Schon mehr als zehn Jahre gibt es die Kinderhelfer, einen Verein mit Sitz in Düsseldorf-Kaiserswerth, der stadtweit aktiv ist. Die Idee zur Gründung hatte Christoph Kazmierczak, 51-jähriger Diplom-Kaufmann. Und der Verein ist rasant gewachsen, hat inzwischen elf ehrenamtliche Mitstreiter*innen, zwei Schirmherren, die Schauspielerin Sarah Alles und den Schriftsteller Oliver Uschmann, und auch Fördermitglieder. Was der Verein macht, erklärt sich von selbst: Kindern helfen. Dafür sorgen, dass benachteiligte Kinder vor Ort an den Kindertafeln warme Mahlzeiten und ein Schulbrot bekommen. Und da auch Menschen finden, die Zeit für sie haben, sich mit ihnen beschäftigen, ihnen zuhören. Das ist schon jede Menge. [Lesezeit ca. 4 min]

Wir sprachen mit Claudia Smeets (52), die seit einigen Jahren stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins Kinderhilfe ist. Die zweifache Mutter war so begeistert von der Idee, sich hier zu engagieren, dass sie gern mit im Boot ist. Und dass sie Marketing- und Eventmanagerin ist, hat klare Vorteile. Zum Beispiel, wenn sie die Werbetrommel für den guten Zweck rührt. Denn ohne Einnahmen kann der Verein nicht so viel ausrichten, wie er sich das wünscht.

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Frage: Was genau macht der Verein Kinderhelfer?
Antwort: Der Verein verfolgt satzungsgemäß den Zweck der Förderung der Kinder- und Jugendfürsorge sowie die Unterstützung notleidender Kinder und Jugendlicher. Wir unterstützen in Armut lebende Kinder und Jugendliche in NRW. Ziel ist es, die Lebensperspektiven von bedürftigen Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern, um ihnen zu einer besseren Kindheit und Zukunft zu verhelfen. Mit Geld- und Sachspenden unterstützen wir Kinder-Hilfsprojekte, wie die Kindertafel sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen in NRW. Wir möchten sehen, dass unsere Hilfe bei den Kindern ankommt. Deshalb helfen wir vor der eigenen Türe in NRW.
Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Kinder Schulbrote und ein warmes Mittagessen bekommen, Hilfe bei ihren Hausaufgaben erhalten, zusammen spielen können, einen Ort haben, wo sie willkommen sind und eine liebevolle Betreuung erfahren. Des Weiteren helfen wir dabei, die Lebensperspektiven von bedürftigen Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern und sie aus ihrer Isolation heraus zu holen. Wir möchten ihnen Perspektiven und Möglichkeiten an die Hand geben, einen guten Schulabschluss zu erreichen und im Anschluss einen Beruf zu erlernen.

F: Gibt es auch Kinderarmut in reichen Stadtteilen wie dem Düsseldorfer Norden?
A: Laut dem Armutsbericht der Landeshauptstadt Düsseldorf, lebt in Düsseldorf jedes fünfte Kind in Armut. Auch im Düsseldorfer Norden leben Kinder in Armut. Nicht so viele, wie in anderen Stadtteilen, doch auch hier gibt es Kinderarmut. Die Armut sieht man den Kindern meistens nicht an, weil sich diese Kinder bemühen, ihre Lebensumstände zu verbergen. Denn gerade in Armut lebende Kinder werden oft von anderen Kindern gemobbt.

F: Zu Corona-Zeiten verschärfen sich viele soziale Probleme. Gerade für Kinder, die ohnehin schon benachteiligt sind, ist der zweite Lockdown eine Krisensituation.
Welche Erfahrungen sammeln Sie derzeit?

