Heidenheim vs F95 2:0 – No risk, no fun

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F95-Fans, die jetzt pauschal meckern und mosern, haben gar nichts verstanden. Auch wenn die glorreiche Fortuna dieses Mal verloren hat, hat das Team der Trainer Funkel und Hermann auf der Alb besser gespielt als beim Unentschieden in der Vorwoche. Leider waren aber exakt dieselben Fehler und Probleme zu beobachten, die auch schon gegen Fürth überdeutlich zu erkennen waren. Vor allem Fehler bzw. die viel zu hohe Fehlerquote. Auch wenn die beim Gegner nicht geringer war, ist die Fülle an unnötigen Ballverlusten und Fehlpässen einigermaßen erschreckend. Hier beginnt die Spurensuche. Auffällig erneut, dass der Schwung der ersten 15, 20 Minuten, in denen die Fortunen sicher und gefällig kombinierten, nach der ersten ernsthaften Gegenwehr der Kontrahenten verebbt. Vermutlich würde ein Tor in dieser Phase reichen, F95 als Sieger vom Platz gehen zu lassen. Und auch das ist eine Spur.

Keine Diskussion um Rensing

Tatsächlich war das Spiel erst nach dem Traumtor des Schnatterers aus Heidenheim verloren. Natürlich waren die vielen, vielen selbsternannten Fortuna-Trainer in den Kneipen außer sich und verteufelten Torhüter Rensing als Fliegenfänger. Dabei hat dessen Ausflug nur bewiesen, was alle – er selbst eingeschlossen – längst wissen: Sein Revier ist der Sechzehner. Außerhalb stellt Rensing immer ein Sicherheitsrisiko dar. Und weil er das selbst weiß, verlässt er seine Schutzzone bekanntlich so gut wie nie. Wer ihn jetzt als Matchloser abstempelt, übersieht, dass er vor der Halbzeitpause mit zwei Paraden seine Kollegen wieder einmal vor einem Rückstand bewahrte. Natürlich war das 2:0 völlig überflüssig, denn dem Kunstschuss ging keine wirklich torgefährliche Situation voraus.

Möglicherweise hätte Michael Rensing schon das 1:0 verhindert, weil er beim Flachschuss des Heidenheimers in der 70. Minute goldrichtig stand. Aber Madlung fälschte den Ball unglücklich ab, sodass der F95-Keeper nichts mehr zu halten hatte. Der Treffer geht insgesamt auf das Konto von Oliver Fink, der sich den Ball abnehmen ließ. Überhaupt hatte der Käpt’n keinen guten Tag. Ähnlich wie Axel Bellinghausen in der Vorwoche wäre Fink schon zur Pause besser ausgewechselt worden. Und damit haben wir eine weitere Spur zur Gesamtsituation der Fortuna am 5. Spieltag der Zweiligasaison 2016/17.

Das Frustrationstoleranzniveau

Denn ganz ähnlich wie in der Vorwoche kam mit den Einwechslungen der jungen Krieger – in diesem Fall Ngombo, Ferati und Kiesewetter – der Schwung der ersten Viertelstunde zurück. Ironie der Sache, dass nur einer der alten Recken weichen musste, während mit Bebou und Sobottka zwei der nominellen Youngster gehen mussten. Und wieder spielte Jerome Kiesewetter (rein statistisch betrachtet) vollkommen fehlerfrei; er war aber auch nur knapp zehn Minuten auf dem Platz. Arianit Ferati hatte offensichtlich wieder die große Freiheit verordnet bekommen und wirbelt quer durch den Sturm. Mecky Ngombo konnte sich in der knappen Viertelstunde seiner Anwesenheit dagegen nicht besonders auszeichnen.

Interessant zu beobachten aber war, wie die Achsenmächte (Madlung, Bodzek, Fink und Bellinghausen) auf das Grottengekicke vor der Pause reagierten – nämlich gar nicht. Es wirkte so als könnten sie das üble Spiel gut hinnehmen – vielleicht in der Hoffnung auf Besserung in der zweiten Spielhälfte. Marcel Sobottka und Ihlas Bebou war dagegen ein gewisser Grundfrust anzumerken. Der wirkt sich bei den Beiden allerdings ihrer jeweiligen Persönlichkeitsstruktur entsprechend unterschiedlich aus. Ähnlich wie gegen Fürth hat man bei Bebou den Eindruck, er würde mit zunehmendem Misserfolg der Mannschaft immer hektischer und resigniere irgendwann. Sobottka zieht sich in solchen Situationen eher zurück.

Mehr Risiko, mehr Spaß

Das Schlimme an Spielen wie das gegen Fürth und das gegen Heidenheim ist nicht, dass Punkte verschenkt werden, sondern dass allen Beteiligten der Spaß verlorengeht. Das ist besonders frustrierend für die Fans, die ja das Trainergespann und das Team mit einem enormen Vertrauensvorschuss in die Saison geschickt haben. „Egal wo die Mannschaft steht – Hauptsache wieder Spaß an der Fortuna“ lautete die weit verbreitete Devise. Aber Spaß haben die letzten beiden Partien nicht gemacht.

Nun steht F95 mit sechs Punkten auf dem elften Tabellenplatz, und irgendwie ist schon wieder ein Hauch Tristesse eingezogen. Zu gerne würde man als Freund der launischen Diva wieder Euphorie verspüren, Freude, Emotion. Stattdessen gibt’s Magerkost. Ja, viele Menschen, die seit vielen, vielen Jahren am Club aus Flingern hängen, wünschen sich mehr Spaß und wissen, dass der nur mit mehr Risiko zu haben ist. Das Risiko lautet: Mehr junge Wilde in die Startelf! Wozu diese Jungs, die alle mögen, in der Lage sind, haben ja unter anderem Robin Bormuth, Jerome Kiesewetter, Arianit Ferati, Emma Iyoha und der leider noch nicht wieder fitte Özkan Yildirim bereits bewiesen. Auch Marlon Ritter, Anderson Lucoqui und vor allem Kemal Rüzgar haben das Zeug, mehr Spaß ins Spiel der Fortunen zu bringen.

Vielleicht ist ja das Heimspiel gegen Bochum am kommenden Dienstag genau die richtige Gelegenheit, in größerem Maße auf die Jugend zu setzen als sich Funkel und Hermann das bisher getraut haben.

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1 Kommentar

  1. Sehr gute Analyse. Funkel muss jetzt was ändern und endlich auf die Jungen setzen. Wir haben eine der ältesten Mannschaften auf dem Platz, obwohl uns angekündigt wurde, Fortuna setze auf die Jugend. Die dürfen auch gerne einmal verlieren, Hauptsache dieser Beamtenfußball von Bodzek, Madlung und Fink hört endlich auf… Von Axels Spiel ganz zu schweigen.

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