Fortuna-Punkte 17/18: Es gibt ein F95-Leben nach Bebou…

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Je, nun, fott isser also, der gute Ihlas. Der flinke Junge, der von der ersten Bundesliga träumt und dann auch das erstbeste Angebot angenommen hat. Beziehungsweise seine Berater von der Arena11 Sports Group hat annehmen lassen. Was die sicher gern gemacht haben, von wegen der Provision und so. Leider ist es für ihn nur der Kind-Club geworden, also diese zukünftige Soccer-Entertainment-Company, bei der ein Hörgerät mehr als 50 Prozent der Anteile halten wird. Also der Noch-Verein, bei dem ein gewisser Charlie Benschop seinen Marktwert auf der Ersatzbank mal eben gefünftelt hat. Das tut uns wirklich leid für den Fummler, dessen Weg wir als Fortunen mit so viel Freude begleitet haben, der uns nach seinem bösen Sturz beim Uhren-Cup so viel Sorgen bereitet hat. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit wünschen wir ihm als bei Hanoi 96 alles, alles Gute.

Wäre man einer dieser eiskalten, leicht zynischen Soccer-BWL-Manager könnte man auch sagen: Bebou hat seine Aufgabe für diese Saison erfüllt. Mindestens 4,5 Millionen Euro Transfererlös wurde mit ihm realisiert. Und weil Fußball ja ein Geschäft ist, muss dieser Verkauf als gutes Geschäft gewertet werden. Nachdem man nun aber auch noch Yildirim für Geld losgeworden ist und den Kader dank diverser Vertragsenden und Ausleihen schön verkleinert hat (Merke: Gewinne steigern durch Reduktion der Personalkosten!), herrscht nach dem Zuklappen des Transferfensters eitel Sonnenschein hinter den Gardinen der Fortuna-Fußball-Firma.

Nicht auf den Euro schauen

Aber schauen wir mal nicht auf den Euro, sondern auf das Spielerische. Ja, das spielt beim modernen Fußball auch noch eine gewisse Rolle. Schauen wir vor allem auf die Neuzugänge, also die Spieler, die in der halb verkorksten Vorsaison noch nicht das heilige F95-Logo auf der Brust tragen durften. Und reden wir darüber, wer diese Neuen entdeckt und zur glorreichen Fortuna geholt hat. Singen wir als vor allem ein Loblied auf die beiden Herren im Foto ganz links und ganz rechts. Es handelt sich um zwei Fortuna-Ursteine, die nicht ganz so fähige Verantwortliche schon mal vom Hof gejagt hatten und die nun wieder mit an Bord sind: Uwe Klein und Goran Vucic.

Der ewige Uwe, gern auch UK genannt, war jahrhundertelang unter wechselnden Trainern Assi oder Co, und es gab unter den interessierten Fans allerlei Thesen, weshalb sich UK so lange hat halten können. Die handelsüblichen Verschwörungstheoretiker mutmaßten schon, uns Uwe habe Dossiers und kenne die Leichen diverser Herren in deren Kellnern, den könne man nicht rausschmeißen. Wer UK kennengelernt und sich mit ihm schon mal unterhalten hat, wird über derlei Dummfug den Kopf schütteln, denn für solche Intrigen ist Uwe Klein ganz sicher nicht der Mann. Goran Vucic war nicht nur Fußballgott für leider nur eine Saison, bevor ihn eine schwere Verletzung außer Gefecht setzte, sondern erfolgreicher Trainer der Zwoten und ab 2012 schon einmal Scout. Der komische Schulte konnte nicht mit Goran und warf ihn raus.

Uwe, Goran, Pali und die anderen

Und dann ist da noch der Pali, der in echt Robert Palikuca heißt und nach dem Ende seiner Karriere als Blutgrätschenspezialist schon mehrere Jobs im Verein abgearbeitet hat. Nun ist er „Leiter Operations Profimannschaft“, was sich unheimlich wichtig anhört, aber doch die Frage aufwirft: Was macht er eigentlich genau? Weil er in einem Streifen mit UK und Goran abgebildet ist, kann man vermuten, dass er irgendwie auch mit der Kaderplanung zu tun hat. Und tatsächlich fungiert der Pali quasi als reitender Bote zwischen den Scouts, dem Sportvorstand Erich Rutemöller und dem Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer, dessen Berater in sportlichen Dingen er nach Aussage seines Chefs ist. Wie die Scouting-Abteilungen (fast) aller Erst- und Zweitligateams verfügen UK und Goran natürlich über ein Netz von Informanten, die für sie Spieler beobachten und Infos einholen.

Wonach diese Helferlein und die Scouts und Kaderplanung schauen, wird vom Trainergespann Friedhelm Funkel und Peter Hermann in enger Abstimmung mit Rutemöller vorgegeben. Prinzipiell könnte UK als Leiter also eine Mail von Rutemöller kriegen, in der steht: „Hi Uwe, guckt ihr bitte mal nach einem spritzigen AV für links, der auch in einem 5er-Mittelfeld gut mitspielt oder sogar einen Linksaußen geben kann.“ Tatsächlich werden aber doch präzisere Profile angelegt, und natürlich haben Klein und Vucic jede Freiheit von sich aus interessante Spieler zu empfehlen. Und natürlich gibt es einen Budgetrahmen, der einzuhalten ist. Weil Robert Schäfer als – sagen wir einfach mal: „Fußballlaie“ nicht final beurteilen kann, ob dieser oder jener Kicker zu diesen oder jenen Konditionen einen guten Deal abgeben würde, filtert der Pali die Vorschlagslisten vor. Und um das Ganze noch komplizierter zu machen, wird dazu auch noch ein Fahrplan definiert.

