Ringsgwandl: Düsseldorf ist die Hauptstadt von Porta Westfalica…

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Nun ist Georg Ringsgwandl ja in Bayern weltberühmt und vermutlich einer der besten deutschen Liedermacher überhaupt. Für die Menschen (Zitat G.R.:) „nördlich der Linie Augsburg – Würzburg“ in etwa so exotisch wie ein Inuit-Posaunist. Und weil der oide Grantler das weiß, bemüht er sich ums Hochdeutsche und gibt Begriffserklärungen – zum Beispiel eine Übersetzung des schönen bayerischen Wortes „schiach“. Ansonsten hatte er einen Stapel neuer Lieder mitgebracht, die er (O-Ton) „in einer Stubenandacht an einem feuchten Mittwoch“ präsentierte. Überhaupt: The secret word of the evening was: „Stubenmusi“. Darüber fabulierte der Tüpp mit dem fänomenalen Zinken im Gesicht beim freien Improvisieren auf der Zither. Sein Freind, dära Lemmy, der sei ja jetzt auch dod. Der sei ihn öfter besuchten gekommen und habe zum Klang der Zither haltlos geweint, so schee sei des g’wen.

Vorher habe er aber immer erst zwei Flaschen Strohrum trinken müssen. Dann sein sie auf dia Hütt’n und hätten z’samm a Stubenmusi gespuit. Der Lemmy, der habe ja seine Zähne rausnehmen können und deshalb wahnsinnige Sachen auf einer Maultrommel spielen können. Und dann war da noch der Beamter der höheren Laufbahn mit „solch am verkackten Prius“, den ein 300-PS-Bolide mitten in Frankfurt niedergemäht hat bei einem illegalen Autorennen. Das brachte den Ringsgwandl auf die Frage nach der Wiedergeburt. Als Insekt wär zum Beispiel schlecht. Ga könnt man sich nicht wehren, weil man so eine leise Stimme hätte. Ansonsten war viel von Dahoam die Rede in den feinen Liedern, von fehlender Liebe und starken Frauen. Von seiner eigenen zum Beispiel. Die sei giftig, so richtig giftig, die habe immer einen so vorwurfsvollen Ton. Aber wenn er auf der Zither spiele, dann schmelze sie so dahin.

Leider nur knapp 250 Zuhörer mit einem Altersdurchschnitt jenseits der 65 – also auf Augenhöhe mit dem Ringsgwandl – verfolgten mehr als zweieinhalb Stunden Programm, bei dem er von einer dreiköpfigen Band begleitet wurde. Gitarrist, Bassist und Perkussionist waren – und das kennt man von Ringsgwandls Begleitern schon immer – unverschämt gut und konnten und jeder der wechselnden Stile die passenden Töne und Rhythmen legen.

Ohne da sgroß zu thematisieren, streute der oide Grantler vier ältere Stücke ein. Darunter eine schräg-witzige Fassung von „Hühnerarsch sei wachsam“, eine swingende Version von „Wie di Joahr vrobeiziehn“ und eine ebenfalls modernisierte Variante des Bod-Dylan-Covers „Nix mitnehma“. Später stand er dann im Foyer für Autogramme, Selfies und Gespräche zur Verfügung. Wenn er jetzt noch erfährt, dass es während seines Auftritts gleich gegen über vom Savoy eine Schießerei gegeben hat, wird er dies sicher als Anekdote in sein Programm einbauen.

Hier ein aktuelles Video mit der besagten Band, mit der er das aktuelle Album in einem Münchner Wohnzimmer aufgenommen hat:

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