Die Arena – ein Subventionsgrab dank OB Joachim Erwin. Oder: Die Legende vom Skatturnier

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Ganz Düsseldorf wiehert über den Megaflop, den die Düsseldorf Congress Sport & Event (DCSE) rund um den sogenannten „Arena-Sommer“ fabriziert hat. Das Rap-Großereignis musste mangels Zuschauerinteresse abgesagt werden, das große Bierfest war eher ein kleines Bierdesaster und selbst das EM-Public-Viewing war trotz Unterstützung der hiesigen Kultband Porno al Forno auch bloß ein Kleinereignis mit kaum 500 Besuchern. Dabei war die Idee ja eigentlich prima: Durch eine Kette von Events sollte die Arena in Stockum, für die immer noch jährlich Zuschussmillionen aus Steuergeldern fließen, häufiger bespielt werden, um zumindest ein bisschen Einnahmen zu generieren. Leider ging das aus mehreren Gründen schief – die fast alle mit katastrophalen Marketingfehlern der DCSE zusammenhängen. Nun hat aber ausgerechnet Ratsfrau Angela Erwin, die Tochter des im Mai 2008 verstorbenen EX-Oberbürgermeisters Erwin den Nerv, den MacherInnen Versagen vorzuwerfen und diesen schönen Satz öffentlich zu äußern: „Mit solchen Veranstaltungen kann man in der Arena nichts gewinnen. Die ist, außer für Fußball, vor allem für große Konzerte da.“. Denn immerhin ist es ihrem Vater anzulasten, dass wir Düsseldorfer überhaupt solch ein Subventionsgrab an der Backe haben. Da lohnt es sich, einen Blick zurück zu werfen und sich die Historie der Arena einmal anzuschauen – hier ein Ausschnitt aus einem Artikel des Blogs „Rainer’sche Post“ aus dem Juli 2008:

Eigentlich greift es zu kurz, wenn man die Vorfälle rund um die vom ehemaligen Oberbürgermeister initiierten, durch- gepeitschten und befürworteten Bauprojekte seiner Ära als Bauskandale bezeichnet; man müsste von Planungs-, Finanzierungs- und Betriebsskandalen sprechen. Eines vorausgeschickt: Entgegen vieler Legender alter Erwinista-Gegner war es nicht Joachim Erwin, der den Abriss des alten Rheinstadions und den Neubau der Mehrzweckarena neben dem Messegelände forciert hat. Es handelt sich dabei um ein Projekt der hiesigen Sozialdemokraten, dem der spätere OB vor seiner Wahl eher skeptisch gegenüber stand, weil er als alter Leichtathlet den Umbau des Rheinstadions als klassische Sportstätte mit Laufbahn und Marathontor lange bevorzugte. Erst später und vermutlich getrieben durch die Möglichkeit, das Unternehmen Schüssler-Plan, mit dem er qua Heirat verschwägert war, einzubinden, schwenkte er um.

Mehr Messehalle als Sportarena

Die Joachim-Erwin-Gedächtnis-Halle

Die Joachim-Erwin-Gedächtnis-Halle

Hübsch muss man sie nicht finden, die Arena, die passend zum Umfeld aussieht wie eine überdimensionierte Messehalle. Zweckmäßig ist sie, das haben die gut dreieinhalb Jahre seit der Noteröffnung am 10. September 2004 ergeben. Damals ließ der OB persönlich anordnen, dass die Halle etliche Monate vor der eigentlichen Eröffnung und im Zustand einer Baustelle mit dem Regionalligaspiel der Fortuna gegen Union Berlin dem Volke übergeben wird. Gut 38.000 Interessierte füllten die staubigen Ränge, und alle Verantwortlichen sind heut noch froh, dass es keine Unfälle gab, denn das Gebäude war zu dem Zeitpunkt werder bau-, noch feuerpolizeilich abgenommen. Aber es herrschte Wahlkampf und Joachim Erwin wollte sich – ganz im Sinne seiner Brot-und-Spiele-Politik – als Erbauer der Arena feiern lassen und so seine Wiederwahl sichern.

Wie gesagt: Über Geschmack kann man streiten, über Kosten allerdings noch besser. Denn der Bau der Mehrzweckarena verschlang den unglaublichen Betrag von 218 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Mönchengladbacher Stadion im Borussen-Park, das etwa gleichzeitig entstand und mit rund 54.000 Plätzen sogar ein bisschen größer ist, kostete kaum 90 Millionen Euro; die schnuckelige MSV-Arena in Duisburg mit rund 32.000 Plätzen gab es gar für nur 43 Millionen Euro. Wohlgemerkt: Bei den genannten Beispielen handelt es sich um die Spielstätten von Zweit- bzw. Erstligisten! Die Düsseldorfer Fortuna spielte zur Zeit der Grundsteinlegung der Arena in der Oberliga gegen Clubs wie Borussia Freialdenhoven oder Adler Osterfeld – meist vor weniger als 6.000 Zuschauern im heimischen Paul-Janes-Stadion.

