5 Fragen an: Berit Zalbertus über Düsseldorfer Schulpolitik

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Aufgefallen ist uns Berit Zalbertus vor ein paar Monaten mit ihrem Vorschlag, das kommende Gymnasium an der Schmiedestraße zu einem „iPad-Gymnasium“ zu machen. Damals war sie noch Vorsitzender der Elternschaft Düsseldorfer Schulen (EDS). Vor Kurzem überraschte sie mit der Meldung, sich um die CDU-Kandidatur für den Landtagswahlkreis Mitte-West zu bewerben. Um die Überparteilichkeit der EDS nicht zu gefährden bzw. deren Mitglieder zu irritieren, hat sie nach eigener Aussage dieses Amt schweren Herzens niedergelegt. Bis dahin war sie besonders als Aktivistin gegen den grassierenden Unterrichtsausfall aufgrund von Lehrermangel aufgefallen. Berit Zalbertus ist mit Andre Zalbertus, dem bekannten Düsseldorfer Medienmacher verheiratet, Mutter einer 12-jährigen Tochter und als Unternehmerin in Düsseldorf tätig. Düsseldorf ist ihr Geburtsort und wie Sie sagt ihr „Zuhause“. Kein Wunder, hat sie doch das Abitur in der Altstadt bei den Ursulinen abgelegt. Als Zentraleinkäuferin für den Otto-Versand und später für QVC hat Berit Zalbertus viele Länder bereist und dabei mit Menschen unterschiedlichster Kulturen gearbeitet. Wir haben ihr 5 Fragen zur Düsseldorfer Schulpolitik per Mail gestellt, und sie hat aus New York, wo sie sich bis Juli aus beruflichen Gründen aufhält, geantwortet:

[1] Was kann man sich unter einem „iPad-Gymnasium“ vorstellen?
Unter einem iPad-Gymnasium verstehe ich ein Gymnasium, das komplett mit Tablet-Computern ausgestattet ist und in dem in allen Fächern mit dem iPad gearbeitet wird. Dies setzt voraus, dass die Schule über High-Speed-Internet verfügt, aber auch dass die Lehrer entsprechend ausgebildet sind. Bei der neusten Generation iPad kann man auch mit einem Stift auf der Oberfläche schreiben und skizzieren bzw. malen. Somit läßt es sich für alle Fächer einsetzen, und das Schreiben mit der Hand wird nicht verdrängt.

[2] Brauchen wir ganz allgemein mehr Digitalisierung in den Schulen?
Die Schulen befinden sich in Sachen Digitalisierung in der Steinzeit. Das hat mitllerweile sogar die Kanzlerin erkannt. Die Kinder sind zwar einerseits in der Lage, ihre Smartphones problemlos zu meistern, aber ein Großteil der 12- bis 14-jährigen scheitert bei der Eingabe einer richtigen URL. Wir brauchen eine bundesweite Offensive, in der sichergestellt wird, dass alle Kinder zur gleichen Zeit die gleichen Fähigkeiten im Umgang mit den neuen Medien erlangen. Hierzu sind einheitliche Standards erforderlich. Es ist ein Unding, dass es schul– bzw. lehrerabhängig ist, wann und ob ein Kind von der Digitalisierung profitiert oder nicht.

[3] Wer soll das bezahlen?
Die Kosten müssen Bund und Länder tragen; den Kommunen können diese Aufwendungen nicht zusätzlich aufgebürdet werden. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Eltern in dem Maße beteiligt werden, in dem sie sonst für Lehrmaterialien wie grafikfähige Taschenrechner etc. aufkommen müssten. Aber generell sehe ich hier die Verantwortung bei Bund und Ländern.

[4] Hat das Gymnasium an der Schmiedestraße überhaupt eine Chance?
Ganz klar JA! Wenn ein klares Konzept vorliegt und Eltern wissen, welche Lehrer ihre Kinder in Zukunft unterrichten, wenn sie wissen wer der/die Direktor/in ist, wenn sie Schulräume besichtigen können etc. dann hat dieses Gymnasium ganz klar eine Chance. Bei den weiterführenden Schulen ist das Konzept der Schule ein wichtiger, wenn nicht so gar der entscheidende Punkt für die Schulwahl. Wer heute ab der 5. Klasse Lateinunterricht für sein Kind möchte, scheut keine weiten Wege zum Görres-Gymnasium; auch die Gymnasien mit Sportschwerpunkten haben großen Zulauf oder Schulen die bi-lingual aufgestellt sind. Ein iPad-Gymnasium fehlt in einer Stadt wie Düsseldorf, und ich bin sicher, dass es mit einem schlüssigen Konzept erfolgreich wird.

[5] Was läuft schief in der Düsseldorfer Schulpolitik?
In der Düsseldorfer Schulpolitik hat sich viel bewegt, die großen Probleme sehe ich mittlerweile eher in einer fehlgeleiteten Politik von Rot-Grün auf Landesebene. Man kann z.B. nicht auf der einen Seite Förderschulen schließen, um die Inklusion durchzudrücken, und auf der anderen Seite keine Mittel (Geld und Personal) zur Verfügung stellen bzw. Kommunen damit alleine lassen. Die Inklusion kann gelingen, wenn genug Geld dafür zur Verfügung gestellt wird. Mir drängt sich aber eher der Verdacht auf, dass damit Geld gespart werden soll. Ein weiteres Thema ist der Unterrichtsausfall. Hier gehen die von den Eltern erfassten Daten und die vom Ministerium kommunizierten Angaben weit auseinander. Dies ist im Übrigen ein bundesweites Problem.

The Düsseldorfer dankt Berit Zalbertus für dieses Interview!

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