F95 vs Heidenheim 2:2 – Der vollständige Kontrollverlust des Lasse Koslowski

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Wir alle wissen: Es ist nie gut, wenn alle nach einem Spiel über den Schiri reden. Aber der völlige Kontrollverlust des Lasse Koslowski, seines Zeichen Jung-Referee mit zuvor drei (unauffälligen Zweitligaeinsätzen) war schon außergewöhnlich. Das bestätigt auch F95-Coach Friedhelm Funkel, und der hat ja nun wahrlich genug Spiele gesehen. Beginnen wir von hinten. Nachdem er den Heidenheimer einen Konzessions-Elfer zugeschustert hatte, den einer von denen einlochte, pfiff er einfach mal ab. Vermutlich, um weiteres Chaos zu verhindern. Wobei es exakt er war, der überhaupt für Chaos gesorgt hatte, aus dem diverse Rudelbildungen, Tätlichkeiten von Spielern beider Teams, Wortgefechte mit den Trainern und Auswechselspielern hervorgingen. Dabei roch alles nach einem stinkend langweiligen Nachmittag an diesem usseligen 5. November.

Denn das Unentschieden, das am Ende bei dem ganzen Körmel herauskam, bahnte sich praktisch von der ersten Spielminute an. Was daran lag, dass die Berufsfußballer in Weiß durchweg gebrauchte Tage gezogen hatten, manche gleich Tage aus dritter oder vierter Hand. Besonders zweifeln muss man einem gewissen Emir Kujovic, für den im Oberrang ein Banner weht, auf dem von einem „Sandzak“ die Rede ist. Dieser Herr Kujovic war die Null des Tages, und seine Vorstellung eine Verhöhnung des schönen Fußballsports. Nicht nur dass er – als Doppelspitze im Verbund mit Rouwen Hennings aufgestellt – in den ersten 30 Minuten KONSEQUENT falsch stand und noch falscher lief, der Mann bewies eine neue Langsamkeit des Denkens. Kam die Pille in seine Nähe, sodass er ihr nicht mehr ausweichen konnte (was er ansonsten gern tat, um ja kein Risiko der Ballberührung einzugehen), nahm er sie bedächtig an, kontrollierte sie noch bedächtiger, schaute sich in aller Ruhe um und schlug das Ding dann … entweder zurück oder zum Gegner. Es war nicht auszuhalten! Und das ist nicht als finales Urteil über Kujovic gedacht, der ja Ansätze seiner Qualitäten bereits bewiesen hat. Außerdem wurde sein Auftritt in den letzten fünf Minuten vor seiner Auswechslung sichtbar, ähem, besser.

Von gebrauchten Tagen

Ebenfalls deutlich neben seinen Möglichkeiten agierte Niko Gießelmann, der schon in Bochum durch merkwürdige Fehlerhäufung glänzte. Irgendwas hinderten den guten Gießelmann heute daran, den Sinn des Spiels zu verstehen, sodass er bisweilen die Initiative ergriff und man sich fragte: Wieso? In der Fünferkette war er der Unsicherheitsfaktor Nummer 1. Apropos: Wenn eine Heimmannschaft in einem nominellen 3-3-2-2 jederzeit mit einer Fünferkette in der eigenen Feldhälfte agiert, dann kann offensiv nichts dabei herauskommen. Zwar standen die drei „echten“ Verteidiger durchweg sicher, aber die variablen Außenverteidiger taten zu wenig nach vorn, sodass sich entweder Stau mit Mittelfeld bildete oder sehr lange (Quer)Pässe probiert wurden. Offensivspiel konnte diese Mannschaft aber schon mal, die älteren Zuschauer werden sich erinnern.

Natürlich liefen Zimmer und Schmitz gelegentlich die Linie hinunter Richtung Gegner-Kiste, natürlich schlugen sie auch manche Flanke, aber das alles zu ungenau und zu langsam. So kam es, dass die ersten 30 Minuten der Partie gegen HDH mit ziemlicher Sicherheit die schlechteste halbe Stunde der F95-Mannschaft in dieser Saison darstellen. Dann übernahmen Florian Neuhaus und Marcel Sobottka noch mehr die Initiative, was den Rest der ersten Halbzeit einen Hauch weniger öde machte. Fleißige Statistiker sahen genau eine Chance für Heidenheim und zwei für die Fortuna. Da war allen klar, dass Funkel in der Kabine ordentlich nachjustieren musste. Davon war dann aber bis zur 60. Minute überhaupt nichts zu sehen.

