OB Geisel macht den Erwin. Oder: demokratieallergische Reaktionen

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Am Donnerstag kam es im Rat der Stadt zu einem Eklat, dessen Entstehen für Nicht-Lokalpolitiker schwer zu verstehen ist, den Vereinsmeier aber bestens kennen: Der Versammlungsleiter hält sich nicht an Absprachen, sondern paukt eine Abstimmung nach seinen Wünschen durch. Was der aktuelle OB Geisel da trieb, kennen die Älteren unter uns bestens, denn für derartige Spirenzchen war der im Mai 2008 verstorbene Joachim Erwin notorisch. Besonders in seiner Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender der Fortuna und damit Leiter der jährlichen Hauptversammlung. Die Erwinistische Methode, mit ihm nicht genehmen Anträgen umzugehen, bestand darin, deren Texte leise ins Mikro zu nuscheln und dann ohne Pause zur Abstimmung aufzurufen. Nach einer solchen Versammlung darauf angesprochen, meinte Erwin einst, Demokratie sei was für den Kindergarten. Ob auch Thomas Geisel unter einer leichten Demokratieallergie leidet, ist nicht bekannt, als jemand, der sich in den vergangenen Jahrzehnten als Manager durch Unternehmen wie die Treuhandanstalt, Enron und Eon-Ruhrgas geschlängelt hat, geht ihm aber der Respekt vor Mitbestimmern anscheinend ab. Und zwar dermaßen, dass selbst die SPD-Fraktion im Rat der Stadt empört war.

Jedenfalls entzieht sich OB Geisel momentan auf verschiedenen Feldern selbst die Unterstützung durch die regierende Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. In allen Unmutsfällen – vom miesen Umgang mit den Stadtbediensteten über seine Alleingänge bei den Umbenennungen von Mannesmann-Hochhaus und Düsseldorfer Flughafen bis hin zu mangelnder Transparenz bei den Tour-de-France-Plänen – zeigte er dieselben Verhaltensmuster wie Joachim Erwin bei seinen Bauprojekten; allen voran dem Hickhack rund um die Arena in Stockum, für die Düsseldorfer Steuerzahler noch heute Jahr für Jahr satte Subventionen finanzieren.

Nur die Motive unterscheiden sich offensichtlich. Während es Erwin darum ging, sich möglichst viele Baudenkmäler in der Stadt zu sichern und die hiesige Plan- und Bauwirtschaft zu fördern, scheint Geisel einfach nicht gewohnt zu sein, in demokratischen Strukturen zu denken und zu handeln. Und weil – darauf lässt seine andauernde populistische Selbstdarstellung schließen – er als eher kurzgewachsener Mann anscheinend ausreichend eitel ist, möchte er sich mögliche Erfolge in voller Schönheit ans Revers heften. Ähnlich wie die Erwin-Bewunderer bis heute davon sprechen, dass OB Erwin ja den Kö-Bogen hat bauen lassen und die bereits erwähnte Arena, möchte Geisel wohl, dass man nach seiner kurzen Amtszeit davon schwärmt, er habe dieses und jenes in der Stadt bewegt. Dabei sieht seine Zwischenbilanz alles andere als gut aus. Seine größte Tat ist nach Ansicht vieler Bürger die Ernennung der ehemaligen Konkurrentin um das OB-Amt, Miriam Koch, zur Flüchtlingsbeauftragten.

Ansonsten legt sich Geisel gern mit den Verantwortlichen der städtischen Unternehmen an und versucht systematisch, seine Vasallen an die Schaltstellen der Stadt zu bringen – auch das nach der Methode „Erwin“. Die er übrigens in Sachen Finanzen kopiert. So agiert nicht nur bei der scheinbaren Schuldenfreiheit so, sondern jetzt auch bei der Finanzierung des Grand Depart der Tour de France 2017. Dieser Event – maßgeschneidert für den profimäßig rennradelnden Sohn der SPD-Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke – soll nämlich im Wesentlichen durch städtische Unternehmen gesponsort werden. Für den weniger aufmerksamen Bürger sähe das so aus, als bliebe die Stadt nicht auf Millionenkosten sitzen, sondern profitiere vom Engagement der Firmen. Tatsächlich aber gehen die Sponsorgelder von Messe, Flughafen etc. zulasten ihrer Ergebnisse, die wiederum sinnvolle Investitionen der Stadt finanzieren würden.

Schon rund um den Arena-Skandal hat OB Erwin der Bevölkerung durch Verschieben von Kosten vorgegaukelt, die Turnhalle hinter der Messe koste die Stadt praktisch nichts. Das stellte sich schon vor Erwins Tod als glatte Lüge heraus. Die Bürger Düsseldorfs werden ja sehen, ob OB Thomas Geisel als praktizierender Protestant wenigstens ehrlicher ist als sein Vorvorgänger.

[Foto: Solches via Wikimedia, lizensiert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported]

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