F95 vs Stinkifauli 1:1 – oder: Das Spiel hat immer ZWEI Halbzeiten

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Und wieder ist ein Geheimnis des andauernden Misserfolgs der glorreichen Fortuna aus Düsseldorf entschleiert: Die Insassen des Kaders haben nicht verstanden, dass ein Fußballspiel nicht nur 90 Minuten dauert, sondern – Überraschung! – aus ZWEI Halbzeiten besteht. Und dass es ÜBERHAUPT keinen Grund gibt, nicht in beiden Spielhälften gleich gut zu kicken. Denn erneut gehörte die erste Halbzeit ganz klar F95. Da stand die Defensive mit dem uneingespielten Duo Madlung + Akpoguma sicher, während außen die Herren Schauerte und Schmitz gute Abwehrtage aus dem Topf gezogen hatten. Besonders der Herr Schmitz machte im Duett mit unserem Axel heftig Dampf auf der linken Seite. Bemerkenswert auch das unermüdliche Wühlen des Herrn Pohjanpalo, der ausdauernd dahin ging, wo’s ihm und seinen Gegnern wehtat. Dass er zudem in der 5. Minute durch kluges Durchlassen einen Kopfballtreffer(!) des Herrn Demirbay ermöglichte, machte ihn fast zum Matchwinner. Denn: Das Spiel hatte auch wieder zwei Halbzeiten, und in der zweiten war dann wieder alles anders.

Bleiben wir in den ersten 45 Minuten, in denen die Jungs in Rot überlegen waren, während die Söldner aus St.Pauli sich – wie gewohnt – vor allem im dreckigen Spiel übten. Gleich zu Beginn checkte so ein Mistkäfer unseren Herrn Rensing, sodass der behandelt werden musste. Meist stiegen die trüben Tassen vom Zettelewald mit offener Sohle ein oder hielten routinemäßig den Fuß drüber. Zum Glück war der ausgezeichnete Schiri Schröder Herr der Lage und brachte den Grobmotorikern aus der Hafenstadt die Flötentöne bei. Da reichten übrigens konsequent gegebene Freistöße und nur zwei gelbe Karten – so geht Schiedsen.

Wie so oft kriegten die Buben des Herrn Funkel die Pille aber vor dem Pausenpfiff nicht ein zweites Mal in die Bude. Obwohl es wahrlich genug Möglichkeiten gab. Davon zwei mit Tor-des-Monats-Potential. Zum Beispiel das eine Ding vom Herrn Habichvergessen aus extremst spitzen Winkel, das parallel zur Latte vorbeisauste. Und so weiter. Über links ging viel, durch die Mitte aber auch. Wobei der Herr Demirbay dann doch wieder so ein bisschen Tendenz zur Schlamperei zeigte und der König des Ballverlusts wurde. Das glich er jedoch duch unermüdliches Mitspielen und Tun und Machen locker aus. Unauffällig, aber wertvoll übrigens die Herren Sobottka und Gartner. Apropos: Die schlechte Nachricht der Woche war, dass ebendieser Herr Gartner uns verlässt – kann man ihm nicht verdenken, so wenig Förderung durch die zig Trainer der Ersten wie er in seiner Zeit bei uns erfuhr. Bliebe noch der Herr Mavrias, der ebenfalls ziemlich unauffällig agierte, aber trotzdem auf seine Art wertvoll war. Und irgendwann wird ihm auch ne Hütte gelingen, das ist fast unvermeidbar.

Das war dann leider auch nur das Fazit der ersten 45 Minuten. Natürlich hatte der Lienen seine Kerle in der Kabine angespitzt, und tatsächlich kamen die Bräunlichen nach der Pause mit erheblich mehr Offensivwumms aufs Feld und setzten die Fortunen ganz schön unter Druck. Aber die Abwehr stand. Dafür kriegten die Herren davor kaum je einen nennenswerten Konter hin. Dann brachte der Nüsser Friedhelm den Herrn Sararer für den Herrn Mavrias, dessen Akkus sich sichtbar geleert hatten, und spielte seinen Streifen. Dieser Streifen ist fast immer schön anzusehen, aber viel zu selten von Effizienz gekrönt. Vielleicht müsste ihm mal jemand erklären, dass man NICHT IMMER versuchen muss, erst drei Gegner auf sich zu ziehen, um sie dann auszuspielen. Denn erstens kostete das Zeit und Schwung, und zweitens geht das oft schief.

So in der 65. Minute nahe des gegnerischen Sechzehners. Aus diesem völlig überflüssigen Ballverlust entspann sich ein schicker Konter, der in einer feinen scharfen Hereingabe von links mündete, und diesen einen FCSP-Kicker hatte man übersehen, sodass er unhaltbar zum Ausgleich einschieben konnte. Das war in Halbzeit Zwo erst die zweite nennenswerte Chance der Angereisten. Die erste entschärfte Torhüter Rensing im Stile eines Weltklasse-Keepers. Überhaupt nahm sich unsere Nummer Eins dieses Mal keinen Fehler, sondern war die Bank im Rücken seiner Feldspieler. Auch wenn die Fans – nicht nur auf der Süd, übrigens! – alles gaben, verflachte das Spiel. Was auch daran lag, dass den Funkel-Buben ein bisschen die Luft ausging und beide späteren Einwechslungen (Djurdjic für Palimmpalimm und Jackson für Gartner) nicht das Niveau der Kollegen erreichten. So blieb’s beim Unentschieden und einem Punkt, der beiden Mannschaften nichts bzw. wenig nützt.

Es ist nicht leicht, Pauli-Fan zu sein
In einer Hinsicht geht es den echten, geraden Pauli-Fans wie den echten, geraden Fans des FC Bayern München: Sie müssen damit leben, dass Tausende sich „Fan“ nennen, weil sie es irgendwie schick finden. Wieder schlenderten irgendwelche blässlichen Studenten in Totenkopf-T-Shirts durch die Stadt und fühlten sich wie so richtig derbe Fußballkerle. Das sind dieselben Arschgeigen, die sich ansonsten nur wenig für Fußball interessieren und immer noch den Spruch vom „Weltpokalbesiegerbesieger“ im Maul führen.

Und da wären dann noch die Jungs mit dem steifgewordenen Moralzeigefinger, die meinen, sich in die Belange anderer Fanszenen einmischen zu müssen. Das Transparent (aus der Erinnerung zitiert) „Taten statt Worte, Fortuna – Nazis aus dem Stadion jagen“ ist mindestens eine Unverschämtheit. Es impliziert auf ähnliche Weise wie gewisse Antifa-Paranoiker, die F95-Fanszene sei quasi mit Rechtsradikalen durchsetzt, die kurz davor wären, die Macht zu ergreifen.

Fortuna-Fans sollten beim nächsten Mal am Millerntor mit einer Tapete kontern, die ungefähr so beschriftet sein könnte: „Worte statt Taten, Pauli – Kommerz aus dem Stadion jagen“; vermutlich lägen sie mit dieser Aufforderung um ein Vielfaches näher an der faktischen Situation als umgekehrt. Aber wie übermittelte ein in Ehren kahl gewordener Fan des FC St.Pauli, der seit mehr als 40 Jahren hingeht: „Irgendwann sind die Spinner erwachsen, und dann fahren nur noch die echten, geraden Jungs von denen auswärts.“ So wird’s sein.

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