Gurkenspiel, nur bisschen schneller

Gut, einen Hauch schneller war das fortunistische Spiel geworden, ein bisschen weniger Fehler fanden statt, aber am Eindruck eines Gurkenspiels änderte das nichts. Ob es aber hilfreich, ist die eigene Mannschaft nach ein paar Fehlpässen auszupfeifen, sei mal dahingestellt. Es war übrigens auch überhaupt nicht doll, was die Männer aus HDH ablieferten, die in der zweiten Spielhälfte dann auch systematisch auf Foul umstellten und sich als Opfer besonders Kaan Ayhan ausgeguckt hatten. Es mag eine Verschwörungstheorie sein, aber vielleicht hatten die sich den guten Ayhan erwählt, weil der bekanntermaßen heißblütig ist und man ihn prima provozieren kann. Leider ließ er sich auch provozieren, was eine gelbe Karte zur Folge hatte. Überhaupt wurde das Spiel durch ständiges Meckern der HDH-Kicker samt Trainer und Auswechselbank ganz schön dreckig. Zumal der bereits erwähnte Schiri Koslowski damit überhaupt nicht umgehen konnte. Weil Ayhan einiges auf die Knochen gekriegt hatte und Halsschlagadern dick wie Gartenschläuche zeigte, nahm Funkel ihn in der 69. Minute raus und brachte den gelernten Stoiker Robin Bormuth.

Eigentlich hätte das Ding 0:0 ausgehen können, und keiner hätte sich ernsthaft beschwert. Aber die Anhänger der glorreichen Fortuna hofften noch auf mehr, jedenfalls, nachdem der junge Benito Raman den Rasen in der 61. betreten hatte, während Kujovic etwas bedröppelt auf die Bank schlenderte. Auch wenn der Belgier nicht ganz fit ist: Selbst in dem Zustand ist er schneller. Und weil er nichts am Kopf hat, ist er ungefähr dreimal so schnell im Denken wie, ähem, einige Kollegen. Es am Schwung in die Fortuna, aber weil es immer noch recht viele Fehler gab, brachte diese Dynamik noch nichts. Weil aber Funkel offensichtlich den Schwung in Tore ummünzen lassen wollte, brachte er in der 76. Harvard Nielsen für Adam Bodzek, der bis dahin ein solide und engagiertes Spiel abgeliefert hatte.

Mehr als Joker: Raman und Nielsen

Gleich der erste richtige Einsatz von Nielsen änderte das Bild. Einen feinen Spielzug in der 78. Minute schloss er mit einem Pass per Hacke auf Hennings ab, der cool bis ans Herz zum 1:0 verwandelte. Da wachten Teile des anwesenden Publikums erstmals auf und dachten „Alles wird gut“. Pustekuchen. Da kommt eine eher harmlose Flanke in den F95-Sechzehner, und ein gerade eingewechselte Heidenheimer befördert das Ei per Rübe hoch ins Netz. Da dachten die wachen Teile des Publikums „Unentschieden geht okay“. Pustekuchen! Es hatte gerade zur (nominell) fünfminütigen Nachspielzeit geschlagen, da drangen drei Fortunen in den gegnerischen Strafraum ein, der Ball titschte ein paar Mal von Freund zu Feind und umgekehrt und kam endlich zu Raman, der das Ding reinmachte! Führung! Trikot ausgezogen! Gelbe Karte kassiert.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben. Unmittelbar zuvor hatte der bereits mehrfach erwähnte Lasse Koslowski den HDHlern einen glasklaren Strafstoß verweigert, der ihnen womöglich die Führung gebracht hätte. Während dieser Schiedsrichterdarsteller übrigens bei strittigen Entscheidungen immer die Meinungen seiner Assistenten einholte, hatte er beim verweigerten Elfer ganz allein entschieden – und damit das Fass der Pandora eröffnet. Denn dem gesamten Tross aus Heidenheim kochte verständlicherweise das Blut, was bei aktiven Spielern gern mal zu a) Tritten in des Gegners Knochen und b) zu Beschimpfungen der Kontrahenten führt. Dass die Gäste das in den (nominell) letzten sechs, sieben Minuten straflos betreiben durften, ist dem Vollversagen des Unparteiischen geschuldet. Es wurde übel und dreckig, aber ob das Ding am Ende der (nominell auf mindestens fünf Minuten angesetzten) Nachspielzeit auch nur annähernd strafstoßwürdig war, darüber könnte man stundenlang debattieren. Betrachten wir es als Konzessionsentscheidung, die dann letztlich zum verdienten Ausgleich für Heidenheim führte.

