F95 vs Wismut Aue 1:0 – Wo Rauch ist, ist auch Feuer

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Vor über 37.000 Zuschauern besiegte Fortuna Düsseldorf die BSG Wismut Aue in einem nicht sehr hochklassigen Spiel mit 1:0. Für die Landeshauptstädter bedeutete dies den Klassenerhalt. Weil aber 1860 München in Heidenheim patzte, bedeutet diese Niederlage auch für Aue den Nichtabstieg. Während die Mannschaft aus dem Erzgebirge überaus vorsichtig agierte, zeigten die Spieler der Fortuna phasenweise, dass sie die Partie unbedingt gewinnen wollten. Und besonders in der zweiten Halbzeit gelangen einige sehenswerte Offensivaktionen, die aber erneut nicht zu Toren führten. So blieb es am Ende beim 1:0 nach einem strammen Schuss von Christian Gartner aus halbrechter Position und rund achtzehn Metern Entfernung. Dabei hatte der junge Österreicher Glück, weil ihm der Ball nach einer missglückten Abwehraktion direkt vor die Füße fiel. Alles in allem zeigten die Auer viel zu wenig und kamen erst kurz vor dem Abpfiff zu zwei nennenswerten Chancen, die F95-Keeper Michael Rensing aber mit tollen Paraden vereitelte.

Überraschung in der Startelf

Größte Überraschung bei der Bekanntgabe der Startelf: Das Trainergespann Friedhelm Funkel und Peter Hermann hatten als Ersatz für den gelbgesperrten Lukas Schmitz den Youngster Anderson Lucoqui als linken Außenverteidiger nominiert. Der bei Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Köln ausgebildete Defensivmann, der seit seinem siebzehnten Geburtstag für die Fortuna tätig ist, löste seine Aufgabe ordentlich, obwohl ihm in der Anfangsviertelstunde die Nervosität anzumerken war. Robin Bormuth, der mit achtzehn von den Darmstädter Lilien zur Fortuna kam, darf inzwischen schon fast als Routinier bezeichnet werden und bildete zusammen mit dem sehr soliden Andre Hoffmann eine rundum sichere Innenverteidigung – defensiv ergänzt durch Julian Schauerte, der allerdings wieder Schwächen beim Passspiel zeigte.

Ob auch Kaan Ayhan in der Abwehrkette spielte, war nicht immer klar zu erkennen. Jedenfalls wurde der kreative Kicker, der zu Beginn der Saison von Schalke 04 kam, zwischendurch immer wieder als rechtes Ende einer Dreierkette gesichtet, wirkte aber in Halbzeit zwei deutlich offensiver. Mit gewohnt hohem kämpferischen Einsatz agierte erneut Adam Bodzek als Sechser, der zudem die Kapitänsbinde vom angeschlagenen Oliver Fink übernommen hatte. Für die Ideen im Mittelfeld sorgten vor allem Marcel Sobottka und Christian Gartner, während Jerome Kiesewetter eine Art Halbstürmer auf rechts gab. Mittelstürmer Rouwen Hennings merkte man deutlich an, dass er nicht hundertprozentig fit in die Partie ging; er wirkte langsamer als gewohnt und ließ sich auf deutlich weniger Zweikämpfe ein als sonst.

Pyro-Show und Bonrollen

Noch vor dem Anpfiff boten die Fortuna-Fans direkt hinter dem Tor eine Pyro-Show, die allerdings böse Folgen haben könnte. Nachdem der DFB F95 wegen ähnlicher Vorfälle auf Bewährung gesetzt hat, droht im ersten Spiel der kommenden Saison ein Teilausschuss. Das werden die den Ultras zuzurechnenden Bengalo- und Rauchpulver-Zündler gewusst und billigend in Kauf genommen haben. Weil ein Teilausschluss die Blöcke 36 bis 39 betreffen würde, scheint man sich auf das Auswandern in einen anderen Block einzustellen. Perfide Überlegung könnte sein: Da für die Saison 2017/18 vermutlich erheblich weniger Dauerkarten verkauft werden, wird es genug Platz auf der Südtribüne geben. Schön anzuschauen und eher weniger strafwürdig die Aktion nach der Pause. Aus dem Ultras-Block flogen Dutzende Bonrollen über das Schutznetz und in das Tor des Auer Keepers. Rund vier Minuten musste Schiri Osmers die Begegnung unterbrechen, um aufräumen zu lassen. Die erfreulich hohe Zuschauerzahl war auch der Tatsache geschuldet, dass die Fans der BSG Wismut zu Tausenden den weiten Weg aus dem Erzgebirge angetreten hatten, um ihr Team zu unterstützen. Den Nichtabstieg feierten die Anhänger der sächsischen Veilchen bis tief in die Nacht in der Altstadt – und das durchweg friedlich und freundlich.

