Ajax, Eintracht, Fortuna – Das Jahr, in dem der Fußball zurückschlug

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Ja, es herrscht Krieg in der Fußballwelt. Auf der einen Seite stehen die finanziell bestens ausgestatteten Armeen des Soccer-Entertainment-Business‘, auf der anderen die Vertreter des Fußballsports und der Fußballkultur. Für die einen geht’s ums Geschäft, für die anderen um den Sport. Die Fronten verlaufen quer durch alle Strukturen, ja, quer durch die Vereine bzw. Organisationen, die ein Soccer-Franchise betreiben. Das Ganze wird jederzeit sichtbar in der medialen Berichterstattung. Während die einen angesichts irgendwelcher Taschenspielertricks unreifer Millionarios mit der Zunge schnalzen und behaupten, dass sei es, was die „Fans“ sich wünschen, wollen die anderen das Mannschaftsspiel sehen, bei dem jeder Kicker jederzeit für seine Kollegen eintritt. Seltener wurde die Konfrontation deutlicher als in der noch laufenden Saison 2018/19 – und zwar in verschiedenen Ligen und Wettbewerben.

Es bleibt einem Kommentator kaum mehr übrig, als sich aus der Floskelkiste zu bedienen, um das zu beschreiben, was drei prägende Teams dieses Jahr geleistet haben. Begriffe wie Wille, Leidenschaft, Mentalität, Teamgeist, ja, sogar Kameradschaft fallen einem ein, will man die Eigenschaften von Ajax Amsterdam, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf angemessen beschreiben. Und als ob diese Mannschaften, die nach dem Motto angetreten sind „Wir haben keine Chance, aber wir werden sie nutzen“ (noch so ein Satz aus der Phrasendreschmaschine…) nicht schon genug bewiesen haben, worum es im Fußball geht, kommen auch noch die Fußballfirmen aus Liverpool und Tottenham daher und kämpfen bis zum Schluss.

Das macht Hoffnung. Hoffnung auf einen Fußball jenseits von Marktwerten und Starkult. Kann natürlich sein, dass es sich bei dieser Art Fußball zu arbeiten und zu kämpfen nur um ein weiteres Element handelt, das Spiel, das wir so lieben, noch besser zu vermarkten. Viel wahrscheinlicher aber ist, dass die unglaublichen Mannschaftsleistungen von Ajax, Eintracht und Fortuna die Spaltung des Fußballs weiter vorantreiben. Besonders angesichts der Pläne der UEFA, die internationalen Wettbewerbe in eine Art Ligabetrieb zu überführen. Denn das würde endgültig dazu führen, dass es ein Soccer-Entertainment-Business für die Sofakartoffeln an den Bezahl-TV-Röhren gibt und einen Fußball im Stadion – also so richtig auf Rasen vor echten, lebenden Zuschauern.

Wer sich für den Kick von Truppen wie PSG und Manchester City, aber auch Liverpool und Barcelona oder Bayern und Leipzig begeistern kann, darf dann weiter über die Gerüchte obskurer oder von Beratern im Eigeninteresse gelenkter Transfer-Plattformen abarbeiten und meinen, die einschlägigen Football-Simulationen auf Computern hätten irgendetwas mit dem real existierenden Fußball zu tun. Wir anderen werden aber weiter Mannschaften huldigen, deren Spieler die Freude am Fußball und die Bereitschaft spielerisch und kämpferisch alles zu geben, was sie entsprechend ihres Talents zu leisten imstande sind, Spieltag für Spieltag beweisen.

So betrachtet hat der Fußball mit den Mannschaften von Ajax Amsterdam, Eintracht Frankfurt, Fortuna Düsseldorf und einigen anderen, deren Tun nicht so aufgefallen ist, gegen das seelenlose und profitorientierte Soccer-Entertainment zurückgeschlagen. Und der Krieg ist noch nicht vorüber.

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