Bericht · Veteranen erinnern sich vielleicht noch an völlig chaotische Mitgliederversammlungen vor 300 Leuten in der Aula der Heinrich-Heine-Gesamtschule. Zeitreisende aus jener Zeit hätten gestern den Mund vor Staunen nicht mehr zugekriegt: Was hätte besser beweisen können, welche Riesenschritte die Fortuna organisatorisch in den letzten rund 12 Jahren gemacht hat, als diese (fast) perfekte Mitgliederversammlung im virtuellen Raum? Technisch war die Veranstaltung optimal, die Organisation war klasse und die Leitung (über mehr als 7 Stunden) durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Björn Borgerding mindestens bundesligareif. Lediglich die “Große Aussprache” zu den Berichten Vorstände und des Aufsichtsrats geriet quälend lang, weil wirklich jede eingereichte Frage vorgelesen und oft ausführlich beantwortet wurde. Das angekündigte “Clustern”, also Zusammenfassen identischer oder ähnlicher Fragen, klappte nicht; die Pause von 15 Minute zuvor war einfach zu kurz. [Lesezeit ca. 6 min]

So musste sich Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann wieder und wieder nach den Details von Benito Raman an Schalke äußern, tat das geduldig, obwohl viele Fragesteller sich ihre spezielle Frage schon allein dadurch hätten sparen können, dass sie sich vorab aus frei verfügbaren Quellen informiert hätten. Das galt leider für gut ein Drittel der Fragen. Zum Leidwesen der Gelangweilten an den digitalen Empfängern wurden zwei Fragen sogar doppelt vorgelesen und beantwortet. Die gute Nachricht: Offensichtlich trauen sich viel mehr Mitglieder Fragen schriftlich einzureichen als während einer Präsenzveranstaltung an ein Mikro zu gehen und sie mündlich zu stellen. Mehr Fragen bringen mehr Transparenz – im Prinzip und bei Fragen, die noch niemand gestellt hat. Überhaupt: Während sich zu den MVs der letzten Jahre meist weniger als 1.000 Mitglieder an trüben Sonntagvormittagen in die Arena bewegten, waren gestern in der Spitze fast 2.500 F95-Mitglieder online. Das ist erfreulich und ermutigend.

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Dabei begann die digitale Veranstaltung mit einem Rumms. Zu den Formalien einer MV zählt es, die Stimmberechtigten zu befragen, ob sie der Anwesenheit von Medienvertretern zustimmen. Das ist schon früher nicht immer eine Formalie gewesen, aber gestern brachte ein Dringlichkeitsantrag Feuer in die Sache. Ein Mitglied beantragte, über die Anwesenheit der BILD-Vertreter separat zu entscheiden; der Antrag wurde zugelassen, und eine überwältigende Mehrheit der Fortunen an den Schirmen stimmte dafür, die BILD mit allen ihren per Streaming zugeschalteten Leute von der Versammlung auszuschließen. Daraufhin wurden die digitalen Zugänge für die betroffenen Schreiber gesperrt. Draußen im Land, vor allem bei passionierten BILD-Lesern und bei Journalisten stieß die Sache auf teils scharfe Kritik. Der RP-Chefredakteur Moritz Döbler verstieg sich zu einem Kommentar, in dem er diesen Ausschluss einem Verfassungsbruch gleichstellte – dies in völliger Unkenntnis oder absichtlicher Fehlinterpretation der juristischen Lage.