Nach dem Schlusspfiff machte sich unter den Freunden der Düsseldorfer Fortuna mehr Erleichterung als Euphorie breit, gemischt mit einem Schuss Erschöpfung und dem Gefühl, es sei gut, dass diese vertrackte Saison vorbei sei. Eine offizielle Verabschiedung der Spieler, die den Club verlassen, gab es leider nicht. So blieb es dem Publikum auf der Süd vorbehalten, besonders Lars Unnerstall, der zum VV Venlo in die niederländische Erendivisie wechselt, zu danken. Unnerstall hatte sich in den drei Jahren bei F95 klaglos in die Rolle des zweiten Torhüters gefügt, nachdem Rensing durchweg hervorragende Leistungen gezeigt hatte. Auf dem Platz auch der im Spiel gegen den FC St. Pauli schwer verletzte Kevin Akpoguma, der nach einer Leihe zur TSG Hoffenheim zurückkehren wird. Überhaupt war der Kader vollzählig anwesend, und einige Spieler hatten ihre Kinder mit auf den Rasen gebracht. Aber auch bei den Kickern herrschte keine überschäumende Freude über den Sieg und den Klassenerhalt, zu mühselig hatte sich die Rückrunde gestaltet. Kapitän Oliver Fink in zivil versammelte die Kollegen dann aber doch vor der Südtribüne und lieferte eine eher maue Humba. Nicht ohne vorher zu betonen, dass die einzige Konstante der Saison die Anfeuerungen durch die Fans gewesen sei.

Schwierige Folgesaison

Auch wenn Cheftrainer Funkel in einem bemerkenswerten Interview das Wort „Aufstieg“ in den Mund nahm – eine Aussage, die er nach dem Spiel relativierte und einen einstelligen Tabellenplatz als Saisonziel ausgab -, auch wenn sich gerade junge Spieler wie Bebou, Bormuth, Sobottka, Gartner und Ayhan positiv weiterentwickelt haben, auch wenn in der zweiten Reihe weitere Youngster wie Lucoqui, Iyoha und auch Ritter bereitstehen und sich Kiesewetter und Yildirim dem Status „erfahrene Spieler“ nähern, gibt es doch mindestens zwei drängende Baustellen im Kader. So fehlen weiterhin die Alternativen auf den Außenverteidigerpositionen und vor allem Stürmer, die zuverlässig für Tore sorgen können. Letzteres wäre besonders wichtig, weil nicht geklärt ist, ob Rouwen Hennings nicht doch zurück zum FC Burnley muss.

Auch wenn es die gern grantelnden Düsseldorfer Zuschauer nicht gerne hören werden: Da alles auf eine stabile Defensive mit einem stabilen Mittelfeld hinausläuft, könnte man erst nach der Bekanntgabe von vielversprechenden neuen Stürmern auf eine offensivere und attraktivere Spielanlage hoffen. Bleibt noch die Frage, welche Rolle dann die „Achse der Erfahrenen“ (Rensing, Bodzek, Fink, Bellinghausen) in der Saison 2017/18 spielen wird. Dass Fortuna Düsseldorf noch einmal – neben einigem Unvermögen – so viel Pech haben könnte wie in der Rückrunde der soeben abgeschlossenen Spielzeit, ist eher unwahrscheinlich. Und das lässt hoffen. Denn weil der Verein nach allem, was man jetzt schon aus den Kreisen treuer Zuschauer hört, wird die Zahl der verkauften Dauerkarten wirklich drastisch sinken. Das bedeutet, dass die Mannschaft das Publikum mit attraktivem und erfolgreichen Fußball in die Arena locken muss. Nicht mehr und nicht weniger.

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2 Kommentare

  1. Danke Friedhelm ! Die Heimspiele waren sehr oft sehr schlecht aber trotzdem war es eine Mannschaft , von der man den Eindruck hatte, dass sie stabil ist.

  2. Andreas F. am

    Die Fortuna-Fans direkt hinter dem Tor eine Pyro-Show, die allerdings böse Folgen haben könnte

    Einfach mal den schlechtesten Ultra Karaokesänger in Haftung nehmen. Um ihn herum wurde die Pyros gezündelt.

    Mal durchgreifen bei diesen Idioten! Diesen Vorhampler braucht sowieso keiner! Da kann ich auch ein MP3-Player laufen lassen dazu noch 100 Wackeldackels mit ihren Fähnchen winken lassen.

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