Empfohlen: Ritzdorf auf der Römerstraße – die ganz große Fundgrube für Haushaltswaren

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Ich glaub‘, mich tritt ein Pferd. Eine lockere Redensart, doch genau das ist Gustav Ritzdorf passiert. Der Huf-und Wagenschmied erlitt Schulterverletzungen und musste aus gesundheitlichen Gründen umsatteln. 1924 eröffnete er deshalb Ritzdorf in Derendorf und verkaufte Eisenwaren. Inzwischen ist das Haushalts- und Eisenwarengeschäft eine Düsseldorfer Institution. Denn hier gibt es Artikel, die man sonst vergeblich sucht. 40.000 Produkte sind auf Lager: Ob ausgefallene Glühlampen, Ersatzschrauben für den Klodeckel oder Fleischhaken – Ritzdorf hat’s.

Mit Herz und Seele

„Haben Sie…“? Dagmar Gatzen kennt den verzweifelten Blick vieler Kunden, die nach einem Ersatzteil für die defekte Kaffeemaschine oder einen Spiralschneider aus der letzten Kochsendung im Fernsehen suchen. Das Geschäft ist eine Fundgrube, vollgestopft mit allem, was man im Haushalt, Garten oder Bad braucht. Regale mit Pfannen, Töpfen oder Thermoskannen, daneben Abfalleimer und Bügelbretter, 160 verschiedene Staubsaugerbeutel oder Besen, Fugenreiniger, Pinsel oder Kabel. Besonders gut laufen Saisonartikel wie Ausstechformen zu Weihnachten, Schneeschieber im Winter oder Einmachgläser im Sommer.

Google-Map: Ritzdorf auf der Römerstraße

Google-Map: Ritzdorf auf der Römerstraße

Doch das Besondere sind die vielen Kleineisenwaren: Haken, Schrauben, Ösen, Federn oder Nägel. Die Inhaberin hat alles auf einer Festplatte im Kopf gespeichert, kennt ihr Lager, weiß, wo sie die ausgefallenen Teile findet und besteigt manchmal sogar eine Leiter, um in der oberen Galerie zu suchen. „Eine neue Verkäuferin, müsste sich mindestens ein Jahr lang einarbeiten, bevor sie sich in unserem Laden auskennt“, schmunzelt sie.

Die Kunden belohnen die fachliche Beratung und den guten Service mit Treue. Hier ein Schwätzchen, es wird gelacht oder gefachsimpelt – die Stammkunden mögen die familiäre Atmosphäre. „Manche kommen seit mehr als 40 Jahren zu uns, sogar Prominente wie Jenny Jürgens, Ireen Sheer oder Breiti von den Toten Hosen habe ich bedient“, erzählt sie stolz. Dagmar Gatzen ist in den Beruf hineingewachsen, liebt, was sie tut. „Ich bin mit Herz und Seele dabei“, sagt die Geschäftsfrau. So wird Ritzdorf auch über die Grenzen von Düsseldorf per Mundpropaganda weiterempfohlen. Werbung oder Anzeigen? „Darauf verzichten wir, weil wir es nicht brauchen“, lacht sie.

Die letzten Mohikaner

Schlüsselerlebnisse gehören bei Ritzdorf dazu: Nicht nur, dass sie im Geschäft besondere Schlüssel aller Art anbieten, sie werden auch mit Schlossmontagen beauftragt oder Gravuren. Das ist das Spezialgebiet des gelernten Elektronikers Karl-Heinz Gatzen. „Beruflich und privat ergänzen wir uns hervorragend“, sagt er. Sein Reich befindet sich im Hinterhof, einem 240 Quadratmeter großem Lager samt Werkstatt. 1986 haben sie das Geschäft in der Römerstraße übernommen. “Wir sind die letzten Mohikaner, denn immer mehr Traditionsgeschäfte schließen oder kämpfen ums Überleben“, sagt er. Auch sie trifft die Konkurrenz aus dem Internet, und als die ersten Baumärkte öffneten, gingen die Umsätze zurück. „Wir haben Glück, weil unsere Ladenmiete günstig ist und wir zu zweit mit lediglich einer Verkäuferin die Kosten gering halten,“ meint Karl-Heinz Gatzen.

Es ist, als ob bei Ritzdorf die Zeit stehengeblieben ist. Jeder Artikel wird per Hand für die Nachbestellung in ein Buch eingetragen. Die Ritzdorf-Regeln beherrscht auch die langjährige Verkäuferin Alice Nell, denn sie gehört fast zum Inventar. Die persönliche Beratung ist das große Plus, deshalb kommt ein Shop im Web für die beiden auch nicht in Frage. Statt Billigwaren und Wegwerfartikel setzen auch ihre Kunden darauf, Altes zu erhalten und defekte Gegenstände zu reparieren. Irgendwann wird Ritzdorf ein Relikt aus der Vergangenheit sein, denn für ihr besonderes Geschäft sind keine Nachfolger in Sicht.

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