Als wir über die Geschichte des Kö-Bogens berichteteten, fragte ein Leser: Wo ist denn jetzt der Jan-Wellem-Platz? Hier die Antwort:

Recherche · Eines steht fest: Da wo über mehr als 60 Jahre der Jan-Wellem-Platz als ÖPNV-Knotenpunkt existierte, stehen jetzt die Libeskind-Bauten des Kö-Bogens I. Als wir über dieses Riesenprojekt eines städtischen Umbaus berichteten, stellte ein Leser die Frage, ob der Jan-Wellem-Platz damit endgültig verschwunden sei. Ist er aber nicht, er liegt nun woanders, wenn auch nicht weit entfernt vom alten Standort. Außerdem ist er nur schwer als Platz erkennbar. Bericht ·

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Ursprünglich durchschnitt die Hofgartenstraße den Park gleichen Namens in Nord-Süd-Richtung von der Maximillian-Weyhe-Allee bis zur Johanneskirche. Es handelte sich um eine Straße mit einseitiger Bebauung mit repräsentativen Wohn-und-Geschäftshäusern. Der Bereich war im Weltkrieg erheblich durch Bombenschäden betroffen. Weil der damalige Baudezernent die Idee einer autogerechten Stadt aus seiner Zeit als Karrierist des Nazi-Regimes über den Krieg hinweg gerettet hatte, propagierte er die Idee einer komplett auf den Autoverkehr ausgerichteten Nord-Süd-Achse quer durch die Innenstadt. Da war das alte Viertel zwischen Goltsteinstraße und Landskrone sowie Schadwostraße und dem kleinteiligen Viertel südlich davon schlicht im Weg.

Google-Maps kennt den Jan-Wellem-Platz (noch) gar nicht (Screenshot: Google Maps)

Google-Maps kennt den Jan-Wellem-Platz (noch) gar nicht (Screenshot: Google Maps)

So entstand nicht nur die Berliner Allee, eine Straße, die es vor dem Krieg nicht gegeben hatte, sondern der Jan-Wellem-Platz mit dem Tausendfüßler und später das Dreischeibenhaus und der Gustaf-Gründgens-Platz mit dem Schauspielhaus. Der Jan-Wellem-Platz wurde als zentraler Knotenpunkt für den Bus- und Straßenbahnverkehr südlich der Landskrone und östlich des Corneliusplatzes angelegt. In der letzten Ausbaustufe war er mit acht Bahn- und drei Bussteigen ausgestattet. Ein Parkplatz unter der Hochstraße machte ihn zu einer öden Fläche, die nur betrat, wer den ÖPNV nutzen wollte.

Der Jan-Wellem-Platz auf einer Ansichtskarte von ca. 1965 (Foto via oldthing.de)

Der Jan-Wellem-Platz auf einer Ansichtskarte von ca. 1965 (Foto via oldthing.de)

Der Bau der U-Bahn war der erste Schritt zum Ende des Jan-Wellem-Platzes, denn nun übernahm der U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee die Funktion des Knotenpunktes. Die Planungen für die Wehrhahn-Linie, die Untertunnelung des Bereichs und das Projekt „Kö-Bogen“ machten ihm final den Garaus. Die von Stararchitekt Daniel Libeskind gezeichneten Bauten des Kö-Bogen I mit den geschwungenen Fassaden nehmen heute den größten Teil des ehemaligen Jan-Wellem-Platzes ein. Damit war dieser Name zunächst aus dem Straßenverzeichnis der Stadt Düsseldorf getilgt.

Düsseldorf Maps zeigen den Jan-Wellem-Platz ungenau an (Screenshot: maps.duesseldorf.de)

Düsseldorf Maps zeigen den Jan-Wellem-Platz ungenau an (Screenshot: maps.duesseldorf.de)

Im Oktober 2013 wurde das Kaufhaus Breuninger in den Libeskind-Bauten eröffnet. Im Februar 2014 beschloss dann der Rat der Stadt, den Jan-Wellem-Platz wieder aufleben zu lassen. Dass es diesen Platz wieder gab, blieb bis 2019 dank der Bauarbeiten des Kö-Bogen II und der weiträumigen Umgestaltungen praktisch unbemerkt, zumal auch kein Straßenschild angebracht wurde. Manche Düsseldorfer:innen dachten, die dreieckige Fläche zwischen Breuninger und den zuvor schon am Rand des Jan-Wellem-Platzes bestehenden Gebäude trügen nun diesen Namen. Weit gefehlt, denn im November 2014 hatte der Rat den Beschluss gefasst, genau diesen Zwickel zu Ehren des 2008 verstorbenen OB und Kö-Bogen-Visionärs Joachim-Erwin-Platz zu nennen.

Lage des Jan-Wellem-Platzes auf einem Stadtplan von 1966 (Screenshot: maps.duesseldorf.de)

Lage des Jan-Wellem-Platzes auf einem Stadtplan von 1966 (Screenshot: maps.duesseldorf.de)

Auf allen verfügbaren Stadtplänen ist der Jan-Wellem-Platz erst seit gut einem Jahr wieder eingezeichnet. Und zwar wird mit diesem Namen das Gelände nordöstlich des Kö-Bogen I und westlich des Dreischeibenhauses bezeichnet, das parallel zu den Bahngleisen und jenseits der Landskrone liegt. Als Platz ist diese Zone bis heute nicht zu erkennen, und das wird sich wohl auch erst ändern, wenn die gesamte Umgestaltung vollständig abgeschlossen ist.

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