Post vom Rainer: Lieber Thomas Geisel…

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…Sie sind ein umtriebiges Kerlchen. Und verstehen, sich beliebt zu machen. Den Kulturbeflissenen blasen Sie manchmal was auf der Flöte, für die Fortuna-Fans schlagen Sie Rad in der Arena, und die Immobilien-Unternehmer lassen sie hier und da interessante Investitionen tätigen.

Das war nicht immer so. Als Manager waren Sie bei Ihren Untergebenen nicht sonderlich beliebt. Kleine Männer vertragen es schlecht, unbeliebt zu sein.

Deshalb sind Sie so wie Sie sind. Vielleicht meinen Sie das alles aber auch ernst: Schauspielhaus abreißen, Stadtbedienstete freistellen, Hochhäuser zwischen WDR und Rheinturm bauen lassen, den Tour-de-France-Start nach Düsseldorf holen.

Dann wäre Ihr größter Bewunderer ein Toter. Der ehemalige OB Joachim Erwin hätte das genau so gemacht wie Sie. Was Sie unterscheidet: Ihre besseren Umgangsformen und Ihre verbindliche Art.

Besonders beliebt sind Sie bei Bürgern, die unter Erwin und seinem Nachfolger gelitten haben. Die reden Ihnen gern nach dem Mund. Ja, es gibt sogar Arschkriechern unter denen. Aber das alles reicht nicht, weil Sie nicht den geringsten Schimmer haben, wie Düsseldorfer ticken.

Hoffen wir also, dass Sie in den sechs Jahren Ihrer Amtszeit keinen größeren Schaden anrichten.

[Weil es früher schon nachgefragt wurde: Ja, diese Kolumne ist eine Hommage an den großen Franz-Josef Wagner, der mit seiner „Post vom Wagner“ in der BILD Maßstäbe gesetzt hat: für Schlichtheit, Populismus und Ironiefreiheit. „Post vom Rainer“ ist in diesem Sinne gleich doppelt satirisch angelegt…]

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