Externe Aufregung wegen des Auschlusses der BILD-Vertreter

Denn bei der Mitgliederversammlung eines eingetragenen Vereins handelt es sich um eine nicht-öffentliche, quasi private Veranstaltung. Die anwesenden Stimmberechtigen als Souverän des Vereins haben jedes Recht, ALLE Gäste, also Nichtmitglieder, so auch Medienvertreter auszuschließen. Deshalb wird – und das gilt nicht nur für eine Fortuna-MV – zu Beginn IMMER gefragt, ob irgendeine stimmberechtigte Person Einwände gegen die Anwesenheit von Gästen und Pressemenschen hat. Ist das der Fall, kommt es zur Abstimmung. Das Novum in der F95-Historie war gestern bloß, dass Einwände gegen die Anwesenheit der Mitarbeiter einer bestimmten Mediengruppe beantragt wurde. Das weiß Döbler alles nicht und munkelt munter davon, dass die Mitglieder mit ihrer Maßnahme eine Berichterstattung, die ihnen nicht passt, unterdrücken wollen. Auch da geht der RP-Vorturner fehl: Konkret ging es um eine mit besonders widerlichen Methoden angesetzte Schmutzkampagne der BILD gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden bzw. gegen das ganze Gremium. An irgendeiner “kritischen Berichterstattung” stören sich Fortuna-Mitglieder schon lange nicht mehr; sie ignorieren sie weiträumig.

Der Ausschluss der BILD-Vertreter durch die Mitglieder sorgte für externe Aufregung (Screenshot)

Der Ausschluss der BILD-Vertreter durch die Mitglieder sorgte für externe Aufregung (Screenshot)

Die Berichte vom Vorstandsvorsitzenden Thomas Röttgermann, Marketing-Vorstand Christian Kloke und den beiden Sportvorständen Uwe Klein und Klaus Allofs waren von unterschiedlicher rhetorischer Qualität, aber durchgehend informativ und leerreich. Röttgermann strich zu recht heraus, dass der Verein trotz der Corona-Krise mit ihren Geisterspielen im Geschäftsjahr 2019/20, das vom 1. Juli bis zum 30. Juni reicht, eine “schwarze Null” schreiben konnte und lieferte gleich eine Grafik mit, aus der deutlich wurde, wie wenigen Vereinen national und international das gelungen ist. Zwei Faktoren führten zu diesem erfreulichen Ergebnis: Die umsatzstärkste Saison aller Zeiten (erste Liga und TV-Kohle sei dank) und ein sehr frühzeitig entworfener und in die Tat umgesetzter Sparplan. Koke sprach dann ausführlich und überzeugend über die Vorteile der Eigenvermarktung der Fortuna, die sich bereits in den ersten Monaten nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Infront gezeigt haben.

Uwe Klein: Beeindruckende Präsentation zur Kaderplanung

Beeindruckend zeigte sich die Präsentation von Uwe Klein zur Kaderplanung, der anhand dreier Folien vorführte, wie sich die Abgänge nach dem Ende Vorsaison ausgewirkt, welche Lücken entstanden waren und wie er diese zu füllen sich bemüht hatte. Es ist schade, dass vielen von den Wutfans, die immer gern auf Leute wie Klein oder zurvor Pfannenstiel eindreschen, keine Vereinsmitglieder sind und/oder keine Lust haben, sich von Fakten in ihrem Furor bremsen zu lassen. Der Vortrag des Sportvorstands bot jede Menge Details zur Entscheidungsfindung, die jeder, der Uwe Kleins Arbeit kritisiert, kennen und bedenken sollte. Die Rede von Klaus Allofs war im Vergleich eher allgemeiner Natur, war um strategische Weitsicht bemüht, im Detail leider so missverständlich, dass das Kläuschen diese in der Fragerunde gleich mehrfach erklären musste.

Der Bericht von Aufsichtsratsvorsitzenden Björn Borgerding war im selben Maße souverän wie seine Versammlungsleitung, selbst im Fall des ehemaligen AR Christian Veith, der seine Brocken seinerzeit hinschmiss, wurde nicht nachgekartet. Borgerding betonte die tolle Zusammenarbeit im AR seit dem vergangenen Winter, dankte den ausscheidenden Räten Dr. Reinholf Ernst und Ignacio Ordejón Zuckermaier und entwarf dann ein Zukunftsbild der Fortuna als Verein, der seine besondere Verantwortung als gesellschaftliche Institution nicht auf dem Altar unbedingten sportlichen Erfolgs zu opfern bereit sei. Dabei betonte er immer den unmittelbaren Zusammenhang der Fortuna mit der Stadt Düsseldorf und ihren Bürger*innen, der eben weit über Bundesligafußball hinausreicht. Zusammengenommen mit dem, was VV Röttgermann an Zukunftsmusik aufblätterte ergibt sich das Bild eines ganz und gar eigenständigen Fortuna-Wegs – genau das, was eine Mehrheit der Vereinsmitglieder sich wünscht.

