Michael Rother spielt „Flammende Herzen“ live im ZAKK

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Es war ein historischer Abend. Den wir einer wunderbaren Idee verdanken. Miguel Passarge und die Zakk-Leute wollten, dass bekannte Bands und Künstler im Rahmen eines Festivals eines ihrer jeweils berühmtesten Alben live auf die Bühne bringen. Und anderem eben auch Michael Rother seine „Flammende Herzen„. Und das war eine Weltpremiere, denn nie zuvor hat Rother diese Stücke live gegeben. Auf seine charmant-schüchterne Art gab er auch gleich zu Beginn bekannt, dass er schon ein wenig nervös sei. Und deshalb erst einmal einen kurzen Set anderer „Songs“ spielen wolle. Da hatte er schon das eine oder andere bekannte Gesicht im Publikum entdeckt. Denn dieser Gig war auch eine Art Klassentreffen der Düsseldorfer Musik der Sechziger- und Siebzigerjahre.

Ganz vorn an der Bühne zum Beispiel Christoph Kukulies, der Keyboarder der legendären Band „Spirits of Sound“, die ihren Ausgangspunkt am Rethel-Gynasium hatte. Uwe Frisch, einst Handball-Star am Rethel-Gymnasium und Sänger der Band stößt dazu. Man tauscht Erinnerungen aus und fragt, wo denn dieser oder jener abgeblieben ist. Der TD-Artikel über Houschäng Nejadepour wird diskutiert. Christoph erkennt meinen Freund Kalle – sie haben in verschiedenen Bands gespielt, hatten aber einmal Auftritte am selben Ort zur selben Zeit. Namen von Düsseldorfer Bands kreisen. Die Veteranen skizzieren ihre musikalischen Lebensläufe. Später stößt Wolfgang Flür, und Leute, die es wissen sollten, schwören, dass sich Bodo Staiger zur Mitte des Konzerts in den Saal geschlichen hat. Dazu natürlich Düsseldorfer Pop-Rock-Punk-Größen wie Rudi Esch. Gesichtet wurden auch ehemalige Musikerinnen von Östro 430 sowie Kollegen von den Fehlfarben, die am Samstag das Festival eröffnet hatten. So viele Kontakte sind entstanden, so viele Geschichte wurden begonnen, dass The Düsseldorfer im kommenden Jahr öfters auf die Düsseldorfer Musik dieser Jahre und ihre Protagonisten zurückkommen wird.

Später in der Zakk-Kneipe meinte ein Zuhörer auch schon gehobenen Alters: „Dafür schmeiß ich die ganze banal Punk-Scheiße doch gleich weg.“ Tatsächlich war dies ein Thema des Abends, dass die Glorifizierung dessen, was im Düsseldorfer der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre „Punk“ genannt wurde, inzwischen nur noch nervig sei und den Zugang zur höherwertigen Musik der genannten Musiker und Bands erschwere. Ein anderer Gast wandte zu Recht dagegen ein, dass es ja gerade Klaus Dinger mit seinem teils hochaggressiven Stil war, der einen spezifisch Düsseldorfer Punk hat entstehen lassen. Und obwohl vorher und nachher intensiv geredet und diskutiert wurde, standen doch Michael Rother und seine drei Mitstreiter im Mittelpunkt. Mit denen ist er nun auch schon ein paar Jahre unterwegs. Franz Bargmann unterstützt Rother an der Gitarre und Thomas Beckmann ist für die Multimedia-Show zuständig. Aber dann ist da auch noch der ebenfalls legendäre Hans Lampe am vollelektronischen Roland-Drumset.

Es ist Rudi Esch und seinem eminent wichtigen Buch „Electri_City“ zu verdanken, dass die Rolle dieses Technikfricklers, der zum Trommeln kam, weil Klaus Dinger keinen Bock mehr auf Drums hatte, endlich richtig eingeordnet wurde. Denn bisher ging Hans Lampe in der Historie und den Histörchen meist unter. Nun sitzt er da und hinterlegt Rothers Sound-Phantasien mit dem stoischen Beat, den er einst Dinger abgeschaut hat. Natürlich waren gut Dreiviertel der Anwesenden wegen der „Flammenden Herzen“ da, einige schwenkten die Original-Vinyl-Platte und ließen sich die später signieren. Aber schon die erste halbe Stunde des Konzerts verzauberte die Menge in der sehr gut gefüllten Zakk-Halle. Als dann die legendären ersten Akkorde der bewussten Platte erklangen, gab es kein Halten mehr. Und gerade in der wunderbar gelungenen Live-Version dieses Abends wurde klar, dass das Titelstück „Flammende Herzen“ da möglicherweise schönste Stück Musik ist, das je aus Düsseldorf kam.

Mit den rund 35 Minuten Spielzeit hatte sich das Trio warmgespielt und wagte eine Rundreise durch das übrige Oeuvre von Rother und den Projekten, an denen er beteiligt war. Die zog sich dann noch einmal fast eine Stunde hin, und am Ende waren alle erschöpft, aber glücklich. Und das ist etwas, was man noch lange nicht nach jedem Konzertbesuch sagen kann.

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3 Kommentare

  1. Rainer Bartel am

    Ansage von Michael Rother zu Beginn vor ca. 800 Ohrenzeugen: „Wir haben dieses Album noch nie komplett live gespielt, hoffe es geht gut.“ Nach der grandiosen Performance: „Das Experiment hat soviel Spaß gemacht, dass ich mich noch einmal über die alten Bänder hermachen werde.“

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