Fortuna-Punkte 16/17: Stadionwurst und andere Grausamkeiten

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„Ah,“ grölte Ingo, „da kommt HFA“ – die Jungs im Block 3 wieherten. Ich machte ein fragendes Gesicht. „Das ist der Holger. HFA heißt ‚Holger frisst alles‘. Der hat hier sogar schon Döner in der Arena gefressen.“ Bernd machte eine Kotzbewegung: „Salmonellenzuchtanstalt nennen wir die Döner-Verkaufswagen.“ Auch Peter, der Gastronom, mischte sich ein: „Da wird schlechtes fettes Fleisch stundenlang unter der Lampe unabgedeckt warmgehalten. Und die Salatbehälter machen die auch nie zu. Würd ich das bei mir so machen, würd mir das Ordnungsamt die Bude schließen.“ Holger hatte etwas in der Hand, das entfernt an einen Hamburger erinnerte. „Kumma,“ nuschelte er mit vollem Mund, „gibt jetzt auch Burger in der Arena.“ – „Da kommt einem ja das Mittagessen hoch,“ kommentierte Öppes, der offensichtlich hauptsächlich Killepitsch gefrühstückt hatte an diesem feucht-kalten Freitag. Manche sagen, das englische Essen sei übel und die Engländer würden eklige Sachen essen. Mag sein. Aber ich persönlich bin beim Essen ziemlich heikel, weil meine Mom eine gute Köchin war.

Ihr Sunday Roast war herausragend, der Yorckshire Pudding war unschlagbar. Außerdem kochte sie immer die Rezepte aus „Good Housekeeping“ nachgekocht. Sogar so französische Sachen. Ich bin kein Gourmet, aber Dreck fress ich auch nicht. Deshalb halte ich mich beim Besuch von Fußballplätzen meist an die Bratwurst. Aber auch nur, wenn die Leute am Wurststand einen guten Eindruck machen und die einen richtigen Grill am Start haben. Leider komm ich ja viel zu selten zur Zwoten ins Paul-Janes-Stadion. Dort steht ein cooler Typ am Grill, der Wurst von hoher Qualität mit viel Liebe wendet. Das schmeckt. Gibt paar Stadien, wo die Wurst auch lecker ist. Zum Beispiel in Wattenscheidt. Wattenscheidt? In welcher Liga spielen die denn? In der Regionalliga West, wo auch die U23 von Fortuna spielt. Überhaupt sind Regionalliga und Dritte Liga wahre Fundgruben für gute Stadionwurst.

Catering des Grauens

In der Ersten Liga haben dagegen die Fastfood-Ketten das Sagen. Oder solche Catering-Companys, die alles versorgen, wo mehr als 1.000 Leute zusammenkommen. Das Verrückte ist, dass der Arena-Caterer Aramark bei vielen Büroleuten sehr beliebt ist. Die machen ja auch Kantinen. Hab in Frankfurt paar Mal in einer Aramark-Kantine gegessen. War jedes Mal gut. Kann man von unserer Arena nicht sagen. Da trau ich mich höchstens an die Bratwurst an den kleinen Ständen mit den freundlichen Verkäuferinnen auf der Westseite draußen. Dieselben Würste werden drinnen durch falsche Behandlung zu essbaren Dildos. Die Pommes schmecken wie frittierte Strohhalme. Und was da als Pizza angeboten wird, ist Körperverletzung.

Peter meinte: „Die hatten vor Jahren mal eine sogenannte Metzgerfrikadelle im Angebot, die entsprach in der Qualität den Produkten, die du in der normalen Pommesbude kriegst. Die war immer schon vor Anpfiff ausverkauft. Jetzt verkaufen sie stattdessen miese Burger mit Patties, die stundenlang auf der Wärmeplatte vertrocknen. Na, schmeckt’s, Holger?“ Der kannte das alles schon, winkte ab und spülte den Klopps (schreibt man das so?) mit einem Becher Frankenheim nach. „Ich hol mir mein Bier jetzt immer vom Fass,“ sagte Ingo. Da wo früher der Stand vom SCD war, da stehen die jetzt immer mit richtigen Fässern und zapfen frisch. Was du an den Aramark-Dinger kriegst, ist ekelhaft. Schlecht gereinigte Leitungen, falsch gezapft.“ Das war ein guter Tipp. Also holte ich eine Runde vom Frankenheim-Fass.

