Wintercup 2012: Das mit den Hüten – eine Polemik

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Die älteren unter den Fortuna-Freundinnen und -Freunden werden sich erinnern. Ab 2007 wurde die Arena mit einem Turnier gefüllt, das „Stadtwerke Wintercup“ hieß. Außer Gastgeber F95 wurde drei Zweit- oder Erstligisten geladen, und man spielte nur jeweils eine Halbzeit gegeneinander. Gedacht war die Veranstaltung, um auch mal so richtigen Zweit- und Erstligafußball ins Städtchen zu holen. Denn zu Zeiten der ersten drei Wintercups war die glorreiche Fortuna ja drittklassig. Das Turnier vor genau fünf Jahren nahm unser Chefred zum Anlass, sich höchst polemisch auszulassen – u.a. über die Anhänger anderer Clubs. Viel Spaß beim Neulesen:

[Erschienen am 12.01.2012 in der „Rainer’schen Post] Beginnen wir mit dem Erfreulichen. Im Gedächtnis werden dem gemeinen Fortunafreund vom spochtlichen Teil des Wintercups 2012 vor allem zwei Tore bleiben. Rechtsverteidiger Christian Weber, der um einen Stammplatz kämpft, hämmert dem Dortmunder Aushilfstorwart (Roman Weidenarsch traut sich wohl nicht mehr nach Düsseldorf…) das Ding aus gut 25 Metern in die Maschen. Und der finnische Neuzugang Timo Furuholm (…was angeblich auf Deutsch „Pickelberg“ heißt…) verwandelt eine Traumvorlage vom Maxi zu seinem ersten Tor in seinem ersten Spiel für die glorreiche Fortuna und macht sie damit zur Cup-Siegerin gegen die Ostholländer. Tatsächlich wurde immer dann ansehnlich gekickt, wenn die Düsseldorfer Fußballgötter auf dem duftenden Rasen standen. Der BVB („Und ihr wollt deutscher Meister sein…“) tat sich dagegen vor allem durch rohes Spiel hervor und musste im Spiel gegen F95 zwei völlig berechtigte gelbe Karten hinnehmen – und das in einem Freundschaftsturnier. Noch mieser benahmen sich erneut einige der von Fans anderer Teams liebevoll „Zecken“ getauften Doofmund-Anhänger, die zweimal Sprengkörper auf das Spielfeld warfen.

Das veranlasste das – im Übrigen ausgezeichnet pfeifenden Schiri-Team – mit dem Abbruch des Turniers zu drohen. Wieder stellten diese angeblich so tollen Fans unter Beweis, dass sie zu einem nicht wesentlichen Teil aus hirnarmen Amöben bestehen. Für einen Düsseldorfer quasi eine Dschungelprüfung waren An- und Abreise mit der U-Bahn, denn darin stanken nicht wenige ostholländische Kleinpferdliebhaber vor sich hin und gewannen locker den Niveau-Limbo gegen die Schwatzgelben.
Da gab es pubertierende Burschen mit Gelfrisuren, wie man sie in der zivilisierten Welt seit den frühen Neunzigern nicht mehr gesehen hat, die mit lauter Stimme komplette Pornofilme nacherzählten, alles außer sich selbst für schwul erklärten und merkwürdige Lieder von sekundären Geschlechtsmerkmalen und Kartoffelsalat absonderten. Dabei schlugen sie mit flachen Händen gegen die Fensterscheiben. Schließlich erklärten sie, bis in den Tod für den VfL zu sein – ein rasches Ende dieser Brut wäre nicht nur deswegen wünschenswert.

