Am 17. September 2020 feierte die jüdische Gemeinde Düsseldorf im Großen Sitzungssal des Oberlandesgerichts das 75. Jubiläum des ersten jüdischen Neujahrsfestes in dieser Stadt nach der Shoah. pandemie-bedingt nahmen weniger Menschen an der Veranstaltung teil als im Spätsommer 1945, als sich knapp 60 Überlebende in diesem aus heutiger Sicht schönen Raum wieder zusammenfanden. Rund 30 Würdenträger aus konfessionellen und politischen Kreisen der Stadt, darunter auch Oberbürgermeister Thomas Geisel und der Oberrabiner Raphael Evers, gaben sich die Ehre. Trotz in jüngster Zeit immer wieder aufflammender fremdenfeindlicher und antisemitischer Umtriebe sehen die Mitglieder der jüdischen Gemeinde auch in ihrem neuen 5781. Jahr eine Zukunft in dieser Stadt. Darauf können aufrechte, kluge Düsseldorfer stolz sein.

[Auf dem Titelbild sind zu sehen (von links nach rechts): Oded Horowitz, Augenarzt und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde; Thomas Geisel, OB; Ruth Rubinstein, Ehrenvorsitzende der jüdischen Gemeinde; Werner Richter, Präsident des OLG; Michael Rubinstein, Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde]

Eine sehr alte Kultur schwebt über der Stadt, viel älter als die unsere. Sie hat all die Jahrhunderte überdauert und auch die jüngere, grausame Zeit. Und sie ist in vielen kleinen und großen Dingen sichtbar für die, die sie sehen wollen. Die von ihr beseelt sind, haben einen wehmütigen, besänftigenden, zornigen und dennoch gelassenen Blick; ihre Augen erzählen, ihre Stimme klingt, ihr Wesen singt von schönen und schrecklichen Reisen. Eine schwer greifbare Tiefe liegt in dieser Kultur, ein an tausenden Kleinigkeiten und vergessenen Großartigkeiten reiches Geheimnis. Und das ist bei jeder Begegnung mit ihr leibhaftig zu spüren.

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Pathos ist angebracht angesichts dieses 75. Jubiläums, das nach kurzer Zeitspanne klingt, aber eine lange Tradition in sich trägt, die beinahe brutal zerstört wurde. Pathos und Empathie für eine jüdische Gemeinde in Düsseldorf, die mit rund 7.000 Mitgliedern heute die drittgrößte in Deutschland ist. Se betreibt die größte Kindertagesstätte der Stadt, ein Elternheim im Nelly-Sachs-Haus, die dreizügige Yitzhak-Rabin-Grundschule am Paul-Spiegel-Platz, und mit dem Albert-Einstein-Gymnasium das erste jüdische Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Neben der am 7. September 1958 eingeweihten Synagoge am Spiegel-Platz wird derzeit in Neuss bis zum kommenden Frühjahr das erweiterte Alexander-Bederov-Gemeindezentrum gebaut. Dort wird dann auch die erste Neusser Synagoge nach der Shoah stehen.

Jüdische Gemeinde Düsseldorf: Wir sind gekommen, um zu bleiben

Angereichert wurde der Festakt im Oberlandesgericht durch mehrere kleine, aber umso freundlichere Gesten. So überreichte unser OB einen Blumenstrauß an Ruthi Rubinstein, die Ehrenvorsitzende der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt auf der Mühlenstraße, präsentierte einen frisch produzierten Film über 75 Jahre jüdisches Gemeindeleben (siehe unten). Und der Rabbiner Aaron Malinsky aus Antwerpen sang drei klassische Festlieder zum Neujahrsfest Rosch ha-Schana, am Schluß abgerundet durch den Klang des Schofar. Am Erscheinungstag dieses Beitrages, dem Beginn des Neujahrsfestes, wünschen wir allen jüdischen Mitbürgern mit dem Bild eines in Honig getauchten Apfels ein mildes, heilsames und süßes neues Jahr!

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