Thor Steinar im Schumacher an der Oststraße

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Gestern war ich mit einem guten alten Schulfreund zum Bier im Stammhaus der Brauerei Schumacher verabredet. Wie immer bezogen wir Stellung an einem der Tische in der Schwemme, an dem ein paar junge Leute aßen und tranke. Plötzlich traute ich meinen Augen nicht: Am Tisch unter dem Fenster steht da ein Typ mit einer grauen Thor-Steinar-Jacke. Also mit einem Kleidungsstück der Marke „Thor Steinar„, die von den entsprechenden Behörden als Erkennungsmerkmal für Neonazis gewertet wird. Also nicht für irgendwelche Rechtsdrehende à la AfD, sondern für Rechtsextreme. Zu den Thor-Steinar-Trägern zählen u.a. die Sympathisanten des NSU und etliche Arschlöcher, die am Anzünden von Flüchtlingsheimen beteiligt waren. Für mich fühlte sich das so an: Jetzt stehen die Drecknazis schon rotzfrech in meinem Wohnzimmer und zeigen ihre Symbole.

Thor Steinar: Das verbotene und das neue Symbol

Thor Steinar: Das verbotene und das neue Symbol

Apropos: Die bewusste Jacke war noch mit dem Symbol versehen, das seit einigen Jahren explizit verboten ist. Und das u.a. weil es exakt die Symbolik verwendet, die auch der Massenmörder Anders Breivik vorwiegend verwendet hat. Das alles ist also kein Spaß. Am Tisch zwischen uns saßen zu der Zeit zwei junge Männer und zwei junge Frauen, die offenbar paarweise miteinander verbunden waren; eine der Damen fiel durch eine dunkle Hautfarbe auf. Der Mann, der mir den Rücken zukehrte und freie Sicht auf den Thor-Steinar-Träger hatte, sprach den an. Ein kurzes Wortgefecht. Der Typ stammelte was von, er sei eigentlich ein netter Kerl. Und dann auch noch, er wisse gar nicht, was es mit diesem Thor-Steinar-Zeug auf sich habe. Da konnte ich nicht mehr halten und rief rüber: „Mit den Scheiß-Nazi-Klamotten kämst du nicht mal in unsere Arena!“ Tatsächlich haben Leute mit Thor-Steinar-Kleidung zu den Spielen der Fortuna in der Arena keinen Zutritt – weder auf Düsseldorfer, noch auf Gästeseite.

Einer der Kumpels des Steinar-Fans meinte, aggressiv werden zu müssen. Es gab einen, ähem, Meinungsaustausch bis sich B., einer meiner Lieblings-Köbesse, einmischte. Dann kam er zu uns rüber und erklärte mir die Sache: Er sei sehr froh, dass der junge Mann und ich aufgestanden wären und etwas zu den Nazi-Sachen gesagt hätten. Er können das ja von sich aus nicht tun. Es gäbe im Schumacher auch leider keine klare Regelung in Bezug auf Nazi-Klamotten und -Symbole. Nur wenn Gäste öffentlich und laut rechtsextreme Dinge sagen oder tun – z.B. den Hitlergruß zeigen -, würden sie rausgeworfen. Das sei bei russischen Neonazis schon einmal vorgekommen. Der Typ mit der grauen Jacke aber, der sei Stammgast. Und nicht gerade die hellste Kerze am Baum. Ein solider Handwerker, der die ganze Aufregung gar nicht versteht. Ich versprach, mich ruhig zu verhalten. Er selbst, so B., spreche den immer darauf an, verarsche ihn auch gern mal. Ein paar Minuten später hatte er ihm einen Storch-Heinar-Zettel auf den Rücken gebappt – genau auf den Schriftzug der Nazi-Marke…

Irgendwann hatte sich eine Frau mittleren Alters mit leicht exotischem Aussehen ans Ende des Tisches gesetzt. Nach und nach hatten sich die Kumpels verabschiedet, und der Mann mit der Thor-Steinar-Jacke war ins Gespräch mit der Dame an seinem Tisch vertieft. Als mein Freund zur Toilette war, bekam ich ein paar Brocken mit: Sie war offensichtlich Israelin, also wahrscheinlich Jüdin, und erzählte von den Zuständen in ihrem Land. Der Handwerker hörte zu und stellte Zwischenfragen. Spätestens da fragte ich mich, was genau er sich davon verspricht, die Drecks-Nazi-Klamotten in aller Öffentlichkeit zu tragen.

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