Ein Vollasi aus dieser formlosen Ansiedlung im Niemandsland zwischen dem Rhein und Holland meinte, einen – zum Glück relativ kleinen – Knaller zu werfen, der dicht neben mir detonierte und mir ein längeres Ohrenklingeln bescherte. Die Truppe abstoßender Pickelfressen im Oberrang, zu der dieser Wurm zählte, wurde von mir fotografiert, das Foto beim Erstatten der Anzeige gleich an die Polizei übertragen. Apropos: So lernte ich auch mal die Wache der Cops am neuen Rheinstadion kennen…

Das mit den Hüten

Offezjell waren 37.000 Menschen in der Messehalle. Man hatte es denen recht kuschelig machen wollen. Traditionell blieb – und das trotz strahlendstem und fußballgerechtestem Wetter – das Dach zu, und damit die weicheirigen Eventies sich nicht ihre kurzen Schwänze abfrieren, hatte man sogar die Heizstrahler eingeschaltet.

Wie immer bei solchen Veranstaltungen, deren Zweck einzig und allein daran besteht, für Brot und Spiele inklusive werbetechnischer Hirnwäsche zu sorgen, passten die verschiedenen Kommerzmotive nicht zusammen. Die Stadtwerke als Ausrichter des Turniers machten das mit den Hütchen. Verteilt wurden fortunarote Falthüte, die verdächtig nach Ballermann aussahen und sogar nicht zu den Heizstrahlern passten. Das galt auch für die fliegende Wurst, an der man ein Banner mit dem Spruch „95 olé“ befestigt hatte. Das Ding wurde von vier Kerlen vor jeder der vier Partien auf den Rasen geschleppt und kurz vor Anpfiff wieder runter. Sah blöd aus.

Zum Glück hatte die Fortuna-Marketingriege wenig Einfluss, sodass sich weder Hüpfburgen noch Kinderzwangsbelustigungs-Stände auf dem Gelände fanden. Und Cheer-Girls fehlten auch. Da die musikalische Unterstreuung in den genialen Händen des Mannes lag, den man „Opa“ nennt, war zumindest dieser Teil völlig kommerzfrei.

Die Leute, die Leute

Reden wir nicht noch einmal über das Zecken- und das Gladpack. Sehen wir über die 287 gelassenen Werder-Fans hinweg. Schauen wir auf die Zuschauer, die der Fortuna zuneigten. In der Kurve waren bekannte Gesichter rar. So hatten zwei Hände voll durchgeknallter Vorstadtkinder das Ultras-Podest okkupiert und mühten sich nach Kräften, das zu erzeugen, was sie für Stümmung halten. Gerade die Buben hatten sich einiges bei Niko & Friends abgeguckt – so harte Gesten wie das Klopfen mit der Faust auf die eigene Herzgegend oder das hasserfüllte Schauen mit ausgebreiteten Armen. Jedenfalls hatten diese Testosteronbömbchen die Zeit ihres Lebens.

Was Kerle bewegt, 12 Euro Eintritt und 3,80 für einen Becker schales Bier zu latzen mit dem Ziel, sich den Arsch vollzusaufen, ist mit rationalen Messmethoden nicht zu ermitteln. Ein Kollege war kilometergeldverdächtig durch seine (mitgezählten!) fünf Gänge zum Bierstand pro Halbzeit. Und zwar unabhängig davon, wer gerade kickte. Der Typ hatte also am Ende des Turniers zwanzig mal 0,4 Brühe intus, die ihn sage-und-schreibe 76 Euro kosteten. Einen Totalsuff hätte er in der Eckkneipe leicht für 30 Ocken kriegen können…

Eine große Zahl der Kinder, die von Papas mitgebracht worden waren, um gegenüber der Erzeugerin ein Argument für den Fußballbesuch zu haben, waren am Spiel nicht interessiert und marodierten im Umlauf und draußen herum. Ausgerüstet mit Verzehrgeld schlangen sie ungute Mengen Pommes und ähnlich widerlichen Speisen in sich hinein. Wobei nicht die Pommes ampfirsich widerlich sind, sondern nur vom Caterer Aramak im Rheinstadion zelebrierten…

Schön war es, sich mit netten Vertretern der Fanszene mal in Ruhe unterhalten zu können. Aber sonst…

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