Meinung · Bei der Vor-, Live- und Nachberichterstattung zu dieser Partie könnte man als Fußballschreiber die Phrasendreschmaschine nonstop laufen lassen, so viele Aspekte lassen sich in Floskeln packen. Da wäre zunächst das fortunistische “Lazarett”, das sich “gelichtet” hat. Da passt der Terminus “Tabellennachbarn” bestens. Und natürlich darf der Hinweis nicht fehlen, dass der SV Sandhausen quasi das typischste alle Zweitliga-Teams darstellt. Bleibt nur noch anzumerken, dass es am Samstag in der Spielautomaten-Arena zu einem “Duell auf Augenhöhe” kommt – und das ist nicht besonders schmeichelhaft für F95. [Lesezeit ca. 5 min]

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Denn schließlich hätten die Ausgangssituationen der beiden Clubs zu Beginn der Saison nicht unterschiedlicher sein können. Hier der Bundesligaabsteiger, den die Arbeitsverweigerer der fußballgottverfluchten @*!&#@! vom Äff-Zeh final in Liga Zwei gestreikt haben, der aber siebzehn abgehende Kicker auf dem Zettel und einen wahnwitzigen Umbruch vor sich hatte, da der SVS, der am letzten Spieltag der Saison 2019/20 den kommenden Zweitliga-Dino HSV mit einem 5:1 Auswärtssieg zum Klassenerhalt gezwungen hatte und der sich über den Sommer erheblich verstärkt hat – unter anderem mit Diego Contento, diesem feinen Fußballer, der bei der Fortuna von FF nie eine faire Chance zugestanden bekommen hat.

Aktuell haben beide Teams nach demselben Muster schlappe acht Pünktchen zusammengestoppelt und die identische Tordifferenz von -3. Dabei sah es für die Truppe aus dem Heidelberger Vorort anfangs ganz golden aus. Nach dem dritten Spieltag war aber klar, dass sie defensiv erheblich anfällig sind und sich hinten nur auf ihren Keeper verlassen können. Die Leistungen des Restes schwanken ähnlich stark wie bei der Fortuna. Aus dieser, ähem, Analyse ergibt sich praktisch schon…

Der Spielplan

Kann natürlich immer passieren, dass ein Matchplan so völlig in die Hose geht wie kürzlich in Nürnberg – ein gewisser Herr Löw weiß, wovon die Rede ist. Man kann natürlich auch immer einen Spielplan ganz, ganz vage definieren so wie es Uwe Rösler bei der gestrigen Pressekonferenz getan hat. Tatsächlich wird es aber ein Konzept geben, auf das sich die Trainer verständigt haben. Ist das Grundgefühl mutig, kann es nur darum gehen, aus hohem Pressing schnell zu Ballgewinnen zu kommen, um dann einen ganzen Strauß schneller und pfiffiger Offensivaktionen zu überreichen. Geht aber nur, wenn hinten alles sauber steht. Alles spricht also für eine Viererkette nach klassischem Muster und einen erheblich defensiven Mittelfelder davor.

Steht die Offensive im Vordergrund, wird die Art und Weise wie das Mittelfeld bespielt wird, entscheidend sein, denn dort müssen die Bälle gewonnen werden. Also wird dort meist auch ein Viererkettchen stehen, das sich nach Ballbesitz dann zu einem Sturm-Trio und einem “Regisseur” verformt. Diese Idee kombiniert mit der Spielweise, die Sandhausen, so gezeigt hat, wird dazu führen, dass die meiste Action, der Kampf, den UR in der Pressekonferenz genannt hat, rund um den Mittelkreis stattfinden wird. Das heißt vor allem, dass unsere Mannschaft nicht mehr derart erbärmlich in Sachen Ballbehauptung und Passsicherheit auftreten darf wie in den bisherigen acht Spielen gelegentlich.

Ein kleines Geheimnis haben Kiebitze angelüftet, die unbemerkt beim Training zugeschaut haben. Unser Coaching-Triumvirat ließ ziemlich intensiv die sogenannten “Standards” üben, also vor allem Eckbälle sowie direkte und indirekte Freistöße in Strafraumnähe. Das ist ja immer empfehlenswert. Wenn das aber in der Vorbereitung auf eine bestimmte Partie passiert, ist das Erzeugen von Standardsituationen Teil des Matchplans. Ecken kann man ja besonders gut generieren, wenn die Außen oft bis zur Grundlinie gehen, weil die Flanken dann gern von den Verteidigern ins Toraus (oder in die eigene Bude) gepöhlt werden. Freistöße an der Sechzehnerkante erreicht man durch schnelles Cruisen entlang dieser Linie mit Ansätzen zu Torschüssen – da gehen die Defensivlinge ja gern prophylaktisch dazwischen und holen den Stürmer dabei von den Stiefeln.

Kein noch so schlauer Spielplan kann – und das hat die glorreiche Diva in dieser Spielzeit nun schon einige Male erlebt – dafür sorgen, dass der Schiri auf dem Platz und die kölschen Grottenolme ihre F95-Aversion ausleben und absurde Elfer anordnen oder nach dem Lustprinzip Kärtchen zeigen. Die Erfahrung zeigt, dass Mannschaften, denen in so kurzer Zeit so oft so übel mitgespielt wurde von den angeblich Unparteiischen, vorsichtiger ins Zweikampfgeschehen eingreifen, vor allem die robusten und wirkungsvollen Burschen. Es steht zu hoffen, dass dieser Effekt beim Fortuna-Kader noch nicht in die Hirne gesickert ist.

