Empfohlen: Metropol, das Kino, das so ist, wie Kinos sein sollen

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Jammern wir nicht über den Verlust der schönen Dinge aus der guten, alten Zeit, genießen wir das, was noch davon übrig ist. Wer hätte gedacht, dass sich das Kino als Institution so schnell so sehr ändern würde? Viele Faktoren haben eine Rolle beim großen Sterben der Lichtspielhäuser in den Sechziger- und Siebzigerjahren gespielt, nicht nur die Konkurrenz durchs Fernsehen. In Düsseldorf gab es einmal mehr als 100 Kinos, jeder Stadtteil hatte sein eigenes. Und heute? Die Multiplexe beherrschen den Markt, aber eine gute Handvoll echter Kinos haben überlebt und sind so munter wie je. Dazu zählt auch das Metropol an der Brunnenstraße, das älteste Lichtspieltheater der Stadt, das noch am ursprünglichen Ort besteht.

Metropol - der legendäre Gang zu den Kinosälen (Foto: filmkunstkinos.de)

Metropol – der legendäre Gang zu den Kinosälen (Foto: filmkunstkinos.de)

Vor gut 80 Jahren eröffnete das Metropol hier in Bilk und wurde trotz seiner Lage außerhalb der Innenstadt zu einem Fixpunkt der Kinoszene. Am 14. Juni 1940 zeigte man im Saal mit seinen 800 Plätzen irgendeinen Nazistreifen, aber schon während eines schweren Bombenangriffs im Jahr 1943, bei dem im Metropol viele Menschen ums Leben kamen, wurde das Lichtspielhaus weitestgehend zerstört. Nach dem Wiederaufbau 1949 reihte sich das Metropol wieder in das Angebot an Kinos der Stadt ein: man zeigte vor allem deutsche Streifen, gern auch Heimatfilme, und es fand auch die eine oder andere Premiere hier statt. Der erste Rückgang der Zuschauerzahlen brachte 1965 einen massiven Umbau mit drastischer Verkleinerung mit sich. Allerdings dauerte es volle sieben Jahre, bis sich 1972 ein Betreiber fürs Metropol fand, der – ganz im Stil der Zeit – ein Repertoirekino aus dem Haus machte. Das hieß: Hier konnte man sich verpasste Filme anschauen, das Programm reichte von den 4 Fäusten bis Doktor Schiwago.

Das Kinocafé im Metropol (Foto: filmkunstkino.de)

Das Kinocafé im Metropol (Foto: filmkunstkino.de)

Heute gehört das Metropol zu den Filmkunstkinos der Stadt und hat sich auch wieder als Spielort für Erstaufführungen etabliert – besonders von hochgelobten internationalen Filmen, von denen die Multiplexe eher die Finger lassen. So konnte man im vergangenen Jahr hier Fatih Akins „Aus dem Nichts“ gleich nach der Premiere auf der großen Leinwand sehen; bei solchen Gelegenheiten ist das Metropol nicht selten über Tage ausverkauft. Empfehlen kann man dieses wunderbar nostalgische Kino aber auch ganz unabhängig vom Programm, denn jeder Besuch ist ein Erlebnis. Der beginnt im klassischen Eingangsbereich und setzte sich im legendären Gang nach hinten fort, wo die Schaukästen mit den Plakaten hängen. Es geht ein paar Stufen hinab zur Kasse, wo man auch die Getränke bekommt, mit denen man sich die Wartezeit im Café verschönen kann. Hier unten herrscht die Atmosphäre eines Filmkunstkinos, die so zu Beginn der Siebzigerjahre entstanden ist als Gegenpol zum Kommerzgehabe in den „großen“ Kinos. Natürlich ist das Metropol inzwischen auch voll digitalisiert, und das Gestühl ist in jeder Hinsicht auf dem Stand der Zeit. Aber allein der Gang auf die Toilette macht dieses Kino so besonders: Man geht vorbei an der Kasse durch einen schmalen Gang hinter der Projektionskabine, dann über ein Treppenhaus, das aussieht wie von 1965, aufwärts bis zum Örtchen. Und hört dabei durchgehend den Ton des Films…

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