Die Innenverteidigung bildet im modernen Viererkettenfußball den Grundstein für den defensiven Erfolg. Wenn dann ein Teil eines eingespielten Duos verletzungsbedingt ausfällt, kann man sich als Anhänger der betroffenen Mannschaft Sorgen machen. Doch gestern beim Spiel der glorreichen Fortuna auf dem Lauerer Betzenberg erwiesen sich alle Befürchtungen als grundlos: Der junge Robin Bormuth bot an der Seite seines ebenfalls noch sehr jungen Kollegen Kevin Akpoguma eine tolle Leistung und konnte so Alexander Madlung bestens ersetzen. Kann gut sein, dass hier die jüngste Innenverteidigung der obersten drei Ligen antrat. Und den Grundstein für den defensiven Erfolg von F95 legte. So wie die stehende Null auf der eigenen Seite ein klarer Erfolgsbeweis ist, so kann man die zweite Null… ja, als was genau betrachten?

Je nach Zählweise kam die Truppe von Trainer Funkel auf drei oder vier Hundertprozentige, die leider auf die eine oder andere Art versemmelt wurden. Besonders ärgerlich, dass Ihlas Bebou in der 12. Minute einen Fuß in eine perfekte Bellinghausen-Flanke hielt; mit dem Kopf hätte er den Treffer mit hoher Sicherheit erzielt. Bleiben wir kurz bei diesen beiden offensiven Mittelfeldlern. „Unser Axel“, wie ihn die Fans gern nennen, war gestern nicht nur kampfstark wie gewohnt und laufbereit wie immer, sondern offensiv von ungewohnter Effizienz. Dabei kamen mehrere herrliche Flanken und Pässe heraus. Und wenn er nicht bei seinem Torschussversuch den rechten Fuß hätte nehmen müssen, wer weiß, vielleicht hätte er sich sogar in die Knipserliste eingetragen. Bei Bebou sind immer wieder Licht und Schatten zu erkennen: Auf eine konsequente Balleroberung folgt nicht selten ein schlampiger Ballverlust, und das Defensivverhalten schwankt zwischen sehr gut und geht so. Dafür gab er gerade in der ersten Spielhälfte seine Bewerbung als echte zweite Spitze neben Neuzugang Rouwen Hennings ab.

Enttäuschende Kulisse

Der blieb in den ersten 45 Minuten bis auf eine Ausnahme blass, weil offensichtlich noch nicht ganz integriert. Dafür ließ er kurz vor seiner Auswechslung in der 68. Minute zweimal erahnen, zu was er als Mittelstürmer in der Lage ist. Eine klasse Vorlage von Lukas Schmitz nahm er perfekt an, fand aber keinen günstigen Winkel für den Abschluss und beförderte den Ball so in die Arme des Lauterer Keepers. Überhaupt: Sowohl Schmitz, als auch Julian Schauerte verbessern ihr Offensivverhalten unter Trainer Funkel von Spiel zu Spiel, wobei Schauerte deutlich disziplinierter stürmt, aber immer noch eine nicht so schöne Fehlpassquote aufweist. Und wo wir immer noch bei der Defensivabteilung sind: Zum x-ten Male bewahrte Torhüter Michael Rensing seine Kollegen vor einem frühen Rückstand. Zweimal wehrte er Großchancen der Lauterer auf kongeniale Weise ab und war so erneut absolut sicherer Rückhalt der Mannschaft.

Tatsächlich legten die roten Teufel vor einer enttäuschenden Kulisse von gerade einmal 20.000 Zuschauern los wie die Feuerwehr. Aber der Versuch, den Düsseldorfer Strafraum in Brand zu setzen, fiel nach etwa zehn Minuten in sich zusammen. Nun waren es die Fortunen, die mit klugem Aufbauspiel und feinen Kombinationen die Schwächen der Lauterer Abwehr bloßlegten. Dabei fiel vor allem die optimale Aufgabenverteilung der Mittelachse Bodzek, Sobottka und Fink auf. Sowie Akpoguma und Bormuth die Defensive stabilisierten, leisteten die genannten Drei enorm viel für den Spielaufbau. Auffällig dabei Oliver Fink, der sich immer wieder in den Angriff einschaltete. Unauffällig auf positive Art arbeitete dagegen Adam Bodzek, der eine fehlerfreie Leistung bot. Die Entwicklung von Marcel Sobottka unter dem neuen Trainerteam ist ohnehin beeindruckend.

Gelassene Vorstellung

Was außerdem auffällt: Hektik findet auf F95-Seite nicht statt. Alle Akteure in Weiß waren gestern jederzeit gelassen und konzentriert, die leider deutlich gestiegene Fehlerquote der zweiten Halbzeit hatte beinahe mehr mit fehlender Konzentration als Übereifer zu tun. Wobei die Spieler des 1. FC Kaiserslautern vor einem eher lustlosen Heimpublikum nach dem Wiederanpfiff erneut voll auf Offensive setzten. Aber wie in der ersten Spielhälfte ergaben sich klare Gelegenheiten lange nur aus Standardsituationen. Erst der eingewechselte Zoua hätte in der 77. Minute den Düsseldorfer den Garaus machen können. Nach perfekter Ballannahme und Drehung nagelte er den Ball an die Latte; Rensing wäre machtlos gewesen.