Das System und die Aufstellung

Wir wissen ja, dass das gewählte taktische System und die Aufstellung mehr von den zur Verfügung stehenden Kickern abhängt als vom Spielplan … wenn man eben nicht (Achtung! Phrase!) “aus dem Vollen schöpfen” kann. Ganz klar: Die Liste der nicht verfügbaren Kicker ist kürzer geworden, aber auch von den Jungs, die voll mittrainieren, sind nicht alle fit genug für 90 Minuten. Heißt: Die Besetzung der Auswechselbank könnte entscheidend sein, weil dort nämlich auf jeden Fall solche wichtigen Spieler sitzen müssen wie Eddie Prib, der aber mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht als Starter in Frage kommt. Auch Kenan Karaman wird, sollte er nicht gleich beim Anpfiff auf der Wiese stehen, dort Platz nehmen. Weil Leonardo Koutris wohl doch noch nicht gesund genug ist, Andre Hoffmann(mit Fragezeichen) aber doch, könnte es sogar zur von Uwe Rösler heiß geliebten Dreierkette kommen. Falls nicht, gibt’s die Viererreihe, und Cello Sobottka muss ein drittes Mal als linker Außenverteidiger ran.

Bleiben wir bei der Idee mit der Viererkette. Bewährt hat sich das Polen-Duo aus Käpt’n Bodzek und Kuba Piotrowski davor. Bei einem durchaus denkbaren 4-2-3-1 geht es um die Frage, wen die Coaches auf die Außenpositionen stellen. So fleißig Jean Zimmer immer ist, so schmal ist sein Portfolio an Spielideen. Man würde lieber jemanden auf der rechten Seite sehen, der ein wenig mehr Fantasie mitbringt, also Tony Pledl. Sollen die Sandhäuser von dieser Seite aus verwirrt werden, muss dagegen Kelvin Ofori ran – zumindest eingewechselt. Auf der linken Seite ist Kristoffer Peterson momentan noch alternativlos. Bleibt die Frage nach dem Achter, also dem Kerl, der aus zentraler Position die Spielzüge einleitet. Wer da steht, hängt von der Fitness zweier Kollegen ab: Shinta Appelkamp und Kenan Karaman. Wie genau diese Rolle umgesetzt wird, hängt wiederum vom gewählten Spieler ab. Und vorne thront nach bewährtem(?) Muster der Hennings Rouwen.

So könnte ein 4-2-3-1 gegen Sandhausen aussehen

Der Tipp

Ihr unglaublich ergebener Fortuna-Beobachter lehnt sich jetzt mal ganz, ganz weit aus dem Fenster, weil er den Rotweißen mit dem F und der 95 auf dem Herzen volle DREI Treffer gegen den SVS zutraut. Auf irgendeine Weise und/oder with a little help from the referees werden die Kurpfälzer aber auch eine Hütte eintüten, vielleicht sogar zwei, sodass der offizielle TD-Tipp für das Spiel morgen 3:2 für Fortuna Düsseldorf lautet.

5 Kommentare

  1. “Ist das Grundgefühl mutig, kann es nur darum gehen, aus hohem Pressing schnell zu Ballgewinnen zu kommen, um dann einen ganzen Strauß schneller und pfiffiger Offensivaktionen zu überreichen.”
    Das like ich sehr, jedoch:

    Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. (Goethe, FAUST 1)
    Wer Wunder hofft, der stärke seinen Glauben. (Goethe, FAUST 2)

    Daraus ergibt sich glasklar der fachmännisch-ergebene Goethe-Tip: 1:2 … so sad!

  2. “Hier der Bundesligaabsteiger, den die Arbeitsverweigerer der fußballgottverfluchten @*!&#@! vom Äff-Zeh final in Liga Zwei gestreikt haben, …”

    Wow, hätte nicht gedacht, das ich mal einen Artikel von Dir nicht bis zum Ende lese. Aber nach dem zitierten ist jeder weitere Blick auf den Rest nicht mehr von Belang. Die unsrigen haben es verkackt, damit haben die dummen Ziegenficker nix zu tun. Und das weißt Du, denke ich, ganz genau.

    • Rainer Bartel am

      Die Betonung liegt auf dem unscheinbaren Wörtchen “final”… Ansonsten ist es wichtig, in regelmäßigen Abständen auf die Nichtswürdigkeit des Hundmithörnerclubs hinzuweisen.

  3. Deltaflake am

    Wenn wir wie diese hoffnungslos Weltfremden aus ..öln (Slogan “Willkommen in der schönsten Stadt der Welt” – prusst!) argumentieren, haben wir ein sehr niedriges Niveau erreicht! Wir sollten nicht diese, sondern unsere Versager für den Abstieg verantwortlich machen (ich sag nur: 3:3 gegen Hertha nach 3:0-Führung!). Ganz schlimm wirds wenn wir jetzt wie die ständig rumheulen, dass uns die Schiris wieder den Sieg versemmelt haben oder dass wir (wohlgemerkt: nicht die Anderen, nur wir!) ja ohne Publikum unmöglich gewinnen können!

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