Muss man sich sorgen?

Über den Zustand der Fortuna im November 2017 darf man sich nun schon ein bisschen Sorgen machen. Kann es sein, dass ihr Offensivspiel total abhängig vom Mittun des Oliver Fink ist? Oder dass es ohne Raman keinen Speed gibt? Erweisen sich Einkäufe, die bislang schon für gute befunden wurden, langsam doch als Fehlinvestitionen? Stimmt was nicht mit den taktischen Systemen? Liegt’s am Training (ohne Peter Hermann)? Ist der Kader doch nicht so breit wie angenommen? Die eigentlich blöde Länderspielpause gibt dem ganzen Team viel Zeit, Ursachenforschung zu betreiben, das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Das Auswärtsspiel in Ingolstadt könnte sich als die bisher schwerste Partie auf gegnerischem Grund erweisen, denn die Schanzer haben einen Lauf.

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5 Kommentare

  1. Die Krönung der ganzen Veranstaltung war der vollkommen bescheuerte Reporter von Sky. Der ist entweder Heidenheimer oder ein persönlicher Freund des so genannten Schiedsrichters oder er hatte was getrunken oder er hat ein anderes Spiel gesehen. Ich habe, glaube ich, noch nie eine derart einseitige und parteiische Berichterstattung erlebt.

    • Weder Heidenheimer, noch Freund des Schiedsrichters. Jürgen Schmitz ist *ölner und bekennender Effzeh-Fan. Entsprechend sind seine Kommentare bei unseren Spielen immer schon tendenziell gewesen. Aber niemals hat er so offen seinen Hass gegenüber unserem Verein zu Schau getragen. Hängt wohl mit der aktuellen Situation zusammen, wo bei seinem Herzensverein gerade alles mit dem Hintern eingerissen wird, was dort in den letzten 4 Jahren aufgebaut wurde während Fortuna die Liga rockt und aus seiner Sicht zu befürchten steht, dass die rivalisierenden Vereine wie schon 2012 demnächst wieder die Ligen tauschen werden.

      Übrigens ist so auch zu erklären, warum er mehrfach von Hoffenheim statt Heidenheim sprach, weil dies etwas später am Tag der Gegner des Hund-mit-Hörnern-Vereins sein sollte und er in Gedanken wohl schon dort war.

  2. Ich konnte von Nielsen beim besten Willen kein Foul sehen. Er rutscht aus, fällt hin, greift sich mit rechts an den Rücken und versucht mit links, sich aufzusetzen. Über diesen linken Arm stolpert der Heidenheimer, der noch dazu im Rücken von Nielsen stand. Glasklar ist für mich was anderes.
    Und die Konzessionsentscheidung in der letzten Minute ist extrem fragwürdig. Dann hätte Herr Koslowski (gab es den nicht schon bei Ekel Alfred??) aus Gründen der Fairness auch der Fortuna noch drei Minuten geben müssen statt aus Angst vor weiterer Eskalation einfach abzupfeifen.
    Das Schlimmste daran ist: ich gehe jede Wette ein, dass der DFB den Deppen munter weiterpfeifen lässt, es wird nichts passieren, obwohl eigentlich eine Kündigung adäquat wäre. Ich würde gerne diese Wette verlieren…

  3. Dr. Decay am

    Schlimm war wahrlich was mit dem armen Ayhan gemacht wurde. Kaum hatte er sich zum ersten Mal am Knie verletzt ging es gegen ihn nur noch auf die Knochen. Es ist für einen Abwehrspieler schon verwunderlich wenn er auf einmal mehr gefault wird als selber auszuteilen. Das hatte System und grenzt an Körperverletzung. Mit Sport hatte es jedenfalls nicht mehr viel zu tun.
    Was berechtigt eigentlich den Heidenheimer Trainer nebst Team permanent Düsseldorfer Spieler körperlich anzugehen.
    Dieses Spiel war, bedingt durch die inkonsequente Schiedsrichterleistung, eine ganz schlechte Werbung für den Fußball und ein gänzlich falsches Signal an den Nachwuchs, wie man sich auf dem Platz zu verhalten hat. Schade für die ganzen Kinder des F95 Herbstferiencamps die sich so etwas anschauen durften. Das ist nicht das was man vermitteln sollte.

  4. DüseldorferanderElbe am

    Florian Neuhaus für drei Spiele gesperrt. Witteck (Heidenheim) für zwei Spiele. Danke Lasse Golodkowski:“Ich kann mich an NICHTS erinnern!“

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