Wenn man der Mannschaft von Friedhelm Funkel und Peter Hermann einen Vorwurf machen kann, dann, dass sie sich mit dem Unentschieden zu früh zufriedengegeben hat. So blieb ein leicht missglückter Seitfallzieher von Bebou in der 72. Minute beinahe die letzte entschlossene Angriffsaktion. Wäre da nicht noch der beeindruckende Konter in der 82. Minute gewesen, bei dem sich Ihlas Bebou über das halbe Feld hinweg gegen bis zu vier Lauterer durchsetzte und dann auf Bellinghausen ablegt. Der – wie schon erwähnt – leider mit dem falschen Fuß zuschlug.

Mehr Ehrgeiz!

Nach jedem 0:0 läuft die Floskelmaschine bei Sportreportern, Journalisten, Experten und Fans heiß. Denn es gilt ja zu beschreiben, ob und welche Mannschaft einen Punkt gewonnen hat und welches Team damit zufrieden sein müsse. Gestern kam noch die Debatte hinzu, wem der Punkt weiterhilft. Da stehen an einem dritten Spieltag ungezählte Möglichkeiten parat. So kann sich die Fortuna freuen, noch ungeschlagen zu sein, während bei den Lauterern der sprichwörtliche Knoten nicht geplatzt ist. Leider äußerten sich fast alle Fortunen, die von den Medienvertretern befragt wurden, zufrieden mit dem Unentschieden. Dabei hätte F95 angesichts der klaren Chancen und der wenigen echten Gelegenheiten des 1. FCK eigentlich gewinnen müssen. Das stellt sich die Frage, ob man nicht einfach ein bisschen zu früh zufrieden ist.

Denn da wächst momentan nicht nur eine wunderbare Mannschaft heran, sondern da tritt ein Team an, das ganz offensichtlich jeden Gegner in der zweiten Liga – auch auswärts – schlagen kann. Vielleicht täte da ein wenig mehr Ehrgeiz und höhere Ambitionen ganz gut. So hätte man mit einem Sieg den dritten Tabellenplatz erobern und den VfB Stuttgart, den man ja geschlagen hat, verdrängen können. Manchmal ist weniger eben nicht mehr…

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5 Kommentare

  1. Sehe ich genauso. Das war in der zweiten Hälfte nicht mehr so konsequent. Trotzdem macht die Truppe Spaß und Friedhelm Funkels Interview nach dem Spiel ließ mein Herz höher schlagen. Angesprochen auf seine Demission in München sagte er (sinngemäß): „Wer weiß wozu das gut war, so bin ich jetzt in Düsseldorf und rundum glücklich.“ Ein Super-Typ!

    • Rainer Bartel am

      Egal was kommt: Friedhelm Funkel hat schon jetzt bewiesen, dass seine Verpflichtung ein Glücksfall für die Fortuna war.

  2. „Dabei hätte F95 angesichts der klaren Chancen und der wenigen echten Gelegenheiten des 1. FCK eigentlich gewinnen müssen.“

    Da fragt man sich doch glatt, ob man das gleiche Spiel gesehen hat. 😉

    Vor allem, da vorher geschrieben wurde:
    „Zum x-ten Male bewahrte Torhüter Michael Rensing seine Kollegen vor einem frühen Rückstand. Zweimal wehrte er Großchancen der Lauterer auf kongeniale Weise ab(…)“

    „Erst der eingewechselte Zoua hätte in der 77. Minute den Düsseldorfer den Garaus machen können. Nach perfekter Ballannahme und Drehung nagelte er den Ball an die Latte; Rensing wäre machtlos gewesen.“

    Lautern hatte ebenso sehr gute Chancen auf den Sieg. Daraus jetzt einen Siegzwang der Fortuna zu konstruieren ist leider völlig daneben und zeigt wieder einmal das Dilemma im Umfeld der Fortuna: die völlig verblendete Fan-Sicht durch die rot-weiße Brille nach ein paar positiven Spielen.

    Man kann da nur mahnen den Finger heben und auf das Dom-Volk verweisen, die mit ähnlicher Denke überhaupt keinen guten Erfahrungen gemacht haben.

    Weniger ist bei der Fortuna eben derzeit doch mehr. Bescheidenheit und realistische Ziele, wie sportliche Konstanz und Nachhaltigkeit, sind gefragt… und nicht der Angriff auf Stuttgart, einen Aufstiegsplatz oder sonst was. Au weia.

    • Rainer Bartel am

      Wir wollen ja jetzt keine Statistiken bemühen, aber der 1. FCK hatte im gesamten Spiel überhaupt nur drei Chancen, von denen Rensing zwei abwehrte. Für die Fortuna zählen wir zwei 100%-ige und drei, vier weitere Möglichkeiten. Wenn der Lauterer in der 77. Minute diese Chance verwandelt hätte, wär’s schwer für F95 geworden. Insgesamt aber war die Fortuna – besonders in der Defensive, aber auch im Sturm – besser.

      • Naja doch, wir wollen die Statistiken mal bemühen: bundesliga.de sagt 14 zu 14 Torschüsse, und auch die anderen Daten sind insgesamt ziemlich ausgeglichen (viel mehr Metriken stehen einem für die 2. BuLi leider nicht zur Verfügung).

        Fakt ist: es war ein ausgeglichenes Spiel, aus dem hier in den letzten beiden Artikel-Absätzen ein Muss-Sieg und Vorwurf des Zu-Früh-Zufrieden-Seins konstruiert wird.
        Das stellt sich die Frage, ob man nicht einfach ein bisschen zu früh zu fordernd ist.

        Manchmal ist weniger eben doch mehr…

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