Das sind die wieder- bzw. neugewählten Aufsichtsräte:  (v. li.): Dirk Böcker, Sebastian Fuchs, Björn Borgerding, Tim Greiner-Mai und Horst Peters (Foto: F95)

Das sind die wieder- bzw. neugewählten Aufsichtsräte: (v. li.): Dirk Böcker, Sebastian Fuchs, Björn Borgerding, Tim Greiner-Mai und Horst Peters (Foto: F95)

So gar nicht den digitalen Umständen angepasst kam dann die Wahl zu den fünf Aufsichtsratsplätzen daher, denn die Kandidaten (allesamt Männer) waren anwesend und durften – wie bei einer Präsenzveranstaltung, Wahlreden halten. Das mag juristische Engstellen umschiffen, wirkt aber unfreiwillig komisch, wenn – wie in einer TV-Show – Umschläge mit den Namen der Kandidaten gezogen werden, um die Reihenfolge der Reden festzulegen. Unfreiwillig komisch gerieten auch manche Vorträge, und bei manchem Bewerber fragte man sich, warum er sich nicht vor seiner Kandidatur mit den real existierenden Zuständen der Fortuna befasst hatte. Die Forderung nach einem Maskottchen und einer von den Toten Hosen zu schreibender Hymne löste genauso digitale Heiterkeit aus wie der Vorschlag, eine Fortuna-Ruhmeshalle als Museum einzurichten. Spannend der Vortrag von Martin Keulertz zum Thema “Nachhaltigkeit“, die gar nicht so sehr als Bewerbungsrede gemeint war.

Ein erfolgversprechender Aufsichtsrat

Die gute Arbeit des Dreigestirns aus Björn Borgerding, Sebastin Fuchs und Dirk Böcker wurde von den Wählern mit hohen Zustimmungswerten belohnt – die Kontinuität bleibt so gewahrt. Im zweiten Anlauf wurde dann auch Tim Greiner Mai in den Aufsichtsrat gewählt, der die zwanzigjährige Geschichte der organisierten Fans repräsentiert und sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit Satzungsanträgen ausgezeichnet hatten, die für den Bestand der Fortuna-Identität sorgen. Auf dem fünften Platz landete der HSD-Professor Horst Peters, der sich in Bereichen Marketing und Strategie einbringen möchte. Zusammen mit den im AR verbliebenen Personen bilden die drei Wiedergewählten und die zwei Neuen einen interessanten Querschnitt durch das, was diesen Verein ausmacht. Auf diesem Feld sieht die Zukunft der glorreichen Fortuna also ziemlich rosig aus.

6 Kommentare

  1. Aachener am

    Lieber Autor,

    ich möchte etwas widersprechen: Die BILD-Zeitung auszuschließen war höchst unprofessionell. Lasst sie doch schreiben, was sie wollen, ich persönlich fand die Berichterstattung nicht schlimmer als von anderen Zeitungen auch. Der Ausschluss zeugt von Kleinkariertheit und Kleinkindergehabe. Hier kann der Eindruck entstehen, dass unliebsame Stimmen zum verstummen gebracht werden sollen. Wenn man positive Berichterstattung will (was wir dringend brauchen, ich hatte auf der JHV auch nach Imageverbesserung gefragt), wird man sie so nicht erreichen.