A: Krisensituation für sozial benachteiligte Kinder trifft es sehr gut. Denn nicht selten sind Kinder in armen Familien auch körperlicher und seelischer Gewalt ausgesetzt. Durch die häusliche Enge und die kaum noch vorhandenen Möglichkeiten etwas zu unternehmen, steigt auch in diesen Familien die Gewalt gegen die eigenen Kinder. Selbstverständlich gilt dies nicht für alle Familien und arm heißt nicht automatisch, dass den Kindern körperliche und seelische Gewalt angetan wird.
So wie Schulen und Kitas im Lockdown geschlossen bleiben müssen, gilt dies auch für die Kindertafeln. Die Betreiber der Kindertafeln legen jedoch nicht ihre Hände in den Schoß, sondern bemühen sich weiterhin um das Wohl ihrer Schützlinge. So wird den Kindern z.B. Essen nach Hause gebracht oder etwas, womit sie sich beschäftigen können. Dies hat vor allem auch den Zweck, den Kontakt zu den Kindern weiter aufrecht zu erhalten und um zu sehen, wie es den Kindern geht.
Kinder, welche in Armut aufwachsen, fehlt es an allem. So auch gerade jetzt, an der Möglichkeit adäquat am Homeschooling teilzunehmen. Die Probleme beginnen bei einem eigenen PC und reichen über eine schnelle Internetverbindung bis hin zu einem Ort in der Wohnung, von wo aus sie in Ruhe am Unterricht teilnehmen können. Nicht für jedes Kind steht ein PC zur Verfügung und in Familien mit mehreren Kindern teilen sich oft zwei oder drei Kinder ein Zimmer sowie einen PC. In solch einer Umgebung vernünftig dem Unterricht folgen und lernen zu können – sofern die Internetverbindung es ermöglicht – ist kaum möglich.
Darüber hinaus fehlt diesen Kindern in den eigenen Familien gerade jetzt im Homeschooling der Antrieb, etwas für die Schule und ihre Zukunft zu tun. Sie orientieren sich an ihren Eltern, die ohne Arbeit oft selbst antriebslos sind. Die Kindertafeln versuchen dies durch Nachhilfe per Computer aufzufangen und abzumildern, doch dies ist leider sehr schwierig und eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

F: In den Zeiten der Pandemie fallen sämtliche Kulturveranstaltungen, bei denen Sie für Kinderhelfer werben konnten, weg. Wie kompensieren Sie diesen Ausfall?
A: Die fehlenden Kulturveranstaltungen, bei denen wir für unsere Arbeit werben konnten, bekommen wir leider nicht kompensiert. Auch merken wir, dass Unternehmen und Privatpersonen, von deren Seite wir immer viel Unterstützung erhalten haben, ihre Unterstützung derzeit einschränken (müssen). Dies verstehen wir natürlich, denn die Krise betrifft uns schließlich alle. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass es sehr treue Unterstützer gibt, welche uns auch jetzt weiterhin unterstützen. Darüber hinaus sprechen wir weiterhin Unternehmen an, stellen uns und unsere Arbeit vor und hoffen auf deren Unterstützung.
Viele Menschen möchten sehr gerne etwas Gutes tun und dies nicht nur in der Ferne, wo sie nicht wissen, ob und wie viel von ihrer Spende tatsächlich ankommt. Ihnen ist es wichtig und ein Bedürfnis auch gerade vor der eigenen Türe Gutes zu tun. Diese Möglichkeit bieten wir ihnen, indem wir einen engen Kontakt zu den Kindertafeln halten und ganz genau beobachten, was mit den Spenden passiert und ob diese auch bei den Kindern ankommen. Bereits mit nur einem Euro spendet man einem Kind in der Kindertafel eine warme Mahlzeit.

F: Sie spenden auch an Tafeln. Wie viele davon gibt es in Düsseldorf und wo genau?
A: Wir spenden nicht an DIE Tafeln, sondern an Kindertafeln. Das ist ein großer und wesentlicher Unterschied. Denn hier kommen nur Kinder und keine Erwachsenen hin. Darüber hinaus bekommen die Kinder in den Kindertafeln nicht nur etwas zu essen, sondern haben hier einen Ort, wo sie spielen, lernen, eine warmherzige Betreuung erfahren und einfach Kind sein können.
In Düsseldorf gibt es zwei Kindertafeln und in fast jeder größeren Stadt in NRW mindestens eine.
Über Spenden freuen wir uns sehr.

www.kinderhelfer-nrw.de
Stadtsparkasse Düsseldorf
BIC: DUSSDEDD
IBAN: DE15 3005 0110 1006 7280 24

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