Seit gut zwei Wochen legt unser Sloughi-Kerl Clooney zuhause merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag. Er meidet die Terrasse zur Ostseite und schaut manchmal einigermaßen ängstlich in den Himmel über dem S-Bahnhof. An einigen Tagen hat er sich nicht einmal mehr für seine diversen Nickerchen in sein Bett oder auf sein Sofa begeben, sondern hat im Büro oder der Küche geruht, weil er das die beunruhigende Aussicht nicht hat. Ich rätselte – und kam nach einiger Zeit auf die Lösung. Wie schon im Vorjahr kreist in dieser Jahreszeit gelegentlich ein ziemlich großer Greifvogel über dem weiten Innenhof und der Bahnlinie. Als wir den zum ersten Mal entdeckt haben, haben auch wir uns beinahe erschrocken. Dabei dürfte es sich natürlich nicht um einen Adler, sondern vermutlich um einen Rotmilan handeln, der es immerhin auf eine Spannweite von bis zu 180 Zentimeter bringt.

Nun sind Greifvögel in der Großstadt überhaupt nichts Ungewöhnliches; meist sieht man Turmfalken oder Sperber, die in den Grünanlagen genug jagdbares Getier und auch Nistplätze finden. Selbst Habichte werden in den Metropolen regelmäßig gesichtet. Rotmilane sind dagegen ziemlich selten und allein schon wegen ihrer Größe besonders auffällig. Da die Bestände in Mitteleuropa erheblich dezimiert sind, wurde er zum Vogel des Jahres 2000 gekürt.

Es scheint aber bei Hunden eine instinktive Furcht vor großen Greifvögeln zu geben, denn Clooney zeigte aller Merkmal von Angst und Vorsicht. Nachdem der sehr große Vogel nun seit rund einer Woche nicht mehr hier auftaucht, betritt er die Terrasse zwar wieder, scannt den Himmel aber vorher immer sehr sorgfältig ab. Und beim Fressen draußen beobachtet er die Lage ständig aus den Augenwinkeln. Ungewöhnlich ist das trotzdem, denn eigentlich müssten sich nur kleine Tölen – also so vom Dackel abwärts – vor sehr großen – Adler etc. – Vögel fürchten. Denn natürlich hätte solch ein Milan keine Chance einem Köter von mehr als 70 Zentimetern Schulterhöhe ernsthaft etwas anzutun, und ins Beuteschema der Raubvögel passen die Hunde ja auch nicht.

[Foto: „Milvus milvus R(ThKraft)“ von Thomas Kraft (ThKraft) – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons]

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