    Leider hatte ich am Anfang keinen Ton, so konnte ich nicht hören, ob Herr Borgerding sich zu dem Antrag geäußert hat. Wenn ich das Abstimmungsergebnis sehe, schätze ich, er hat nicht versucht, die Mitglieder bei dem Antrag etwas zu beschwichtigen. Ich halte das für einen schweren Fehler. Es ist zwar gut und richtig, dass “die Kurve” über Leute wie Borgerding und Greiner-Mai im AR repräsentiert wird. Allerdings sollten Emotionen in der Vereinspolitik stark zurückgenommen werden, hier geht es oft um wirtschaftlich bedeutende Fragen, da ist kühler Kopf angesagt. Den habe ich bei Herrn Borgerding nicht immer gesehen. Ein Reinhold Ernst hätte den Antrag zum Ausschluss der BILD sicherlich nicht unkommentiert gelassen, und im Zweifel macht das eine bessere Figur.

    Im Übrigen ist es natürlich falsch, die JHV der Fortuna als rein private Veranstaltung mit dem entsprechenden Ausschlussrecht anzusehen. Sobald eine Körperschaft o.ä. eine gewisse öffentliche Bedeutung hat, gehen damit auch Pflichten einher. Eine Gewerkschaft kann z.B. einer Person nicht ohne triftigen Grund die Aufnahme verweigern, mich würde nicht wundern, wenn für einen großen Verein mit regional großer Bedeutung ähnliches gilt. Dies umso mehr, als dass in den Verein über das Sparkassen-Sponsoring ein nicht unerheblicher Betzen öffentliches Geld geflossen ist.

    Viele Grüße aus Aachen!

    • Rainer Bartel am

      Lieber Aachener, Sie irren auf beinahe der ganzen Linie. Juristisch genauer: vereinsrechtlich ist die Sache geklärt. Die anwesenden Stimmberechtigten einer Mitgliederversammlung eines eingetragenen Vereins werden IMMER zu Beginn gefragt, ob jemand etwas gegen die Anwesenheit von Gästen und Medienvertretern hat, denn eine solche Veranstaltung ist grundsätzlich erst einmal nicht öffentlich. Ehrhebt auch nur ein Mitglied Einspruch, muss über einen entsprechenden Antrag abgestimmt werden. Das ist nicht spezifisch für Fußballvereine (so sie denn noch eingetragene Vereine als Träger des Profispielbetriebs sind) und auch nicht für die Fortuna. Kein eingetragener Verein hat irgendeine Pflicht in Bezug auf die Zulassung der Öffentlichkeit.
      Es hat in der Vergangenheit bei F95-MVen schon öfters Anträge gegeben, “die Presse” auszuschließen, die bisher nie eine Mehrheit fanden, weil jeweils beantragt wurde, ALLE Medienvertreter auszuschließen; auch wenn die Mehrheiten contra Antrag bisweilen minimal waren. Neu war, dass ein Mitglied den Ausschluss der Vertreter*innen einer bestimmten Mediengruppe beantragte und dem eine Mehrheit von über 80% der Stimmberechtigten zustimmte. Insofern: Juristisch alles völlig okay – der Vergleich mit der Gewerkschaft hinkt, und wie viele öffentliche Mittel in einen Verein geflossen sind, ist unerheblich. Bei gemeinnützigen Vereinen, die sich fast vollständig aus solchen Mitteln finanzieren, ist das Verfahren bei Mitgliederversammlungen völlig identisch. Und das alles haben wir durch Nachfragen bei Vereinsrechtlern, anderen Juristen und Vorständen anderer sehr großer Vereine abgeklärt.

      Den Begriff “unprofessionell” in Bezug auf die Willensbildung von Vereinsmitgliedern zu verwenden, ist annähernd absurd. Die Mitglieder sind der Souverän eines Vereins, ihren Abstimmungen unterliegt alles. Sie mit Kriterien der Professionalität zu messen, spielt die Musik derjenigen, die ständig vom Fußball als “Geschäft” reden.

