Skandal: Die Südpark-Pfleger der WfaA sollen weggespart werden!

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Was ist der wesentliche Unterschied zwischen dem Volksgarten und dem Südpark? Während im altehrwürdigen Volksgarten übellaunige Gartenamtsmitarbeiter oder gnadenlose Leute von externen GaLa-Betrieben für jeden abgebrochenen Ast mit ihren orangefarbigen, stinkenden Pritschenautos quer durch die Anlage kariolen, radeln die freundlichen Mitarbeiter der Werkstatt für angepasste Arbeit (WfaA) durch das ehemalige Buga-Gelände und pflegen jede Wiese, jede Hecke und jeden Garten mit Sorgfalt und Liebe. Und wenn es etwas zu transportieren gibt, summen sie mit Elektrokarren durchs Gelände. Das Wirken des Gala-Teams, das am Kinderbauernhof und bei den Vier Linden (Akki) stationiert ist, kennt und schätzt jede/r FreundIn des Südparks. Im Zuge der vom OB verordneten Sparmaßnahmen unter dem euphemistischen Titel „Verwaltung 2010“ hat Gartenamtsleiterin Doris Törkel den seit 26 Jahren bestehenden Auftrag an die WfaA nun zur Disposition gestellt. Im Klartext: Auf jeden Fall wird das Honorar, das den WfaA-Mitarbeitern – vorwiegend Menschen mit geistiger Behinderung – den Arbeitsplatz sichert, gekürzt. Schlimmstenfalls wird der Auftrag anderweitig vergeben. Das ist in jeder Hinsicht ein Skandal!

Dummerweise haben sich die Medien und in der Folge natürlich auch die grüne Ratsfraktion nur auf das Thema „Streichelzoo“ gestürzt. Ausgerechnet die Grünen sind laut ihrer Pressemitteilung ansonsten mit Kürzungen bei der Südpark-Pflege einverstanden:

„Der Streichelzoo im Südpark wird bleiben“, erklärt Angela Hebeler, Sprecherin der GRÜNEN Ratsfraktion. Die GRÜNEN reagieren auf einen Pressebericht, der Zoo falle möglicherweise einer Sparmaßnahme zum Opfer. Hebeler: „Richtig ist, dass aufgrund der schwierigen Haushaltslage die Stadt auch bei den Parks nach Sparpotenzial sucht. Da ist auch die teilweise kostenaufwändige Pflege der Wiesen und Gärten des Südparks nicht tabu. Aber die Angebote der Werkstatt für angepasste Arbeit – Hofladen, Cafe, Minigolf und Streichelzoo – dürfen davon nicht getroffen werden“.
Christine Ewert, Sprecherin der GRÜNEN im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen kündigt an, nachzuhaken: „Wir lassen uns die Überlegungen und die Gespräche mit der WfaA im Fachausschuss erläutern. Bei der Pflege des Parks ist eine naturhähere und damit auch günstigere Gestaltung in einigen Bereichen vorstellbar und auch ein Gewinn für den Park. Aber das kann unabhängig vom Betrieb des Streichelzoos diskutiert werden. Der Zoo bleibt.“

Orangene Monster

Orangene Monster – die Terrortruppen des Gartenamts

Natürlich ist es kostenaufwändiger, wenn engagierte Menschen schonend mit der Pflanzenwelt umgehen, denn natürlich wird dabei mehr Arbeitskraft investiert als beim gängigen Hantieren mit grobem Werkzeug. Dass dem Gartenamt die tolle Arbeit des WfaA-Gala-Teams ein Dorn im Auge ist, dürfte bekannt sin. Und selbstverständlich möchte die Amtsleiterin lieber woanders sparen als bei ihrer automobilen Kampftruppe, die tagtäglich durch den Volksgarten brummt und sich den Weg gegenüber Spaziergängern schon mal freihupt. Dass die Mitarbeiter selbst Wege von kaum 200 Metern von ihrem Standort am Nordostende des Parks zu einem Einsatzort mit dem Lieferwagen zurücklegen, ist unerträglich. Übertroffen wird dieses absolut nicht zeitgemäße Verhalten nur noch von den beauftragten Fremdbetrieben, deren Mitarbeiter gern ohne Gehörschutz, Schutzbrillen und Handschuhen mit der Elektrosense herumfuhrwerken.

Solidarität mit der WfaA

Es gilt, der Sparwut Widerstand entgegenzusetzen – besonders, wenn davon Menschen betroffen sind, die ihre Arbeit mit Liebe leisten und denen diese Arbeit absoluter Lebensmittelpunkt ist. Kann gut sein, dass Gartenamtsleiterin Törkel in vorauseilendem Gehorsam nachdenkt oder mit der Absicht den eigenen „Head Count“ und damit die persönliche Wichtigkeit zu sichern. Kann aber nicht sein, dass ausgerechnet die Werkstatt für angepasste Arbeit und ihre Arbeitnehmer die Leidtragenden dieser ganzen Angelegenheit sein werden. Und der grünen Ratsfraktion sei angeraten, sich einmal persönlich in den Südpark zu begeben und die Gala-Leute der WfaA bei der Arbeit kennenzulernen.

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5 Kommentare

  1. Bernd Überacker am

    Grüne Vorstellung von Inklusion.

    Vielen Dank, für ihr soziales Engagement, Ratsfrau Hebeler.

  2. Benutzen die Mitarbeiter der Fremdbetriebe absichtlich keine Schutzkleidung oder wird sie ihnen nicht gestellt? Oftmals wird in solchen kostengünstig arbeitenden Betrieben an solchen Kostenfaktoren gerne gespart, was in erster Linie die Gesundheit der Mitarbeiter negativ beeinflussen könnte. Ich finde, Du könntest ruhig mal die „cui bono“-Frage stellen!

    • Rainer Bartel am

      Natürlich arbeiten viele dieser Arbeiter aus Kostengründen ohne ausreichenden Schutz!Und natürlich profitieren die vom Gartenamt (und übrigens an der Düssel von der unteren Wasserbehörde) verpflichteten Gala-Unternehmen davon – nur so können sie die gewünschten niedrigen Preise anbieten.

  3. Der/die/das Maskottchen am

    Das Gartenamt. Genauso fähig wie viele andere Ämter hier in Düsseldorf. OB Geisel hat vollkommen recht damit, wenn er meint das die Verwaltung effizienter werden muss, allerdings nicht so.
    Die WfaA leistet tolle Arbeit im Südpark und es würde Düsseldorf gut zu Gesicht stehen, wenn die WfaA oder andere Einrichtungen hier Düsseldorf stärker eingebunden würden.
    Ich weiss, es hört sich furchtbar spiessig an, aber wenn man sieht das irgendwo Menschen ohne die notwendige Schutzkleidung arbeiten, dann kann man ruhig mal Herrn Plaumann von der Bezirksregierung anrufen, er ist dort Leiter des Dezernat 56 (Betrieblicher Arbeitsschutz) Tel.: 0211 4759454. Ein hoher Kostenfaktor für die WfaA ist nämlich der Arbeitsschutz, der bei der WfaA ernst genommen und sehr massiv überwacht wird. Wie ernst es den üblichen Subunternehmern des Gartenamts damit ist, sieht man ja.
    Ausserdem könnte man ja mal über ein generelles Fahrverbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren/fossilen Brennstoffen in öffentlichen Parkanlagen nachdenken.

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