F95 vs Fürth 1:1 – Fußball zum Abgewöhnen

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Ja, das war ein richtig schlechtes Fußballspiel, das noch am meisten Spaß machte, wenn Spieler beider Mannschaften an der Strafraumkante serienweise über den Ball schlugen – man nennt es Slapstick. Schlecht waren übrigens beide Teams, und komischerweise beide auf ähnliche Weise. Die offizielle Statistik weist für die Fortuna zum Beispiel 84 Fehlpässe aus, was ja beinahe einem misslungenen Pass pro Minute entspricht. Die Fürther Spieler glänzten dagegen durch völlige Planlosigkeit und brachten es auf gerade einmal sechs Torschüsse, von denen zwei zu Chancen wurden. An einem normalen Tag hätte das Team von Trainer Funkel diese harmlosen Fürther mit einer Klatsche nach Hause geschickt. Aber es war eben kein normaler Tag für F95, sodass alle Freunde der glorreichen Fortuna heilfroh über das Unentschieden sein können.

Vor längerem fragte ein junger, leicht verwirrter Kollege den Verfasser dieses Spielberichts, wie dieser denn den Sportjournalismus verstehe. Weil sich der junge Mann ein bisschen im Ton vergriff und anschließend nicht davon ablassen konnte, hämisch über The Düsseldorfer zu twittern, bekam er seinerzeit keine Antwort. Aber spätestens nach dem heutigen Spiel ist klar: So wie Fußball ein Fehlervermeidungssport ist, so ist es für guten Sportjournalismus essentiell, Floskeln zu vermeiden. Das fällt aber gerade nach einem solchen Kick zum Abgewöhnen ziemlich schwer. Es sei denn, man versucht sich den Müll, der sich auf dem Rasen ausbreitete, schön zu reden. Aber das ist bekanntlich Aufgabe von Trainern und Vereinsoffiziellen.

Kein schlechter Beginn

Dabei fing es gar nicht so schlecht an: Ihlas Bebou gab den Außenstürmer, tankte sich durch und zwiebelte eine schöne Flanke in den gegnerische Sechzehner – in der Hoffnung, der designierte Knipser Rouwen Hennings möge daraus eine Bude machen. Dito von links: Lukas Schmitz, der zumindest eine halbe Stunde lang prima auf Außen aufspielte und dabei gut mit unserem Axel kooperierte, brachte es auf zwei feine Hereingaben, die aber niemanden erreichten. Oft waren aber auch einfach zu viele Fürther Füße im Strafraum zugange. Trotzdem sah das alles ganz gut aus. Die Viererkette mit Kevin Akpoguma, Alexander Madlung, Julian Schauerte und dem bereits erwähnten Lukas Schmitz stand perfekt. Adam Bodzek gab eine Art Ausputzer davor und operierte gleichzeitig als Verbindungsmann zu Marcel Sobottka und Oliver Fink. Diese Achse war es übrigens, die über die ganze Partie gerechnet die höchste Ballbesitzquote erreichte. Das sah man auch.

Im Sturm braut sich dagegen ein Problem zusammen, das hier bereits vor Wochen angesprochen wurde: das Knipser-Syndrom. Leider, leider, leider wurde der Öffentlichkeit der begabte Rouwen Hennings als kommender Torschützenkönig verkauft. Entsprechend agiert er als Mittelstürmer ganz alter Schule – als Knipser eben. Das macht aber das Spiel der Fortunen für den Gegner durchschaubarer, weil sofort klar ist, dass ein Großteil aller Pässe und Flanken auf ihn gehen werden. Ist die Passgenauigkeit nun schlecht und/oder der Knipser in spe optimal abgedeckt, beraubt sich die Mannschaft vieler anderer Optionen. Als den Jungs von Funkel und Hermann wenig einfiel, folgten so lange Bälle auf Hennings im Fünfminutentakt.

Dass der gute Mann anderweitig wesentlich nützlicher sein kann, bewies das Ausgleichstor. Denn da erwühlte sich Rouwen Hennings die Pille auf Außen und flankte perfekt in die Mitte, wo Käpt’n Fink nur noch eine Flosse hinzuhalten brauchte. Vor allem Ihlas Bebou leider unter der neuen Konstellation, die ihn zum Außenstürmer verdammt. Nun ist er ja ein taktisch disziplinierter Kicker, der sich an die Anweisungen hält und deshalb ein ums andere Mal versuchte, an der Linien entlang vorzudringen, um dann zu flanken. Als er es zwischendurch mit ein paar Alleingängen versuchte, wirkte er wesentlich gefährlicher. Dass Axel Bellinghausen in dieser Beschreibung der Offensive nicht mehr vorkommt, hat seinen Grund. Ab etwa der dreißigsten Minute fiel er nur noch durch Wutanfälle gegen den Schiri und unterirdische Ballverluste auf. So ist es eben: Es gibt Axel-Tage, und es gibt Nicht-Axel-Tage…

