7 Dinge, die uns an Köln und den Kölner stören

2

Menschen, die außerhalb eines Dunstkreises von rund 100 Kilometern rund um die Rheinmetropolen Düsseldorf und Köln leben, denken ja, es gäbe so etwas wie eine Erzrivalität zwischen diesen Städten. Weit gefehlt! Während nämlich der gemeine Kölner bloß neidisch auf das schöne, weltoffene, kreative und wohlhabende Düsseldorf ist, haben wir sehr gute Gründe dafür, Köln und die Kölner nicht besonders zu mögen. Hier die sieben wichtigsten Dinge, die uns stören:

1. Die Selbstbesoffenheit der Eingeborenen

Berühmt dank TV: Die Millowitschs (Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Berühmt dank TV: Die Millowitschs (Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Wir wissen inzwischen: Das Fernsehen ist schuld. Denn nachdem durch eine Konzessionsentscheidung der Westdeutsche Rundfunk in Köln angesiedelt wurde und der kölsche Klüngel dafür gesorgt hat, dass im Fernsehen dauernd irgendwas aus Köln läuft, denkt der Kölner, er und seine Stadt wären a) weltberühmt und b) sowas von toll. Das fing schon mit dem eher muffigen Rosenmontagszug in den frühen 50ern an, setzte sich über das unwitzige Millowitsch-Schmierentheater fort und gipfelte schließlich darin, dass eine der hässlichsten Städte der Republik fortwährend Schauplatz für schlechte Fernsehfilme und Krimis wurde. Weil der durchschnittliche Eingeborene über einen IQ knapp über dem Fassungsvermögen eines Kölsch-Glases verfügt, sagt er sich: Muss ja was dran sein an ming Kölle, sonst täten die dat ja nich im Fernsehn zeigen.

Und weil der 08/15-Kölner sich und sing Familich und auch die Nachbarn und den Äff-Zeh und BAP und Brings und dä Dom für das jeweils weltweit führende in der jeweiligen Liga hält, vergießt er gern mal Tränen der Rührung über sing kölsch Jeföhl. Von dem keiner genau sagen kann, was es ist. Das Verrückte ist: Lernst du mal so richtige echte Kölner kennen, also Minsche, deren Familich schon seit Urzeiten ne Gruft auf dem Melaten-Friedhof hat und noch vor 1933 wahlweise Prinz, Bauer oder Jungfrau gestellt hat, hört sich das alles viel harmloser an. Dann kriegt man es mit Leuten tun, die eben ihre Heimat lieben, aber nicht auf die Idee kämen, sich und ihre Stadt für was Besseres zu halten. So richtig selbstbesoffen sind nämlich vor allem die Imis, also die Personen, die mit dem Fernsehn seinerzeit nach Köln gekommen sind.

2. Die fehlende Selbstironie

Der humorlose Zwirbel des Grauens (Foto: Elke Wetzig unter der CC-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“ via Wikimedia)

Der humorlose Zwirbel des Grauens (Foto: Elke Wetzig unter der CC-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“ via Wikimedia)

Nehmen wir mal diesen unangenehmen Typen mit dem Zwirbelbart, der eigentlich bloß Sänger einer eher nicht so guten Band ist, die sich nicht entscheiden kann, ob sie dumpfe Karnevalsschlager, sentimentale Heimathymnen oder irisch-folkloristische Mitgröl-Songs absondern wollen. Der darf ja seit einigen Jahren seine verschwiemelte Physiognomie nicht mehr nur an Fastelovend in die Kameras halten, sondern hat vom kölschen Medienklüngel den Status eines Promi zugeteilt bekommen. Was bedeutet: Er wird zu allem und jedem, vor allem zu allem und jedem, was auch nur am entferntesten Rand mit Köln zu tun hat, befragt. Dann versucht der Schnauzbart des Grauens immer lustig zu gucken und witzig zu antworten. Klappt nie.

