[Geändert] Weiße Rosen gegen die AfD – Sonntagsmorgen am Geschwister-Scholl-Gymnasium

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Als gegen 10:15 eine Delegation der Scholler, also aktueller und ehemaliger Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums sowie deren Eltern, Hunderte bei den Demonstranten eingesammelter weißer Rosen vor dem Schultor niederlegte, stand ein älterer Typ auf der anderen Seite, also ein AfD-Delegierter, und machte hämische Bemerkungen – u.a. „Ist das ne Versammlung der Blumen-Innung?“ In dem Moment hätte Ihr sehr ergebener Berichterstatter beinahe seine antrainierte Gewaltfreiheit abgelegt. So ein Faustschlag mitten ins Gesicht wäre die angemessene Antwort gewesen. Und da wurde Ihrem Ergebenen klar: Der politische Gegner ist nicht diese Partei, sondern diese Typen, die jetzt aus ihren braunen Löchern gekrochen kommen und denen tierisch einer abgeht, weil sie jetzt endlich ihren ganzen rassistischen und antidemokratischen Dreck öffentlich aus sich heraus reihern dürfen. Dieser alte Sack, teuer konservativ gekleidet und mit einer mächtigen Säufernase wird nicht alt genug sein, das Nazi-Regime mitbekommen zu haben, aber sich selbst über den bürgerlichen Widerstand gegen die Nationalsozialisten lustig zu machen, zeugt mindestens von Geschichtsblindheit.

Nein, sympathisch sehen diese AfD-Leute nicht aus. Und die rotblonde Tusse die eine AfD-Frau, die es sichtlich genoss, im Mittelpunkt der Fernseh- und Fotokameras zu stehen und dazu kokette Bemerkungen machte, zeigte genau dieselbe hässlich-kalte Fratze wie die Petry. Die argumentierte übrigens tatsächlich so: Die AfD tage im Geschwister-Scholl-Gymnasium, weil ihre Partei heute den Widerstand gegen das System betreibe, den die von den Nazis hingerichteten Mitglieder der „Weißen Rose“ seinerzeit geleistet hätten. Perfider und zynischer geht’s kaum noch.

Schon vor neun Uhr hatten sich um die 50 Demonstranten gleich vor dem Schultor versammelt, auch um gegen die Anordnung des Polizeipräsidenten Norbert Wesseler zu protestieren, dass keine Gegendemo in Sicht- und Hörweite der Rechtspopulisten stattfinden dürfe. Daraus entwickelte sich eines der üblichen Rituale wie wir sie aus dem Kabarettabend „Mein Einsatzleiter“ kennen. Die Demonstranten melden eine Spontanaktion an, die Cops lassen das „oben“ prüfen. Dann heißt es: Bis zur Entscheidung haben sich die Spontandemonstranten zur angemeldeten Demo zu verfügen. Und so weiter… Das Ganze endete dann damit, dass die verbliebenen rund 20 Spontandemonstranten von einer Polizeikette Richtung Kundgebung gedrängt wurde, nicht ohne ein bisschen Gerangel.

An der zugewiesenen Ecke Redinghoven-/Moritz-Sommers-Straße, gleich an der Einfahrt zum Stoffeler Friedhof hatten sich bis gegen 09:30 rund 600 bis 800 Menschen versammelt, viele mit einer weißen Rose oder gleich einem ganzen Strauß in der Hand. Dann traf auch OB Thomas Geisel ein, begrüßte ausdrücklich auch die Spontandemonstranten, um sich dann zum Lautsprecherwagen der offiziellen Kundgebung zu verfügen.

Währenddessen war es sechs Mitgliedern einer antifaschistischen Gruppe gelungen, den Haupteingang durch eine Sitzblockade unpassierbar zu machen, sodass die AfDler sich durch einen Seiteneingang ins Gebäude schleichen mussten. Nach knapp einer Dreiviertelstunde räumten die Blockierer unter lauten „Alerta! Alerta! Antifascista!“-Rufen freiwillig und friedlich den Platz vor dem Eingang.

Es folgten allerlei Reden, wobei natürlich die Ansprachen der aktuellen und ehemaligen Scholler besonderes Gewicht hatten, denn die bezogen sich auf den Scholl-Appell 2016, der hier im Wortlaut wiedergegeben werden soll:

Der Scholl‐Appell ist gerichtet an alle Menschen innerhalb und außerhalb unserer Schule und soll Grundlage für unser Zusammenleben sein. In erster Version wurde er 1993 von einer Schülergruppe verfasst und bis heute zweimal aktualisiert. Der Scholl‐Appell beinhaltet Verpflichtungen, die wir in Erinnerung an die Namensgeber unserer Schule als Botschaft und Aufgabe verstehen. „Wir schweigen nicht!“ war der Leitsatz von Hans und Sophie Scholl, deren Denken und Handeln unser (Schul‐)Leben prägt. Darauf wollen wir uns gerade jetzt wieder besinnen. Deshalb haben wir, Schüle‐ rinnen und Schüler der Jahrgangstufe 9, die Verpflichtungen des Scholl‐Appells aktualisiert. Wir alle tragen Verantwortung für ein friedliches, tolerantes Zusammenleben und für eine bessere Zukunft. Deshalb wollen wir uns an folgende Grundsätze halten:
Wir begegnen allen Mitmenschen mit Toleranz und Respekt.
Wir diskriminieren niemanden aufgrund seines Aussehens, eines Handicaps, seiner Hautfarbe, seiner Herkunft, seiner Religion, seiner sexuellen Orientierung oder seiner schulischen Leistungen.
Wir zeigen Zivilcourage und sehen nicht weg, wenn jemandem Unrecht angetan wird.
Wir trauen uns, unsere eigene Meinung zu vertreten, und sind offen gegenüber anderen Standpunkten.
Wir verstecken uns nicht hinter einer virtuellen Fassade und diskriminieren niemanden im Internet.
Wir lösen Konflikte gewaltfrei und suchen gemeinsam nach Kompromissen.
Wir achten auf unsere Umwelt und handeln nachhaltig.
Wir wünschen uns, dass dieser Schollappell nicht nur in unserer Schule geachtet, sondern auch in andere Gemeinschaften weitergetragen wird.

