F95 vs Nürnberg 0:2 – überlegen … verloren

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Am Ende gleicht sich alles aus. So glücklich die Fortunen vergangene Woche in Würzburg einen Punkt eroberten, so unglücklich mussten sie gestern gegen einen durchweg unterlegenen Gegner eine Niederlage einstecken. Nachdem Sport1 sich an der Elfmeter-Situation mit Ihlas Bebou in der 16. Minute abgearbeitet und ermittelt hat, dass es ja wohl doch vielleicht wahrscheinlich einen Strafstoß hätte geben können oder müssen, könnte man leicht in eine Hätte-Hätte-Fahrradkette-Schleife geraten. Aber tatsächlich waren es zwei Faktoren, die für den Sieg des 1. FCN sorgten: Individuelle Defensivfehler und mangelhafteste Chancenverwertung. Besonders das Vollversagen des Julian Koch beim 0:1 kann als Ausgangspunkt für die Niederlage betrachtet werden. Nach einem schnell (zu schnell?) ausgeführten Freistoß im rechten Mittelfeld landete ein weiter Querpass beim späteren Torschützen, der eigentlich von Koch zu decken gewesen wäre. Der aber war mit seinen Gedanken woanders, verpennte das Durchstarten des Nürnbergers, der so frei auf Michael Rensing laufen und die Pille versenken konnte. Das bereits in der 6. Minute.

Leider ging das 0:2 in der 66. Minute ganz aufs Konto des jungen Robin Bormuth, der bis dahin erneut eine gute Partie ablieferte. Auch hier muss eine Mischung aus schlechtem Stellungsspiel und zu langsamer Reaktion konstatiert werden. Allerdings sah bei diesem Tor auch Michael Rensing nicht besonders gut aus; zwar war der Schuss relativ stark und platziert, aber unter günstigen Bedingungen haltbar.

Passive Nürnberger

Viel mehr muss man über die Nürnberger nicht berichten. Die standen meist im eigenen Sechzehner mit zwei Fünferketten und waren so öfters im Weg, wenn Fortuna-Spieler versuchten, das Ei nach guten Flanken zu versenken. Torchancen hatten die Franken jedenfalls keine. Dafür hagelte es nur so Gelegenheiten für die Jungs in Weiß. Ein ums andere Mal kamen Lukas Schmitz, Axel Bellinghausen und Julian Schauerte auf Außen bis zur Grundlinie und brachten den Ball nach innen, wo neben Rouwen Hennings das gesamte Mittelfeld einschussbereit anlief. Oft brachten Marcel Sobottka oder Kaan Ayhan feine Pässe an den Strafraumrand, noch öfter dribbelte sich Ihlas Bebou auf einer Seite seiner Wahl an drei, vier Nürnbergern vorbei, um dann zu passen. Aber entweder verpassten die Fortunen vor dem FCN-Keeper oder der pflückte sich das Ding.

Eigentlich zeigte das Team von Friedhelm Funkel und Peter Hermann all die guten Offensivaktionen, die man über die Hinrunde verteilt gesehen hatte, dieses Mal am Stück. Dazu stand die Viererkette unter der Leitung von Kevin Akpoguma – ohne allerdings oft gefordert zu werden – recht sicher. Auch in der Balleroberung waren die Fortunen gut. Zwar attestiert die offizielle Statistik den Clubberern zehn Torschüsse, aber darunter fielen dann auch offensichtlich alle Standards in der gegnerischen Hälfte.

Schönspielerei

Nach dem 0:2 veränderte sich das Spiel deutlich. Der Gegner zog sich nun ganz zurück und setzte stark aufs Foulen als taktisches Mittel. Den Fortunen fiel minutenlang nichts mehr ein, und irgendwann erstarrte die Partie in Schönspielerei – auch das konnte man in der laufenden Saison schon so erleben. Leider waren es neben Ayhan vor allem die eingewechselten Özkan Yildirim und Ari Ferati, die das Spiel in diese Richtung drehten. Und so wirbelten dann gleich vier Dribbelkünstler brotlos vor dem pickepackevollen Club-Sechzehner herum, ohne allzu viel Gefahr zu erzeugen. Dass dabei wertvolle Zeit verschwendet wurde, dürfte ein weiterer Schlüssel zur Niederlage gewesen sein.

Wohlgemerkt: Diese unglücklich verlorene Partie kann weder Anlass zur Generalkritik an der jungen Mannschaft sein, noch sollte sie zu weiterem Koch-Bashing führen. Allerdings dürfen sich die Coaches nun doch einmal fragen, ob die Lösung mit Koch und Schauerte auf rechts wirklich nachhaltig ist. Obwohl ihn seine Offensivambitionen oft zu ungünstigen Aktionen verleiten, ist Schauerte sicher der bessere Außenverteidiger. Im rechten Mittelfeld könnte dann je nach Begegnung ein mehr oder weniger offensiver Youngster antreten.

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