Weil er – wie das Gros der Insassen dieses Müllhaufens – frei von jeder Form von Selbstironie ist. Der meint das alles so. Der kann nicht anders. Und wenn es um ein ernstes Thema geht, dann hat er immer kleine Tränchen in den faltigen Augenwinkel, weil et doch all besser wär, wenn sisch alle en besske lieb hätten. Das ist so ungefähr das Niveau…

3. Humorlosigkeit der angeblichen Jecken

Elferrat - wir hier oben, ihr da unten (Bild: Screenshot ARD / Youtube)

Elferrat – wir hier oben, ihr da unten (Bild: Screenshot ARD / Youtube)

Ein großer Mann hat mal gesagt: Es gibt mehr Sorten Humor auf der Welt als Sprachen. Und vergaß zu sagen, dass es außerdem Ethnien gibt, die Humor nicht kennen. Um eine solche Spezies handelt es sich beim handelsüblichen kölschen Karnevalisten. Wer je die TV-Übertragung einer Sitzung dieser Terrorgruppe wach, halbwegs nüchtern und bei funktionierendem Verstand überlebt hat, weiß das. Das ist alles nicht lustig. Im besten Fall ist es spießig, im schlechtesten Fall piefig oder gar irgendwo rechts draußen. Die Spitze der Komik erreichen sogenannten Büttenredner, wenn sie bei Fips Asmussen geklaute Witze in kölscher Mundart vortragen und dazu komische Mützen tragen.

Noch heute sind Sprüche der Brüller, bei denen es darum geht, dass ein Ehemann unter dem Pantoffel seiner Gattin steht. Schwer lustig. Oder man macht das, was man für politische Witze hält. Dabei geht es immer darum, dass „die da oben“ dauernd Sachen machen, unter denen „der kleine Mann“ zu leiden hat. Dabei sitzen ja im erhöhten Elferrat genau die da oben, und bei Fernsehsitzungen unten auch. Kein Wunder, dass die wenigen Büttenredner, die wirklich Humor haben und den rüberzubringen verstehen, den offezjellen Fastelovend nach wenigen Jahren verlassen, um die Menschen woanders mit ihren Witzen zu erfreuen.

4. Der durchdringende Klüngel, der niemanden stört

Einstürzende Archivbauten (©Stadt Köln, Foto: www.aerophoto.de)

Einstürzende Archivbauten (©Stadt Köln, Foto: www.aerophoto.de)

Seien wir ehrlich: Seilschaften nach dem Eine-Hand-wäscht-die-andere-Prinzip, Männerbünde, Preisabsprachen und Zuschustereien gibt es in anderen Großstädten auch – auf die eine oder andere Art. In Köln ist der Klüngel aber DAS Wirtschaftsprinzip – und keiner hat was dagegen. Damit auch Tünnes Normalkölsch nix dagegen hat, wird ihm von Geburt an die kölsche Philosophie eingebläut: Et is wie et is, et kütt wie er kütt, un et hat immer noch jotjejange. Man nennt es Fatalismus. Es mag an dem alles übersoßenden Katholizismus im Domdorf liegen, dass sich der kleine Kölner nie wehrt. Oder warum hat in Köln nie auch nur der Ansatz von Aufstand, Aufruhr oder Revolution gegeben.

Dieses kölsch Jeföhl à la „Machste nix“ kommt den Akteuren des Klüngels natürlich zupass, weshalb sie schalten und walten, schmieren und dealen bis die Schwarte kracht und Stadtarchive in unfertigen U-Bahnschächten versinken. Übrigens: Im Gegensatz zu anderen Klüngelmetropolen durchzieht die kölsche Variante alle politischen und religiösen Konfessionen und sogar Ethnien.