Tolle Arbeit jenseits des Meckerns

Otto Normalfan hat ja dieses Jahr in der Sommerpause fortdauernd vor sich hin gemault. Da passiere ja gar nichts. Man höre nichts von Neuverpflichtungen. Und: Der Vorstand soll mal Geld in die Hand nehmen und einen Knaller verpflichten. Dieses Gemeckere ist so dermaßen fernab der real existierenden Kaderplanung, dass man nicht weiß, ob man sich drüber ärgern oder einfach nur lachen soll. Zumal eine fehlende Gerüchteküche schon das erste sichere Zeichen für eine hervorragende Arbeit der Scouting-Abteilung ist. Wie mit den Vereinen verhandelt wurde, von denen unsere Neuzugänge stammen, ist das zweite Signal für einen klasse Job, den die genannten ALLE ZUSAMMEN abgeliefert haben. Das gilt vor allem für den coolen Deal, Rouwen Hennings ablösefrei vom FC Burnley geholt zu haben, wo doch noch bis weit in den Juni hinein von bis zu 2 Mio Euro die Rede war.

Das allerdeutlichste Zeichen für eine phantastische, hochprofessionelle und kompetente Arbeit von Trainerteam, Scouts, Kaderplanern, Sportvorstand, Leiter Operations und auch Vorstandsvorsitzendem ist die schlichte Tatsache, dass es bislang so aussieht, als ob JEDER Neuzugang für eine Qualitätsverbesserung gesorgt hätte. Das gilt vor allem für Niko Gießelmann, Florian Neuhaus, Jean Zimmer und Raphael Wolf. Bei Emir Kujovic klappt’s noch nicht so gut, Davor Lovren hat ein unglaubliches Potenzial, und Harvard Nielsen wird zeigen, was er kann, sobald er wieder fit ist. Übrigens: Dass Kaan Ayhan und Andre Hoffmann immer noch im Kader sind und ein betonfestes IV-Duo bilden, ist ebenfalls ein Verdienst der genannten Herren.

Leihen statt kaufen – aber mit Option

Bis hierher hat der Verein für Neuzugänge gerade einmal 730.000 Euro rausgetan. Bei Einnahmen von insgesamt 5,15 Mio keine schlechte Bilanz. Natürlich dachte der bereits zitierte Otto Normalfan, jetzt aber, jetzt wird der Verein aber mal Geld in die Hand nehmen und einen Knaller verpflichten. Pustekuchen! Man präsentiert kurz vor knapp noch zwei Kicker, für die ihre Vereine gern eine bzw. zwei Mios haben würden, aber von niemanden kriegen. Also wurden Takashi Usami und Benito Raman ausgeliehen. Und weil einer der F95-Sponsoren auch noch das Gehalt für Usami übernimmt, läuft der praktisch kostenneutral auf. Und wenn die beiden so richtig einschlagen, dann kann man die Kaufoption ziehen.

Nun ist der liebe Ihlas sicher der Abgang, der auf den ersten Blick am meisten schmerzt. Aber außer ihm haben noch weitere nette Jungs den Verein auf die eine oder andere Art verlassen müssen. Kemal Rüzgar wurde schon im Vorjahr an Osnabrück verliehen und ist nun bei der Viktoria aus dem Domdorf gelandet. Weil man aber an Marlon Ritter und vor allem Emma Iyoha glaubt, hat man sie ausgeliehen, um sich die Möglichkeit offenzuhalten, sie zurück zu holen.

Kader schwächer ohne Bebou?

Stellt sich die Frage, ob – und falls ja – der Verkauf von Ihlas Bebou den Kader schwächt. Leider versuchen viele engagierte Freunde der glorreichen Fortuna das immer auf dem Niveau von „War ein guter, wird fehlen“ zu beantworten. Wenn es aber so einfach wäre, dann wären immer alle Teams bemüht, nur gute Spieler zu verpflichten. Die Kunst besteht aber darin, einen Kader zusammenzustellen, mit dem das Trainer-Team seine Vorstellungen von einem erfolgreichen Spiel realisieren können. So schön der gute Ihlas oft gespielt hat, so sehr er gegnerische Spieler serienweise ausgetrickst hat und so schöne Tore er auch gemacht hat: Wirkungsvoll war er nur, wenn er Narrenfreiheit hatte und wenn ein adäquater Partner mit auf dem Platz stand. Mit Rouwen Hennings hat er nie besonders gut harmoniert, mit Oliver Fink auch nicht – wenn überhaupt dann mit dem kreativen Mittelfeld und dem jeweiligen Rechtsaußen. In den Partien seit Bielefeld dämmerte eine solche ideale Partnerschaft zwischen Bebou und Jean Zimmer. Ja, dieses Duo hätte so etwas werden können wie Rösler und Beister, wobei die Betonung auf „hätte“ liegt. Und das auch nur, wenn gerade das System 3-5-2 angesagt ist. Bisschen wenig, um auf 4,5 Mio Euro zu verzichten.

Ob Ihlas Bebou wirklich erstligatauglich ist, ob er in den Hanoi-Kader passt, ob er regelmäßig zum Einsatz kommt oder sich gar einen Stammplatz erobern kann, steht in den Sternen. Ihm aber irgendetwas Böses nachzurufen, ist inakzeptabel, dafür hat er sich jederzeit voll und ganz für seine Mannschaft eingesetzt – quasi der Gegenentwurf zu den Dembeles dieser Welt. Eigentlich bleibt nur, Bebou alles, alles Gute zu wünschen, dass er spielen darf, dass er sich weiterentwickeln kann und dass er ein erfolgreicher Erstligaprofi wird. Denn er war und ist ein Fortune.

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3 Kommentare

  1. Amen – und nicht immer der dämliche Spruch vonh den Reisenden, die man nicht aufhalten soll…

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