Dann sammelte die Delegation am inzwischen aufgebauten Sperrgitter die vielen, vielen weißen Rosen von den Teilnehmern der Kundgebung ein und machte sich auf den Weg zum gut 100 Meter entfernten Schultor. Unter den Augen der TV-Kameras von WDR, RTL und Center TV sowie eines guten Dutzend Journalisten legten die Scholler – unter ihnen auch das SPD-MdB Andreas Rimkus dann die Rosen nieder – aufs Gelände ihrer eigenen Schule hatte man sie nicht gelassen.

Es bleibt ein unglaublicher Affront dieser rassistischen und demokratiefeindlichen Partei, ihren Kreisparteitag ausgerechnet in dem Gymnasium abzuhalten, dass den Namen antifaschistischer Widerstandskämpfer trägt. Und es bleibt ein Skandal, dass der Polizeipräsident das Recht auf Versammlungsfreiheit der Demonstranten willkürlich beschnitten hat. Dass es kein juristisches Mittel gegen den AfD-Parteitag an diesem Ort gab, steht inzwischen auch fest – Hauptgrund ist, dass die Partei im Rat der Stadt vertreten ist. Schlimm genug…

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8 Kommentare

  1. Blockierer am

    Nicht zur Veröffentlichung:

    Warum verpixelt ihr nicht die Bilder, auf dem Foto „Ein Haufen AfDler vor dem Schuleingang“ sind mehrere spätere Blockierer gut zu erkennen. Bitte verpixeln.

    • Rainer Bartel am

      Wir verpixeln nicht. Nie. Weil wir Fotos nur bringen, wenn diese juristisch betrachtet so wie sie sind veröffentlicht werden können. Wir haben das Bild jetzt rausgenommen, weil die Bildunterschrift nicht gepasst hat. Was wir uns auch fragen: Ihr blockiert, um Öffentlichkeit zu erzielen, und dann wollt ihr nicht veröffentlicht werden – wie passt das denn?

      • AntifaschistIn am

        Kein Antifaschist will im Fotoalbum der Nazis landen und von diesen wiedererkannt und gejagt werden. Wenn Ihr Aktivisten nicht verpixelt, spielt Ihr den Nazi in die Hände.

  2. Pingback: Millionen Deutsche öffnen dem Faschismus die Tür « starke-meinungen.de

  3. Werter Berichterstatter, was haben Beschreibungen wie „alter Sack, teuer konservativ gekleidet und mit einer mächtigen Säufernase“ oder „rotblonde Tusse“, „hässlich-kalte Fratze wie die Petry“ mit sachlicher Auseinandersetzung mit anderen Meinungen zu tun?
    Abgesehen davon, finde ich es gut, wenn sich Leute öffentlich für Überzeugungen einsetzen oder meinetwegen auch bei „Kreisparteitagen“ engagieren, anstatt auf der Couch sitzen zu bleiben. Solange alles friedlich und im Rahmen der geltenden Regeln bleibt.
    Glauben Sie wirklich, dass eine „Gegendemo in Sicht- und Hörweite der Rechtspopulisten“ ohne Rangeleien zwischen den unterschiedlichen Parteien, ohne Gewalttätigkeiten und / oder Nötigung von welcher Seite auch immer abgelaufen wäre? Deshalb finde ich es auch richtig, dass die Polizei einen gewissen Abstand zwischen dem Ort der (ordnungsgemäß angemeldeten) Versammlung und den Protestierenden vorschreibt.

    • Rainer Bartel am

      Wer sagt denn, dass ich eine „sachliche Auseinandersetzung mit anderen Meinungen“ anstreben? Diese rassistische und antidemokratische Partei ist ein Haufen böser, brauner Kacke und keine Meinung. Wenn sich Typen wie der mit der Säufernase über den Scholl’schen Widerstand lustig machen, hat der keine „sachliche Auseinandersetzng“ zu erwarten, sondern eher was aufs Maul. Dazu stehe ich, dazu steht The Düsseldorfer.

      Es hat ja eine Gegendemo direkt am Schultor stattgefunden, während etliche der Arschgeigen zu ihrem Reichsparteitag aufmarschierten. Lief völlig ohne Gewalttätigkeiten und Nötigungen ab, aber begleitet von massiven Provokationen einiger AfDler.

  4. Ronald Steinert am

    Schade, dass ich nicht dabei war, hatte aber von nix gehört. Bin auch ehemaliger Scholler und bin entsetzt über die AfD-Tagung im alten Pennal.
    Ich war vor ein oder zwei Jahren mal wieder da anlässlich der Samen- und Pflanzenbörse und konnte feststellen, dass sich seit den 1960ern – wo durchaus (den Namensgebern zum Trotz) auch der eine oder andere Nazi-Mitläufer-Lehrer breitgemacht hatte und der Geist der Geschwister Scholl nur Lippenbekenntnis war – inzwischen einiges sehr zum Vorteil geändert hat.

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