5. Die völlig verkorkste Stadtplanung

Schönes Fahren unterm Bahnhof (Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Schönes Fahren unterm Bahnhof (Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Dass Köln im zweiten Weltkrieg flächendeckend zerbombt wurde, dafür können die Kölner nun wirklich nichts. Während man sich aber in anderen schwer zerstörten Städte Gedanken darüber gemacht hat, wie man den Ort beim Wiederaufbau schön und menschenfreundlich gestalten kann, haben es die Kölner flächendeckend verbockt. Irgendwelche Klüngel-Heinis haben nach Lust und Laune Straßenzüge entfernt und durch Rennbahnen ersetzt, willkürlich hässlichste Wohnblocks und noch hässlichere Bürokomplexe hinkotzen lassen und vor allem das Gelände rund um den Dom auf die schlimmstmögliche Weise verunstalten lassen.

Und als ob das, was da in den 50ern und 60ern angerichtet wurde, nicht schon übelst genug gewesen wäre, haben die Stadtmütter und -väter bis auf den heutigen Tag jeden Ansatz von Stadtplanung systematisch verkorkst. Dass man eine U-Bahn-Linie planen und dann halbwegs termingerecht eröffnen kann, hätten sich die Dummbaumeister beispielsweise in Düsseldorf abgucken können. Dass eine Rheinpromenade nicht einfach bloß groß sein muss, sondern schön, ebenfalls. Bei Licht betrachtet haben die Kölner Stadtplaner dem Bild des ehemaligen Römerlagers mehr geschadet als die alliierten Bomber.

6. Die vielen hässlichen Gebäude

Der Musical-Dome aus blauen Mülltüten gebaut (Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Der Musical-Dome aus blauen Mülltüten gebaut (Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Wenn es sich nicht vermeiden lässt, mit dem Zug über Köln zu reisen, überquert man (meistens) diese immer schon falsch dimensionierte Brücke. Kurz bevor man in den – zugegeben – eindrucksvollen Bahnhof einläuft, sieht man zur Rechten eines der absurdesten Bauwerke jüngerer Geschichte. Sieht aus wie ein misslungener Luftschiffhangar aus blauen Müllsäcken, ist aber ein Musical-Theater. Und so geht das dann weiter. Diesen Dom, an dem der Klüngel mehrere Jahrhunderte werkelte, bevor man ihn nutzen konnte, kann man mögen oder nicht. Die sogenannte Domplatte aber ist von geradezu bizarrer Hässlichkeit. Auf die Kölnarena bilden sich die Kölner werweißwas ein, dabei hat dieser Klumpatsch, den sie mitten ins Herz des ehemals hübschen Deutz geklotzt haben, eine Konsistenz wie Hundedurchfall.

Beindruckende Hochhäuser? Fehlanzeige – jedes einzelne Gebäude mit mehr als zehn Stockwerken zählt zu den misslungensten seiner Gattung. Und diese Kranhäuser ab Rheinauhafen sind nicht hübsch, sondern großspurig. Schon mal die Philharmonie von außen betrachtet? Jedes Parkhaus in Paderborn hat mehr Charme. Irgendwelche gut erhaltenen und sinnvoll restaurierten Häuser sucht man sogar in der Altstadt vergebens. Und jenseits der Ringe erstrecken sich unendliche Weiten ödester Nachkriegsarchitektur, von denen man meinen möchte, man habe sie nach der Wende aus der Ex-DDR importiert.

7. Der Neid auf Düsseldorf

Der kölsche Klüngelkaiser Konrad Adenauer (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-107546 / CC-BY-SA 3.0)

Der kölsche Klüngelkaiser Konrad Adenauer (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-107546 / CC-BY-SA 3.0)

Die schlimmste aller unangenehmen Eigenschaften der Kölner ist aber ihr quietschgelber, penetranter Neid auf Düsseldorf und die Menschen, die dort leben dürfen. Kann man natürlich verstehen. Wer möchte nicht lieber in einem hübschen, weltoffenen Städtchen voller Kultur und bestückt mit ästhetisch wertvoller Architektur wohnen als in einem durch Zwangseingemeindungen aufgeblähten Dumpfmoloch voller Hässlichkeit und randvoll mit bornierten Ureinwohnern und Zuwanderer, die es ihnen freudig nachtun?