Kurz und ungut: Die in ihrer heutigen Form von Erwin durchgepeitschte Arena ist mit 51.500 Plätzen und Baukosten von fast 220 Millionen Euro deutlich überdimensioniert. Gut, für das angebaute Hotel muss man einen Abschlag rechnen, auch für die Nebenräume, die ursprünglich für Spaßbetriebe à la Bowlingbahn genutzt werden sollten, auch. Trotzdem kann der Bau als Finanzierungsskandal bezeichnet werden, der heutzutage den Düsseldorfer Steuerzahler Jahr für Jahr und auf nicht absehbare Zeit zwischen 8,5 und 12 Millionen Euro Subventionen im Jahr kosten wird.
Dabei sah zu Zeiten der SPD-Oberbürgermeisterin Markies Smeets die Finanzierung noch sehr solide aus. Immerhin rund 75 Millionen Euro hatte die Stadt für die Sanierung oder Umbau des Rheinstadions oder einen Neubau an dessen Stelle beiseite gelegt. Ein Fußballstadion wie in Mönchengladbach oder Duisburg wäre damit locker zu machen gewesen. Da es aber keine öffentliche Ausschreibung, sondern nur – dies hatte unter Erwin Methode – ein Werkstattverfahren gab, ließen die potenziellen Planer ihren Phantasien freien Lauf. Was der OB sehr goutierte. So stand eine Zeitlang die Idee im Raum, die Rasenfläche mit einer Hubmechanik auszustatten, sodass diese immer dann, wenn nicht Fußball bzw. American Football gespielt würde, als Dach dienen könnte, was dem Rasen gut täte – übrigens ein Konzept der Firma Schüßler-Plan, das allein für einen Betrag zwischen 40 und 60 Millionen gut gewesen wäre.

Die Legende vom Hallenskatturnier

Im September und November 2002 wurde das Rheinstadion gesprengt. Der Fortuna ging es nicht gut, denn sie dümpelte nicht nur in der vierten Liga herum, sondern stand vor dem finanziellen Ruin. Weil aber eine Erst- oder wenigstens Zeitligamannschaft unverzichtbarer Baustein der Finanzierung der 218-Mio-Arena war, schaltete sich OB Erwin ein, wurde Vorsitzender des neu installierten Aufsichtsrats des TSV Fortuna Düsseldorf von 1895 und ließ sich gleich als Retter des Vereins feiern. Dabei machte er zunächst nur Versprechungen. Im Hintergrund versuchte er allerdings die Firma Hochtief, die damals noch an der ArGe zum Arenabau beteiligt war, zu zwingen, der Fortuna mit Sponsorgeldern auf die Füße zu helfen, was das Unternehmen ablehnte und in der Folge aus dem Konsortium ausschied. Dessen Platz nahm die Augsburger Walther Bau ein, vor der es hieß, sie sei finanziell in Schwierigkeiten. Mit diesem Unternehmen wurde eine bis heute ungeklärte Vereinbarung über Gelder zum Wohle der Fortuna getroffen, in deren Folge Joachim Erwin den Weltmeister Thomas Berthold als Retter präsentierte. Immerhin gelang so 2004 der Aufstieg in die dritte Liga – einen messbaren Anteil hatte Berthold daran nicht. Im Gegenteil: Sein Rausschmiss kostete den Verein rund 300.000 Euro. Damit war die Rolle der Fortuna als Arenabetriebsfinanzierer weiter ungewiss.

Dabei hatte Erwin in einer turbulenten Ratssitzung am 25.02.2002 vorgerechnet, dass die Arena sich selbst tragen würde, selbst wenn nicht mehr als „ein Hallenskatturnier“ pro Jahr dort stattfände. Das war natürlich Blödsinn, denn der Chef der Verwaltung rechnete zu jenem Zeitpunkt noch damit, das angebundene Hotel teuer verpachten zu können und auch mit Bowlingbahn und Wellnesscenter sowie Büromieten über die Runden zu kommen. Tatsächlich fand sich für das vor Fehlplanungen nur so strotzende Hotel erst im Jahr 2007 nach teuren Ausbaumaßnahmen ein Pächter, die Spaßbetrieben fanden nicht statt, und Büros konnten nur an städtische Einrichtungen zwangsvermietet werden.

Immerhin erzielt die Düsseldorfer Fortuna bei ihren Drittligaheimspielen einen Schnitt von um die 12.000 Zuschauer. Da der Verein aber zumindest in der Spielzeit 2007/08 die Stadionmiete im siebenstelligen Bereich schuldig blieb, gab es aus dieser Ecke keine Einnahmen. Zu allem Unglück wurde außerdem zum Ende der 07er-Saison der Spielbetrieb der NFL Europe eingestellt – zu den je fünf Spielen von Rheinfire kamen immerhin regelmäßig mehr als 30.000 Leute; andere Sportereignisse gab es nur sporadisch. Die ganz dicke Kohle sollten aber Stadionkonzerte bringen. Tatsächlich füllten Künstler wie Die Toten Hosen, Madonna, Police und Depeche Mode die Arena mit gut 50.000 Fans, und auch bei Herbert Grönemeyer und den Stones waren viele Menschen anwesend. Wirklich gut unterrichtete Veranstalterkreise wissen aber zu berichten, dass mindestens zwei dieser Grossereignisse Zuschussgeschäfte waren, denn die Arena-Betriebsgesellschaft soll nicht nur für die Kosten aufgekommen sein und die Einnahmen in voller Höhe weitergereicht haben, sondern mindestens in einem Fall sogar noch ein Honorar gezahlt haben.