      Beim Ausschluss der BILD ging es nicht darum, “unliebsame” oder “kritische” Stimmen zum Verstummen zu bringen, das könnte man so auch nicht erreichen. Der Beschluss hatte symbolischen Charakter und richtete sich insbesondere gegen eine versuchte Schmutzkampagne der BILD in den vergangenen Wochen, die mit besonders widerlichen Methoden angezettelt wurde. Und: Positive Berichterstattung durch Pampern von Journalist*innen erreichen zu wollen, ist unprofessionell. Hat auch nicht gewirkt, als vor nicht langer Zeit ein F95-Pressemensch die BILD immer besonders privilegiert behandelt hat. Eigentlich wäre ein Antrag noch besser gewesen, der Vereinsoffizielle verpflichtet hätte, mit der BILD nicht mehr und öfter als unbedingt nötig zu reden und dies immer nur in Abstimmung mit der Medienabteilung des Vereins zu tun.

      Ja, Reinhold Ernst hat entsprechende Anträge immer kommentiert, aber geändert hat das auch nie was. Über Björn Borgerding zu sagen, er habe nicht immer einen kühlen Kopf gezeigt, ist nachgerade lächerlich. Selten hat ein ARV so souverän geleitet wie Borgerding; der andere, der das auch konnte, war Dr. Ernst – und der hatte zwischendurch ein paar ausgesprochen emotionale (Sie würden sagen “unprofessionelle”) Ausraster während MVen.

      Und, nein, nein, nein, es geht nicht um “wirtschaftliche Dinge”, weil beim TSV Fortuna Düsseldorf 1895 der Spielbetrieb eben nicht in eine Kapitalgesellschaft ausgelagert ist und das auch nie passieren wird. Es geht in erster Linie um den Verein als soziales Wesen, der seine erste Herrenmannschaft am professionell betriebenen Fußball teilnehmen lässt.

      • Danke, Rainer, da bin ich zu 100% bei Ihnen. Ich habe auch für den Ausschluss der Bild gestimm. Die anderen Medien berichten übrigens auch nicht immer positiv über Fortuna.

        Die Bild ist einfach nur Dreck, nicht nur beim Thema Fortuna. Als „Hausherren „ haben wir Mitglieder entschieden, diesen Dreck nicht bei unserer privaten Veranstaltung dabei haben zu wollen. Über die Gesetzestreue Entscheidung gibt es nichts zu diskutieren.

  2. Aachener am

    Und ich bleibe dabei, dass es unprofessionell war. Wem hat es geholfen? Dem Verein als Körperschaft sicherlich nicht, es hat eher geschadet. Allenfalls haben einige Vereinsmitglieder etwas Genugtuung verspürt. Aber genau das meine ich mit “unprofessionell”, und ich sehe nicht, warum eine Willensbildung einer größeren Gruppe von Menschen nicht in diese Kategorie eingeordnet werden kann. Wenn die Berichterstattung der Bild tatsächlich falsch oder diskreditierend ist, geht man juristisch dagegen vor. Aber nicht mit beleidigten Aktionen. So etwas verprellt nur seriöse Sponsoren.

    Und selbstverständlich geht es um wirtschaftliche Dinge. Die sind nicht böse. Unsere Spieler wollen bezahlt werden, dazu brauchen wir Geld. Jeder Sponsor sollte uns willkommen sein, und wir sollten nicht immer so tun, als seien wir eine soziale Einrichtung. Wir können uns als Verein sozial verhalten und sollten das auch tun. Aber um uns sozial verhalten zu können, brauchen wir Erfolg, und um Erfolg zu haben im Fußball brauchen wir Geld. Die roten Linien sind klar: Kein Missbrauch unserer Symbole und kein Verkauf von Anteilen. Hier besteht Einigkeit. Aber wir bieten hier potentiellen Geldgebern weniger an als andere Vereine. Also müssen wir uns an anderer Stelle mehr anstrengen als andere Vereine. Und das geht nur mit Seriosität. Vorgestern haben wir uns auf das Niveau der unseriösen BILD herabgelassen. Das war weder professionell, noch seriös, sondern schlichtweg peinlich.

