Trainer Friedhelm Funkel hat die Situation erfasst und kurz und klar zusammengefasst. Auf die Frage nach seiner Zeit als Coach der Löwen und die Gründe seines Abgangs sagte er: „Mir war das zu unsicher.“ Tatsächlich war die Leistung der Sechzger heute ein Spiegelbild der katastrophalen Zustände bei diesem großen Traditionsverein. Aber die Fortuna sollte nicht zu überheblich mit dem Zeigefinger fuchteln, denn es ist erst eine Saison her, dass der Deutsche Meister von 1933 ähnlich führungsschwach und planlos agierte. Nur investierte man bei F95 keine 6,6 Millionen in einen Haufen Söldner, der hinten und vorne nicht zusammenpasst. Das geht nur mit einem leicht durchgeknallten Investor, der sportliche Leitungskräfte im Dutzend verschleißt und vor der Saison völlig grundlos vom Aufstieg schwafelt. Nein, man muss keine zentnerschweren Psycho-Begriffe á la „seelenlos“ oder „charakterschwach“ verwenden, um die Leistung des aktuellen Löwen-Teams zu kennzeichnen. Auch der Satz vom Geld, das keine Tore schießt, ist fehl am Platz. Der Mangel an einem tragfähigen, nachhaltigen Konzept scheint der Grund für das schwache Abschneiden des TSV 1860 München in der Saison 2016/17 zu sein.

Und, ja, das 3:0 zur Pause war zwar das Ergebnis einer haushoch überlegenen Fortuna geschuldet – aber diese Überlegenheit war nur angesichts eines desolaten Auftritts der Heimmannschaft möglich. Wie schon in einigen Spielen zuvor gaben die Schützlinge von Funkel und Hermann zu Beginn Gas als gäb’s kein Morgen. Mit perfektem Spiel gegen den Ball, erheblicher Laufbereitschaft und einer Souveränität, die man bei F95 lange nicht gesehen hat, überforderten die Kicker vor Keeper Rensing die Löwen eine gute halbe Stunde lang völlig. Dass es in der zweiten Spielhäfte so nicht weiterging und es am Ende keinen Kantersieg gab, war allein dem wilden und wüsten Anrennen der Sechzger nach dem Wiederanpfiff zu verdanken. Und hätte der an sich gute Schiri Koslowski kurz vor Schluss nicht völlig danebengelegen, hätte es ein perfekter Nachmittag für die Rotweißen werden können.

Falscher Elfer, unberechtige Gelbe

Betrachtet man die Situation, die zum Elfmeter und Gelb-Rot für Kevin Akpoguma führte, aus allen verfügbaren Kameraperspektiven, wird deutlich, dass hier kein absichtliches Foulspiel im Strafraum vorlag. Aber wie schrieb unser Mitarbeiter Nick aka Jurs Trulie vor zwei Wochen: Am Ende hat der Referee immer die Arschkarte. Vielleicht hätte Koslowski auch schärfer gegen das deutlich unfaire Spiel der Löwen ab Minute 60 vorgehen müssen, dass unnötige Aggressionen in die Partie brachte – von „Emotionen“ möchte man bei Spielern wie Mölders und Liendl eher nicht sprechen.

Beginnen wir mit einer provokanten Frage: Hat irgendein Fortuna-Fan eigentlich Alexander Madlung und Oliver Fink vermisst? Die Antwort dürfte meistens ein „Nein“ sein. Und das schmälert die Bedeutung dieser beiden erfahrenen Spieler in keinster Weise. Im Gegenteil: Wie richtig die Politik von Kaderverantwortlichen und Trainern ist, zeigt sich daran, dass auch die Youngster jederzeit für eine stabile Leistung stehen. Allen voran Robin Bormuth (den man nicht „Madlung-Ersatz“ nennen möchte), Marcel Sobottka und Ihlas Bebou. Und trotzdem war die Leistung des inzwischen auch als „Oldie“ zubezeichnenden Axel Bellinghausen der Schlüssel zum frühen Führungstor. Dessen perfekter Flachpass von links fand in Rouwen Hennings den geeigneten Abnehmer, dier in der 6. Minute im Stile eines Knipsers einnetzte.

Die Kraft der Jugend

Wie souverän die Innenverteidigung mit Kevin Akpoguma und Robin Bormuth agierte, lässt sich auch daran ablesen, dass Adam Bodzek wieder eine Art Libero geben konnte, der in der Defensive und im Aufbau überall und nirgends auftauchte und die Verwirrung der Löwen ein ums andere Mal förderte. Dass Lukas Schmitz und der wieder startende Julian Schauerte eher blass blieben, hatte keine negativen Auswirkungen auf die Offensive. Denn mit Kaan Ayhan und dem bereits erwähnten Marcel Sobottka setzten zwei tolle Fußballspieler die entscheidenden Akzente im Mittelfeld. Dass neben den genannten jungen Spielern mit Jerome Kiesewetter (kam in der 74.), Maecky Ngombo (ab der 88.), Justin Kinjo (eingewechselt in der Nachspielzeit), Arianit Ferati, Özcan Yilidirm und Kemal Rüzgar sage-und-schreibe weitere sechs U23-Kicker saßen, zeigt klar, wo es bei der Fortuna langgeht.

Da kann einem der fleißige und sympathische Ersatztorwart Lars Unnerstall beinahe schon leid tun. Wie ist es möglich, dass Michael Rensing inzwischen in jeder Partie mindestens eine Weltklasseparade bringt? Der Mann hat den Leistungszenit seiner Karriere ganz offensichtlich noch nicht erreicht. Gut dass er schon ein bisschen älter ist denn bei den anderen Talenten der Jahrgänge 1993 und jünger wird sich schon bald die Frage stellen, wie lange man sie wird halten können. Das gilt auch für Ihlas Bebou, der heute bis auf den verwandelten Elfer eher unauffällig agierte – jedenfalls im Vergleich zu manch anderem Spiel in dieser Saison.

Richtung Zukunft und Blick zurück

Niemand lehnt sich zu weit aus dem Fenster, der bereits jetzt nach dem 9. Spieltag prophezeit, dass F95 in der Spielzeit 16/17 nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird. Ob nach oben mehr geht, wird sich vermutlich bis zur Winterpause zeigen. Unter anderem nach den beiden Auswärtsspielen gegen Union und Pauli. Wobei sich mittlerweile viele, viele Fortuna-Fans ganz besonders auf das Gastspiel von Dynamo Dresden in der Arena freuen. Denn da wird auch Andreas Lambertz wieder Düsseldorfer Rasen betreten. Nach seinem Tor beim Kantersieg der Dresdner gegen Stuttgart ist nämlich bei vielen Anhängern der „launischen Diva“ die Liebe zum ewigen Lumpi entflammt.

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