Pleiten, Pech und Pannen

Apropos Betriebsgesellschaft: Einer Farce glichen die Ereignisse rund um die Fast-Pleite dieser BG im Sommer 2005. Nachdem Walther Bau eine formidable Pleite hingelegt hatte, stellte sich heraus, dass auch die BG, an der Walther beteiligt war, so gut wie insolvent war. Mit einem feinen Trick versuchte daraufhin der Krefelder Unternehmer Gerald Wagener die Gesellschaft – und damit den Betrieb der Arena – zu übernehmen. Für die Stadt wäre das eigentlich eine prima Sache gewesen, hätte der Deal sie doch vollständig von den Subventionen entlastet. Joachim Erwin persönlich wollte aber um jeden Preis verhindern, dass sein verhasster Parteifreund die Herrschaft über SEINE Arena gewönne. So zwang er den Rat unter Zurhilfenahme mehrfacher Erpressungen, die BG zu 100 Prozent zu übernehmen und Wagener mit einem netten siebenstelligen Betrag zu entschädigen. So ist heute die Stadt Düsseldorf über ihre Kongress-GmbH de facto Betreiber der Arena und damit für den Ausgleich der Unterdeckung des Betriebs verantwortlich.

Eine nette Anekdote, deren Pointe in diesen Tagen zum Vorschein kam, rankt sich auch um das Namenssponsoring. Ursprünglich stand im Raum, dass der ansässige Henkel-Konzern Namensgeber würde. Nachdem sich aber OB Erwin mit mehreren leitenden Herren des Unternehmens überworfen hatte, schied diese Möglichkeit aus. Gleichzeitig – also im Sommer 2004 – hatte die Charterfluggesellschaft LTU ein Anliegen, bei dem die Stadt ihr helfen konnte, was auch geschah. Im Gegenzug wurde die LTU, damals geleitet von Jürgen Marbach, für sehr kleines Geld (man spricht von nur 300.000 Euro pro Jahr) Namenssponsor. Derselbe Jürgen Marbach wurde flugs in den Aufsichtsrat der Fortuna gewählt, holte seinen Kumpel Reiner Calmund dazu und regierte im Verein mit dem OB den Club. Nachdem die LTU nun Teil von Air Berlin und Marbach nicht mehr an Bord war, bleib die Frage offen, was mit dem Namen geschehen würde. Und nach dem Tod von Joachim Erwin wurde auch spekuliert, ob Marbach dessen Nachfolger als Aufsichtsratsvorsitzender von F95 würde. Völlig überraschend erklärte Jürgen Marbach, der immer den Erzfan gegeben hatte, dieser Tage seinen Rücktritt. Noch überraschender kam wenig später die Meldung, dass er beim VfL Wolfsburg angeheuert habe. Man kann diese Entwicklung schön interpretieren, indem man annimmt, Marbach sei nur bei Fortuna eingestiegen, um per Erwin Gefälligkeiten für die LTU einzuholen. Die Geschäftsgrundlagen dafür ist nun in mehrfacher Hinsicht weggefallen.

[Zuerst erschien in der „Rainer’schen Post“ am 08.07.2008]

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7 Kommentare

  1. War damals nicht von einem Schachturnier die Rede gewesen statt einem Skatturnier? Und dann wären auch die Massen gekommen :-)))

    • Rainer Bartel am

      Nein, in der fraglichen Ratssitzung sprach OB Erwin laut Protokoll von einem „Hallenskatturnier“.

  2. Da fehlt eine kleine, aber vielleicht wichtige Info:

    Der deutsche Konzertmarkt wird maßgeblich gestaltet von Eventim. Neben dem Verkauf von Tickets organisiert Eventim aber auch selber Konzerte (Agenturen Marek Liebermann, Peter Rieger) und ist Betreiber der Köln-Arena (bzw. Lanxess).

    Gegen einen solchen Konzern wird es eine kleine Düsseldorfer Stadttochter immer schwer haben.

    https://de.wikipedia.org/wiki/CTS_Eventim

    • Rainer Bartel am

      Danke.

      Anfang der Nuller-Jahre wurde von Seiten der Erwinista ja sogar argumentiert, gegen einen solch tolle Halle wie die neue Mehrzweckarena könnten die Stadien im Umkreis als Konzertorte nicht anstinken. Das haben Experten schon im Jahr 2002 stark bezweifelt.

  3. Der Masottchen am

    Ja, der Herr Grössenwahn. Wie sehr ich ihn doch nicht vermisse. Aber schlussendlich macht er mir eines meiner Vergnügen, den Spaziergang über den Nordfriedhof, noch ein wenig vergnüglicher.

  4. Das Maskottchen am

    Oh, über den Tod und das Sterben an sich habe ich mich noch nie gefreut, auch bei Herrn Erwin nicht.

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