    Gruß aus Aachen!

    • Rainer Bartel am

      Mmmh, ich würde an Ihrer Stelle dann doch mal die F95-Satzung lesen. Vor allem §2 – von wegen “keine soziale Einrichtung” und so… Ich sehe zudem nicht, inwiefern Mitglieder sich “professionell” verhalten können, sie nehmen ihre Recht ja definitiv nicht als Profession wahr. Sie wollen nicht wahrhaben, dass es nicht um die Form und die Inhalte der Berichterstattung der BILD geht, sondern um deren Methoden. Wir bieten “potenziellen Geldgebern” (also Sponsoren) nicht weniger als andere Vereine, das stimmt einfach nicht. Der aktuelle große Erfolg der Selbstvermarktung belegt das. Schließlich sind Einnahmen aus Sponsoring inzwischen nicht mehr die wichtigste Finanzierungssäule, sondern die Einnahmen aus den TV-Rechten. Zudem war der TSV Fortuna Düsseldorf 1895 e.V. – auch nach Aussagen von Fachleuten – noch nie so seriös wie zurzeit.

  3. Aachener am

    Hallo Herr Bartel!

    1.
    Ich habe die Satzung damals mit beschlossen, in der merkwürdigen Veranstaltung, in der es zu der Satzung exakt zwei Nachfragen gab (eine übrigens von mir). Es ist auf jeden Fall eine gute Satzung. Und ich sehe nicht, wie der §2 uns als soziale Einrichtung ausweist. Er sagt auch mit viel Phantasie noch nicht mal aus, dass der Verein sich sozial verhalten muss. Auch wenn ich das absolut befürworten würde.

    2.
    Ihre Ausführungen zu “professionell” sind doch jetzt Wortklauberei. Der Ausschluss der BILD hat dem Verein keinen Nutzen gebracht, wahrscheinlich hat er ihm geschadet. Hier haben viele Mitglieder ihre persönlichen Rachegelüste über die Interessen des Vereins gestellt. Das ist höchst unprofessionell. Und nochmal: Ich halte es von Herrn Borgerding für einen Fehler, dass er das unkommentiert gelassen hat.

    3.
    Es ist mir egal, aus welchen Gründen die einzelnen Mitglieder für den Ausschluss der Bild gestimmt haben: solange die Zeitung nicht juristisch angreifbar ist, war der Ausschluss kleinkariert und vereinsschädlich.

    4.
    Andere Vereine sind bereit, Namen, Logo und Anteile an Sponsoren zu verkaufen. Wir tun das aus gutem Grund nicht. Also bieten wir weniger, als andere Vereine. Das müssen wir an anderer Stelle ausgleichen. Dass die aktuelle Selbstvermarktung erfolgreich ist, ist erfreulich. Andere Vereine haben trotzdem erheblich mehr Sponsoreneinnnahmen als wir, darum verstehe ich Ihre Argumentation nicht.

    5.
    Ich gebe Ihnen recht, dass der Verein in den letzten fünf Jahren so seriös aufgetreten ist, wie nie, allerdings würde ich die Spitze eher vor ca. drei Jahren sehen mit bis heute leicht fallender Tendenz. Und genau das macht mir Sorgen, und die sind seit der letzten JHV nicht kleiner geworden. Wir haben damals zwischen die Exekutive (“Präsident”, wie Hauswald, Achenbach oder wer auch immer) und die emotionsgeladene Mitgliederversammlung ganz bewußt einen AR und einen Wahlausschuss gesetzt, damit die Mitglieder nicht in einer Bier- oder Rachelaune direkt auf die Exekutive durchgreifen können. Der AR puffert die Emotionen ab. Das hat sich bewehrt. Ich sehe aber leichte Tendenzen, dass das nicht mehr ganz so gut funktioniert, und hoffe, dass sich das bald wieder umkehrt.

    Gruß aus Aachen!

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