten zur Geschichte der Firma.

Tatsächlich dauerte es nur drei Jahre bis die Jan Wellem für die Kriegsmarine requiriert und umgebaut wurde. Sie war als Versorgungstanker an der Invasion von Norwegen beteiligt und wurde nach der Schlacht bei Narvik im April 1940 von der britischen Marine gesprengt. Man hob das Schiff und benutzte es als schwimmendes Treibstofflager. Nach dem Krieg lag die Jan Wellem noch einige Zeit als Wrack im Hafen von Kiel bevor sie nach England geschleppt und dort abgewrackt wurde.

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