Schlimmer Schiri

Apropos: Der eigentlich für dramatische Fehlleistungen nicht bekannte Schiri Kampka pfiff in der ersten Hälfte wie ein Comedian, der sich über Spieler und Publikum lustig machen will. Unterstützt wurde er dabei vom Linienrichter auf der Haupttribünenseite, der außer Aus und Ecke nichts, aber auch gar nichts mitkriegte. Kampka aber brachte die Fürther ab der 18. Minute überhaupt erst ins Spiel, indem er den Franken Freistöße zuschusterte. Einer davon geriet im Rebound vor die Füße eines Fürthers, der von halbrechts, etwa zwei Meter von der Ecke des Sechzehners entfernt abzog. Das Ei flattert knapp über dem Rasen vor sich hin und schlug dann in der langen Ecke ein. Natürlich gibt es wieder Auguren, die einen Torwartfehler herbeimunkeln wollen – aber aus der Hintertorperspektive war die Machtlosigkeit von Michael Rensing recht gut zu erkennen.

Der hatte ansonsten wenig zu tun und konnte sich nicht besonders auszeichnen. Zumal die Fürther überhaupt nur noch eine echte Torchance hatten. Irgendwie taumelte der Ball im Fortuna-Strafraum, wo ein wenig Hühnerhaufen herrschte. Und plötzlich war das Tor leer, der Ball frei und ein Spielvereinigter mit dem Fuß dran. Über ein Tor aus dieser Situation hätte sich niemand in Weiß beschweren müssen. Übrigens pfiff der Referee nach seiner schlimmen Fehlentscheidung, die zum Freistoß und zum Tor führte, wirr weiter, aber besonders in der zweiten Spielhälfte häufig zugunsten der Fortunen.

Die größten Lichtblicke im weißen Dress kamen in Gestalt zweier Auswechselspieler auf den Platz. Vor allem der kleine Arianit Ferati mit der Nummer 10, der zur 57. Minute für Axel Bellinghausen kam, brachte pfundweise Schwung in die Offensive. Und wenn es abgesprochene Laufwege mit Rouwen Hennings gegeben hätte, wäre dieses Duo vielleicht für einen Siegtreffer gut gewesen. Weniger auffällig, aber praktisch fehlerfrei agierte Jerome Kiesewetter, der wenig später den glücklosen und zunehmend unkonzentrierten Ihlas Bebou ersetzte. Überhaupt konnte einem echten Fortuna-Freund angesichts der Bank das Herz aufgehen, denn dort saßen neben den Erwähnten auch noch Robin Bormuth, Anderson Lucoqui und Emma Iyoha sowie Julian Koch bereit.

Kein guter Tag

Dass alle Akteure auf dem Platz keinen guten Tag hatten, ließ sich auch den bereits erwähnten Slapstick-Einlagen ablesen. Axel Bellinghausen rutschte so oft aus, als spiele er auf Eis, einiger seiner Kollegen fielen bisweilen grundlos um. Die Fürther simulierten in solchen Lagen wenigstens Foul mit Verletzungsfolge und wälzten sich ordnungsgemäß auf dem Rasen. Trotz etlicher Unterbrechungen dieser Art erlaubte Kampka nur eine Nachspielminute vor der Pause und am Schluss dann drei Zusatzminuten. Da waren dann aber auch fast alle Zuschauer froh, diese üble Partie lebend überstanden zu haben.

Die hatte eigentlich vielversprechend begonnen. Die Fangruppe „Alarmstufe Rot“ feierte ihr Jubiläum mit einer grandiosen Choreo, die sich über die gesamte Südtribüne ausdehnte und anfangs für eine ziemlich gute Stimmung sorgte. Aber auch der Kapo der versammelten Ultras hatte keinen so guten Tag und führte seine Leute immer wieder in den Schlafwagenmodus, sodass sich jenseits der Blöcke 40 und 37 kaum je jemand anstecken ließ. Die Initiative für lautere Emotionen kam folgerichtig mehrfach aus ganz anderen Ecken der Stehtribüne. Auch auf diesem Gebiet ist also noch viel Luft nach oben.

Vielleicht freut sich das Trainerteam darüber, dass es am kommenden Samstag nach Heidenheim geht, wo die Fortuna angesichts der bisherigen Spieltage eher als Außenseiter antritt und dementsprechend mit anderer Taktik antreten kann. Am ehesten bietet sich ein auf starkes Vorpressing zielende Spielanlage an, die auch das frühe Einbinden der jungen Spieler ermöglicht. Denn es wird ansatzweise deutlich, dass neben der Achse der Älteren (Madlung, Bodzek, Fink und Bellinghausen) viel öfter und stärker rotiert werden könnte – wenn, ja, wenn sich die Coaches mal für ein etwas höheres Risiko entscheiden könnten. Ob in den nächsten schweren Wochen die richtigen Zeitpunkte kommen werden, ist jedoch völlig unklar.

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