Düsseldorfer Widerstand – unvergessen die Helden des 16. April

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In der Zeit des NSDAP-Faschismus herrschte der Gauleiter Friedrich Karl Florian über Düsseldorf, ein Nazi der ersten Stunde, der auch nach dem Krieg überzeugter Nationalist blieb und sich selbst trotz der Bestrafung durch die Alliierten für einen unbescholtenen Bürger hielt. Dieser Gauleiter Florian zählt zu den Nazi-Funktionären, die Hitlers Strategie der verbrannten Erde in Düsseldorf mit aller Konsequent durchsetzen wollte. Am 02.03.1945 hatte amerikanische Truppen die linksrheinischen Gebiete der Stadt besetzt und begannen mit der Belagerung. Gauleiter Florian verkündete am folgenden Tag „Am Rhein pflanzen wir die Fahne des Widerstands auf!“ und ließ Hitlerjunge aus Oberkassel, Lörick und Heerdt für den Kampf gegen die Amerikaner ausrüsten. Nachdem zunächst Kreisleiter Karl Walter Frauen und Kinder auffordert, die Stadt zu verlassen, ordnet Florian am 28.03.1945 den Räumungsbefehl, den die Bevölkerung allerdings weitgehend ignoriert. Zuvor ist der NSDAP-Oberbürgermeister Carl Haidn, verkleidet mit einer Rot-Kreuz-Uniform geflüchtet. Derselbe Haidn lebt nach Kriegsende ungestraft und unbehelligt weiter und tut sich durch das Verfassen nationalistischer, antiklerikaler Schriften und rechtsradikaler Traktate hervor.

Angesichts der Sturheit des Gauleiters finden sich eine Reihe Männer um den Anwalt Karl August Wiedenhofen zusammen, die planen, die Stadt kampflos den US-Truppen zu übergeben. Zur Gruppe zählte auch der Architekt Aloys Odenthal. Gedacht war, dass ein Teil der Gruppe den Polizeipräsidenten festsetzt, während ein anderer Teil sich zu den Amerikanern durchschlägt um Übergabeverhandlungen zu führen. Zuvor waren zwei Mitglieder der Widerstandsgruppe ANTIFAKO mit dem Boot über den Rhein gesetzt; ihre Verhandlungen mit den Amerikanern scheiterten allerdings. Um den 16.04.1945 herum war Düsseldorf praktisch vollständig eingekesselt. Das Oberkommando unter Feldmarschall George S. Patton lag zu dieser Zeit bereits östlich der Stadt im Gebiet um Mettmann. Zur konspirativen Gruppe gehörte auch der Kommandeut der Schutzpolizei, Franz Jürgens. Mit dessen Hilfe sollte der Polizeipräsident August Korreng verhaftet und Jürgens an dessen Stelle gesetzt werden.

Da keine regulären Truppen der Wehrmacht mehr im Stadtgebiet vorhanden waren, hatte ebendiese Schutzpolizei in Verbindung mit dem so genannten „Volkssturm“ die militärische Macht in Düsseldorf und konnte – auch nach den Regeln des internationalen Kriegsrechts – die Übergabe der Stadt mit den Alliierten verhandeln und die Kapitulation erklären.

Was am 16.04.1945 genau geschah, schildert dieses Dokument der Geschichtswerkstatt Düsseldorf:

„Nach der Festnahme Korrengs begaben sich Jürgens, Odenthal und Dr. Wiedenhofen zum stellvertretenden Polizeipräsidenten Dr. Dr. Otto Goetsch. In dessen Vorzimmer diktierte zunächst Jürgens den Text für einen Ausweis, der die Inhaber berechtigte, mit den alliierten Truppen über die Übergabe der Stadt Düsseldorf zu verhandeln. Dr. Goetsch änderte diesen Text anschließend noch einmal ab. Danach versah er den Ausweis mit dem Siegel des Polizeipräsidiums. Das Dokument wurde schließlich von Jürgens unterschrieben.
Oberstleutnant Jürgens informierte anschließend die Kommandeure der drei Düsseldorfer Polizeiabschnitte über die Festnahme Korrengs und wies sie an, beim Einmarsch der amerikanischen Truppen die Waffen ruhen zu lassen. Odenthal und Dr. Wiedenhofen fuhren in die Stadt, um die Ablösung für die Wache vor Korrengs Zelle zu organisieren. Nachdem sie mit Kleppe und Weill zum Präsidium zurückgekehrt waren, begaben sich diese beiden Personen in das Gebäude, während Odenthal und Wiedenhofen im Fahrzeug auf Dr. Müller warteten. Als dieser nach einiger Zeit noch nicht zu sehen war, kam ihnen die Situation verdächtig vor. Plötzlich kam Theodor Winkens auf einem Fahrrad vorbeigefahren und rief ihnen zu: ‚Alles verraten! Jürgens verhaftet! Haut ab!‘
Erst später erfuhren Odenthal und Dr. Wiedenhofen, dass die Aktion in der Zeit, in der sie die Ablösung für Dr. Müller organisiert hatten, von einem Mitarbeiter des Polizeipräsidiums verraten worden war. Der Verräter, der die Gauleitung über die Festnahme Korrengs informiert hatte, konnte im Nachhinein nie ermittelt werden.“
[Quelle: Geschichtswerkstatt Düsseldorf]

Wiedenhofen und Odenthal konnten rechtzeitig entkommen und sich zu den Amerikanern durchschlagen. Nach stundenlangen und zähen Verhandlungen, die seitens der Amerikaner von großem Misstrauen geprägt waren, erreichten sie ihr Ziel. Auf dem ersten und zweiten Panzer sitzend, mit weißen Fahnen winkend, erreichten sie die Stadt. Während alliierte Truppen die Stadtteile Benrath und Reisholz noch militärisch einnahmen, rollte der Konvoi durch Gerresheim, Eller, Oberbilk und Bilk zum Polizeipräsidium. Durch diese Widerstandsaktion wurde ein geplanter Bombenschlag gegen Düsseldorf in letzter Minute verhindert.

Franz Jürgens, Theodor Andersen, Karl Kleppe, Josef Knab und Hermann Weill wurden in der Nacht zum 17.04.1945 auf dem Hof der Berufsschule an der Färberstraße standrechtlich erschossen. Ihre Leichen verscharrte man an Ort und Stelle. Heute steht an dieser Stelle eine Gedenktafel. Das Grundstück selbst gehört nicht mehr zum Schulkomplex zwischen Färber- und Feuerbachstraße. Die Investoren, die hier ein Wohnhaus errichteten, wurden verpflichtet, die Gedenkstätte zu belassen. Allerdings ist sie inzwischen am äußersten Ende einer Rasenfläche versteckt und wird kaum noch besucht. Ab und zu legt jemand Blumen dort nieder.

[Zuerst erschienen am 16.04.2008 im Vorgänger-Bog „Rainer’sche Post„]

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