VIP-Currywurst

„Glaub bloß nicht, dass es im VIP-Bereich besser ist,“ sagte Matthes. Früher habe es nach dem Spiel da immer Currywurst gegeben. Da hätten die VIPs Schlange gestanden. Das sei aber Bockwurst mit so schleimig-süß-scharfer Soße gewesen. „Hätt ich beim Chinesen zurückgehen lassen, so’ne Soße,“ meine Matthes. Da konnte ich mitreden, weil ich ja ab und zu in der VIP-Lounge bin: „Ist nicht besser geworden. Auch das warme Büffet da oben ist nicht wirklich gut.“ – „Ja, aber umsonst,“ sagte Peter. Holger beteiligte sich nicht an der Diskussion. Dafür sagte Ingo jetzt: „Ist doch Markwirtschaft. Wenn’s die Leute nicht fressen würden, würd sich das Zeug doch nicht verkaufen.“ – „Irrtum,“ rief Peter, der mehrere Kneipen in der Stadt hat, „in der Arena herrscht ja keine Marktwirtschaft, sondern ein Monopol. Und wenn du ein Monopol hast, kannst du den Leuten jeden Scheiß verkaufen. Wenn sie Hunger und Durst haben, müssen sie das nehmen.“

Womit wir bei einem anderen Thema waren, das wir aber auf sich beruhen ließen, weil das Spiel angefangen hatte. Wieder war es nur Ingo, der ab und zu rausging, Getränke holen. Wir anderen waren schon gebannt vom Kick mit den vielen Chancen. Ans Essen dachte keiner. Außer Holger, der ganz versunken dasaß und leise rülpste. Vermutlich überlegte der, ob er als Dessert eine Pizza oder dich lieber einen Döner nehmen sollte.

In der Pause stellte ich dann meine Frage: Warum gibt’s eigentlich keine Stadionkneipe in Düsseldorf? In Leeds und den anderen Städten, wo die Stadien in der Stadt sind, gibt es an allen vier Ecken einen Pub, wo sich die Fans und Lads vor dem Spiel treffen und nach dem Spiel über das Spiel sprechen. Beim Bier. In Düsseldorf musst du erst mit der Bahn in die Altstadt fahren. Dort sind aber eben nicht nur Fortuna-Leute, sondern diese ganzen Altstadt-ist-Dauerkirmes-Idioten. Da musst du erstmal suchen, wo die Fans sind. Ich geh ja meistens in den Schlüssel, wenn ich nach einem Heimspiel noch Bock auf Bier und Quatschen lege,

„Das kommt,“ erzählte Peter, „weil das hier ja kein Stadion ist, sondern eine Messehalle. Und weil die Arena eine Messehalle ist, hat sie einen Messebahnhof für die U-Bahn. Und in einem Messebahnhof gibt’s eben keine Stadionkneipe.“ Ingo nickte: „So wie früher am Europaplatz.“ – „Soll ja Fans geben, die sich deshalb hier im Hotel treffen als wär’s ne Kneipe,“ meinte Öppes, der sonst nicht viel sagte. Ist ja auch blöd, dachte ich, gibt überhaupt keinen Platz für so’ne richtig urige Fan-Kneipe. Sowas wie die von Union an der Wuhlheide in Berlin. Wo man zu Fuß hinkommt. Das ist schade. Aber vielleicht, meinte Peter, fällt ja unserem Präsi noch was ein. Dem fällt ja immer was ein.

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4 Kommentare

  1. ChristianAlbertOtto am

    Schöner Bericht! Zum Thema möchte ich auch etwas beitragen:
    Glücklicherweise konnte ich, statt mich an der überfüllten Bahn anzustellen, bei einem „freien Verkäufer“ immerhin ein Bolten Alt erwerben (allemal besser als das Frankenheim). Bin dann zu Fuss mit anderen Fans quatschend zum Freiligrathplatz gelaufen. In der Zeit sind gerade mal zwei proppenvolle Bahnen an mir vorbei gefahren. Glaube nicht, dass ich da schon drin gewesen wäre. Hab dann die aus Duisburg kommende Bahn genommen. Das war ganz nett und viel entspannter. Trotzdem wäre es schön wenn es besseres Essen im Stadion gäbe; wobei ich da nie was esse, vermutlich weil es nur so Müll gibt. Wichtiger wäre, dass man nach dem Spiel noch gemütlich einen zischen kann bevor sich alle Welt in die Bahn presst. 95 Ole!

    • Rainer Bartel am

      Ja, das mit dem Vorgehen um Freili, um dann die U79 in die Stadt zu nehmen, ist ein guter Plan. Und natürlich brauchen wir Fans eine Stadionkneipe!

  2. Der/die/das Maskottchen am

    Ich glaube da sind sich alle, deren Geschmacksnerven noch nicht vollständig Fast-Food gelähmt sind, einig: Das Essen (und Trinken) in der Arena ist ein überteuerter, ekelhafter, abgestandender Witz.

    Für das Vorher und Nachher kann ich nur das Schnuff (auf dem Sandweg hinter der Brücke am Freiigrathplatz) und/oder die Kastanie empfehlen, beides recht zügig zu Fuss erreichbar und voll mit Fans.
    Und natürlich immer wieder gerne besucht die Hotelbar, da trifft man immer mal wieder jemanden.

    Eine Kneipe direkt am Stadion wäre sicherlich richtig geil, aber wer würde da an den 340 anderen Tagen des Jahres, wenn eben keine Fans am „Stadion“ rumlungern, für Umsatz sorgen? Die Einheimischen rund um die Arena ja wohl kaum und die ganzen Konzertbesucher wohl auch nicht.

    Mal so nebenbei: Wie wäre es mal mit einer Reportagereihe über die beliebtesten Fantreffpunkte am Spieltag, gerne mit Übersichtskarte (und gerne auch Treffpunkten im nahen Umland).

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