Übrigens: Dieser Neid, den der frühere Oberbürgermeister Konrad Adenauer mit freundlicher Unterstützung des Kölner Stadtanzeigers angerichtet hat, nachdem klar war, dass die Briten 1947 Düsseldorf zur Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen machen würden, ist historisch betrachtet der Ausgangspunkt für die angebliche Rivalität zwischen den Städten. Der nämliche Adenauer, ein kölscher Klüngelkaiser wie im Buche steht, ein ästhetisch verwirrter Geist, der den Dom mal als die schönste Kirche der Erde bezeichnet hat, war es ja auch, der dieses Köln um jeden Preis zur Hauptstadt der Bundesrepublik machen wollte. Viel mehr Selbstüberschätzung ist kaum vorstellbar – typisch kölsch, übrigens.

Das Wichtigste zum Schluss

Natürlich ist dieser Text Satire, und um dem Ganzen die Schärfe zu nehmen, bekennt der Verfasser, dass er Köln eigentlich ganz spannend findet, sich nicht ungern in Köln aufhält, zwei Jahre lang in Köln gearbeitet hat, das Museum Ludwig liebt, die Bläck Fööss verehrt, gern mal ein Kölsch trinkt und in ein echtes kölsches Mädschen ziemlich verliebt war. Aber trotzdem froh und glücklich ist, sein ganzes Leben in Düsseldorf verbracht zu haben.

[Titelfoto: Ausschnitt aus „Besuch Kölner Dreigestirn im Historischen Archiv der Stadt Köln“ sowie die und Fotos 1, 5, 6 und 7: © Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)]

Download PDF

2 Kommentare

  1. liesschen müller am

    Lange nicht mehr so einen Driss gelesen.

    Man kann an Köln sicher so manches kritisieren. Aber wissen Sie, wenn man als Düsseldorfer in der Schule den Vorschlag bekam, aus dem Fenster zu springen, dann bleibt diese Erinnerung ein ganzes Leben im Kopf haften . Ich habe noch nie in meinem Leben am Rhein ein Lagerfeuer gemacht. Und mittlerweile will ich auch nicht mehr. Bei meinem ersten Telefondate über ein Onlineportal wurde ich in Düsseldorf einfach nur beschimpft und angepöbelt. In Düsseldorf wurde ich kein einziges mal im Leben zu einer gewöhnlichen Studentenparty eingeladen.

    In Köln dagegen hatte ich Kontakt mit einem Studentenpärchen, das aus Benrath weggezogen, die mit Gerhard Richter befreundet waren, und habe bei ihnen einen jungen Mann kennengelernt, der später den tragischen Wahlstand der Oberbürgermeisterin Recker organisierte. Ich war sogar einmal zu Gast gewesen bei Professor Alfons Silbermann in der Kölner Südstadt.

    In Düsseldorf habe ich noch in Erinnerung, wie ich mit einer neuen Bekanntschaft das Lesben- und Schwulenzentrum an der Kronenstraße getrennt mit ein paar Minuten Abstand verlassen musste, weil das Tete a Tete verheimlicht werden musste. In dem Scheissladen hatten spießige Lehrer, Rechtsanwälte und Gewerkschaftssekretäre das Sagen und man durfte soviel mitgestalten wie heutzutage in Nordkorea. Als der Eurovison Song Contest in der Tonhalle ein Vorspiel gab, schauten die vorgenannten Frührentner in spe vom LUSZD bitterböse zu mir rüber, während ESC-Buchautor Jan Feddersen mich noch vom TAZ-Kongress kannte und freundlich lächelte.

    Sicher gibt es auch manches positives über Düsseldorf zu sagen, aber anscheinend ist Ihre Welt eine andere als meine.

    Als Reisetipp geben ich Ihnen das Festival Passagen in Ehrenfeld, den Blücherpark und die Rosenhofsiedlung.

Antworten