Fortuna-Punkte: Was Investoren im Fußball so anrichten – am Beispiel des FC Portsmouth

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Ich kann nicht sagen, dass mir FC Portsmouth, der Club, den sie bei uns Pompey nennen, sonderlich sympathisch ist. Aber wenn ich mir die Historie der letzten zehn Jahre anschaue, dann tun mir die Supporters des Vereins ziemlich leid. Von skrupellosen Investoren gebeutelt landeten die Blauweißen am Ende nach einer massiven Pleite 2013 in der viertklassigen League Two. Dabei sah die Zukunft für Pompey im Sommer 2009 ungefähr so glänzend aus wie die von Manchester City, dem schon feststehenden Meister der aktuellen Saison. Denn derselbe arabische Unternehmer, der den Verkauf von ManCity eingefädelt hatte, hatte den FC Portsmouth erworben. Es sah so aus, als gäbe es – ähnlich wie beim FC Chelsea mit den Abramowitsch-Millionen – Geld im Überfluss, und man könne sich einen Kader auf Weltniveau zusammenkaufen. Aber das ging gründlich schief…

In nicht einmal zwölf Monaten wechselte dreimal der Besitzer, und die bereits durchgeführten Spielerkäufe waren nicht mehr gedeckt. Außerdem stellte sich heraus, dass der Trust, dem der FC Portsmouth zuvor gehörte, über 10 Millionen Steuerschulden angehäuft und darauf gehofft hatte, diese durch den Verkauf des Vereins bezahlen zu können. Nur: Vom nun chinesischen Eigentümer kamen keine Milliönchen, sondern Sparpläne. Plötzlich standen dem sportlichen Erfolg massivste Finanzprobleme gegenüber. Immerhin war Pompey 2003 mit Glanz und Gloria in die Premier League aufgestiegen und hatte 2008 den FA-Cup gewonnen. Die Schwierigkeiten waren so groß, dass die Verantwortlichen bei der Premier League beantragten, mitten in der Saison Spieler verkaufen zu dürfen – was nicht gestattet wurde.

Die Pleite

Die Pleite nahm ihren Lauf, und weil die katastrophalen Finanzen mit Punktabzügen bestraft wurden, stieg der FC Portsmouth ab. Und am Ende der Saison 2010/11 aus demselben Grund wieder. Damit war der Club am Ende und musste einen neuen Anlauf in der vierten Liga nehmen. Hört sich bekannt an? Ja, schon – denn ähnlich erging es ja einigen deutschen Traditionsvereinen wie Rot-Weiss Essen oder Alemannia Aachen sowie zuletzt 1860 München. Wobei die Sechziger der einzige deutsche Club sind, dessen Schicksal dem von Pompey ähnelt. Allerdings haben sich die insgesamt vier verschiedenen Eigentümer bzw. Investoren beim FC Portsmouth nie so in die sportlichen Dinge eingemischt wie Hasan Ismaik das bei den Münchnern getan hat.

Die interessante Frage ist ja nur: Warum steigen finanzkräftige Leute oder Organisationen bei einem Fußballverein ein? Und da unterscheiden sich England und Deutschland doch sehr. Wer – im Rahmen der geltenden 50+1-Regel – in einen deutschen Club investiert, kann nicht wirklich auf Profite hoffen. Weil die englischen Clubs aber bis runter in die vierte Liga durchweg selbst Unternehmen sind, werden sie eben als Investitionsobjekte betrachtet, die Profite erzielen sollen, sodass es irgendwann ein Return on Investment gibt. Ausnahmen wie Roman Abramowitsch bestätigen die Regel. Und so ist es nicht besonders komisch, dass sich nun der frühere Disney-Boss Michael Eisner den FC Portsmouth gekauft hat. Denn der Mann, der angeblich 1 Milliarde US-Dollar schwer ist, investiert stark profitorientiert in die Medien- und Entertainment-Industrie.

Und wieder ein Investor

Wenn Eisner irgendwo einsteigt, dann erwartet er nennenswerte Gewinner innerhalb nicht allzu ferner Zukunft. Könnte also sein, dass Pompey noch einmal mit viel Geld aufgeblasen wird. Der Pompey Supporters Trust, dem der Club bis dahin zu 48,5% gehörte, war eine Non-Profit-Organisation, die vom Erlös nichts sieht. Das tun die sogenannten 16 „Präsidenten“, denen der Rest gehörte – und zwar weil sie es waren, die in der Finanzkrise das Geld für den Wiederaufbau gaben. Einen „eingetragenen Verein“ als Inhaber gab es in Portsmouth schon lange nicht mehr. Die Fans des FC Portsmouth sollten also Angst vorm Investor haben; stattdessen aber hängen sie Michael Eisner an den Lippen, der die üblichen Sprüche von Leidenschaft und einem langsamen, vernünftigen Aufbau über die Medien verlauten lässt.

Und was hat das alles mit unserer Fortuna zu tun? Dass wir alle heilfroh sein sollten, dass das aktuelle Management sich ganz klar für die 50+1-Regel ausgesprochen hat und ganz und gar darauf setzt, dass man auch mit einem e.V. erfolgreich im Profifußball sein kann. Guckt man nach England – und Pompey ist ja nicht der einzige Fall, wenn auch ein besonders schwerer -, kann man sehen, was Investoren bei einem Club anrichten können. Und das ist oft nichts Gutes.

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