Robert Schmitz Berufskleidung: Zwischen Kochjacken und Modemarken

0

Echte Düsseldorfer wissen schon lange, was sie an diesem Laden haben. Nicht- und Neu-Düsseldorfer muss man diese Perle der Altstadt in der Nähe des Carlsplatzes erst einmal näher bringen. Das Geschäft liegt an der Ecke Mittel-/Grabenstraße, also recht exponiert, in einem Backsteinbau. Bei Tag sieht der Laden unspektakulär aus, im Dunkeln macht eine schlichte, blaue Leuchtreklame auf Robert Schmitz Berufskleidung aufmerksam. Den Zusatz „Berufskleidung“ führt man immer noch; vermutlich weil man stolz darauf ist. Denn dass in dieser Ecke der Altstadt Berufskleidung für Binnenschiffer, Fischer und viele andere Tätigkeiten verkauft werden, hat eine lange Tradition. Außer Robert Schmitz ist noch Segel Manns auf der Hohestraße übrig geblieben – darüber demnächst mehr.

Ältere Einheimische werden sich noch an Habernickel erinnern, einen Laden, der in den Sechzigerjahren vor allem berühmt für seine Bundeswehr-Artikel war. Hier bekam man die begehrten BW-Schlafsäcke, aber auch Zelte, Parkas, Mützen aus Armeebeständen. Daraus entwickelte sich Habernickel zum Ausrüster für Abenteurer. Tatsächlich hatte dieses legendäre Geschäft, das nun auch schon seit Jahrzehnten nicht mehr existiert, ebenfalls mit Berufskleidung begonnen. In den Siebzigern begannen vor allem Kunststudenten damit, vorwiegend in Berufskleidung herumzulaufen. Angesagt war die weiße Malerlatzhose, aber auch der Blaumann un der Overall. Wichtigste Quelle außer „Neben“ an der Oststraße war dann schon Robert Schmitz. Es sei denn, Kaufhalle, Woolworth oder ein anderer Discounter hatte blaue Latzhosen für neun Mark im Angebot.

Immer noch wichtig für viele Berufe

Man muss sich wundern, was der Eigentümer alles auf der relativ kleinen Verkaufsfläche unterzubringen weiß. Denn neben eine breite Palette an Berufskleidung ist das Angebot ausgewählter „Normalkleidung“ getreten. Dazu später mehr. Immer noch findet beispielsweise der Zimmermann auf der Walz alles, was die Tradition der Zunft verlangt. Köche und Bäcker können sich hier einkleiden. Und auch der Köbes findet hier Hemd und Schürze in Blau, wie es in den Düsseldorfer Hausbrauereien Brauch ist. Dabei gibt es nicht nur Hemden, Hosen, Jacken, sondern auch zugehörige Schuhe, Mützen, Tücher und andere Accessoires. Und wenn ein bestimmtes Stück nicht vorrätig ist, wird es gern bestellt.

Google-Map: Robert Schmitz Berufskleidung

Google-Map: Robert Schmitz Berufskleidung

Im Zentrum des Erdgeschosses liegt der Kassenbereich. Gleich daneben geht es in das als Galerie ausgestaltete Obergeschoss. Hier existiert ein Jeans-Paradies für Menschen, die gern die altehrwürdigen Marken tragen, aber denen nicht unbedingt gängige Größen passen. Im Klartext: Angeboten werden schon seit ewig Edwin, Lee, Levis und Wrangler – seit einiger Zeit außerdem die Vintage-Marke Pike Brothers. Außerdem Chinos von Dockers. Berühmt auch die umfassende Auswahl an qualitativ hochwertigen, einfarbigen T-Shirts ohne Aufdruck sowie Strickwaren von Peter Scott und GRP. Fred-Perry-Produkte sind ebenso vertreten wie Hüte von Stetson und Schuhe von Red Wing.

Beratung mit Gelassenheit

Bei Robert Schmitz einkaufen zu gehen, ist immer ein gutes Erlebnis. Einerseits, weil man (fast) immer findet, wonach man gesucht hat, und andererseits wegen der großen Gelassenheit der Verkäuferinnen und Verkäufer. Wo von sich selbst überzeugte Models in Boutiquen nach der dritten Anprobe schon einmal ungeduldig werden und auf Nichtkaufen patzig reagieren, wird man durchgehend freundlich und hilfsbereit behandelt. Und ein paar lustige Sprüche kann man immer austauschen.

So gesehen gehört Robert Schmitz Berufskleidung zu den typischen Ladengeschäften der Altstadt. Und die werden mit steigenden Mieten rund um die Flingerstraße und den Carlsplatz immer seltener.

Download PDF
Teilen.

Antworten