,In der Schlauchbootarena auf der Fröttmanniger Müllhalde war es auch nicht leiser als sonst. Das hässliche Gesicht des deutschen Fußballs lungerte in einer Loge herum und hielt Abstand zum Praktikanten. In den Katakomben hüpften sich die frisch getesteten Kicker warm, und das Fernsehen war auch da. Und das war ja bekanntlich das Wichtigste – sagt der Sparkassenfuzzi aus Lippstadt. Denn es geht um ungefähr eine Dreiviertelmilliarde Euronen. Über weite Strecken ähnelte des Spiel dem Solidaritätskick, den neulich die Söldner des FCB und des Subventionsvereins zu Ehren des greisen Milliardärs veranstaltet hatten. Warum unse Jungs da mittaten, hat sich Ihrem sehr ergebenen Berichterstatter nicht erschlossen.

Kann sein, dass die kleine Reisegruppen – vom Zeuchwart über die Coaches bis zu den Kickern – ein altes Rezept befolgt haben, das die Bayern schon paar Mal zu Meister gemacht hat: In München ist nix zu holen, da strengt man sich nicht an, da freut man sich, wenn die Klatsche nicht allzu hoch ausfällt. Dass es auch anders geht – zumindest, wenn Miasanmia schwächelt – zeigte die glorreiche Fortuna ja in der vergangenen Saison mit diesem großartigen 3:3-Unentschieden.

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Einfach keinen Bock

Kann aber auch sein, dass auch der professionellste Profi einfach keinen Bock hat, vor leeren Tribünen sein Bestes zu geben. Und wenn das Team des FC Bayern München keinen Bock hat und der Gast aus dem Tabellenkeller, dann gewinnt einfach das größere Talent. Während also die Geschäftemacher auf den FCB-Chefsesseln zugucken müssen wie die Marktwerte ihrer Pferdchen purzeln, ändert sich am Niveauunterschied nichts – es sei denn, eine scheinbarerer Underdog wird von zigtausend Mitgereisten, die rasch die akustische Oberhoheit in der A-Arena übernehmen, nach vorne gepeitscht.

Gab’s gestern nicht. Dass es dann zur Halbzeit nur 2:0 stand, hat mit der ebenfalls schwachen Motivation der Hausherren zu tun. Und damit, dass Trainer Rösler nach dem Motto „Doppelt hält besser“ nicht nur schonendes Spielen auch noch mit einem 5-4-1-System hatte antreten lassen. Einziger, sich beinahe durchgehend langweilender Stürmer war demzufolge Rouwen Hennings, der immerhin die einzige Torchance für Rotweiß in der zweiten Nachspielminute humorlos versenkte. Ob der FCB-Keeper zu dem Zeitpunkt überhaupt nur auf dem Platz war, ist nicht überliefert.

Fünferkette so tief wie nur möglich

Die defensive Fünferkette agierte beinahe durchgehend auf Höhe des Fünfmeterraum, wobei die Außen Richtung Grundlinie tendierten, sodass die Kette eher wie ein Bogen dastand. Nicht selten musste sich Tormann Flo Kastenmeier sich durch Verscheuchen der Kollegen Platz schaffen, um Bälle überhaupt aufnehmen zu können. Folgerichtig fielen vier der sieben Treffer für die Bayern durch Distanzschüsse – Kastenmeiner hatte da nicht viel zu halten, weil er durch die Palisaden von insgesamt neun Mannschaftskameraden kaum sehen konnte, was sich außerhalb des Strafraums überhaupt tat.

Für die Theorie vom Betonansatz spricht, dass in der Viererkette, die nominell das Mittelfeld bilden sollten, nicht ein einziger Spieler stand, der auch nur ansatzweise für Offensive hätte sorgen können. Weil ganz hinten sogar Kasim Adams (Ja, den gibt’s noch) neben Kaan Ayhan, Andre Hoffmann, Zanka und Robin Bormuth zum Zuge kam, wurde Adam Bodzek quasi zum Spielmacher und kooperierte auf Sechzehnerhöhe ganz nett mit Markus Suttner, Niko Gießelmann und Matthias Zimmermann. Jedenfalls hielten sich die Ballverluste in engen Grenzen. Wobei bei einem Ballbesitzverhältnis von sage-und-schreibe 92:8 für den Rekordmeister auch nicht viele Bälle zu verlieren waren.

Unvermeidbare Handspiele

Fair war die Partie, und der Schiri versuchte gar nicht erst, durch irre Entscheidungen Hektik zu verbreiten. Die beiden Elfmeter für die Hausherren entstanden daher auch nicht aus Fouls, sondern aus nicht vermeidbaren Handspielen – geboren aus der Enge des Fünfmeterraums, der in beiden Situationen mit insgesamt 15 Kickern aus beiden Mannschaften aus allen Nähten platzte. Wie gesagt: Bis zur Halbzeit sah nichts nach Kanterniederlage aus. Aber dann begannen die FCBler eben einfach aus allen Rohren zu feuern.

Der Spielfilm der zweiten Hälfte in Kürze: 48. Minute 3:0, 57. Minute 4:0 (Elfer), 71. Minute 5:0, 73. Minute 6:0, 77. Minute 7:0. Irgendwer muss den Jungs erzählt haben, dass die glorreiche Fortuna die Bayern seinerzeit mal mit 7:1 geschlagen haben. Da kam dann wohl die Idee auf, dieses Ergebnis zu kopieren, denn ab der 80. Minute fußlümmelten die Millionarios nur noch rum. Und fünf Minuten später gaben sie Trainingseinheiten im Mittelkreis, wobei sie die Pille ab und an auch mal einem Fortunen überließen.

Hauptsache gesund

Und genau aus einer solchen Situation fiel dann der Ehrentreffer. Hennings hatte sich gerade so an der Mittellinie postiert, während das Ei rückwärts zu Ayhan ging. Der schlägt den Ball, Hennings startet, die Bayern sind verdutzt. Der gute Rouwen kriegt das Ding ungefähr 20 Meter vorm Tor, schwenkt leicht nach links und haut die Kugel dann fulminant in die Maschen. Damit ließ es der Referee dann auch bewenden und schickte die Herren in die Kabine.

Dort war dann erstmal kollektives Händewaschen angesagt, soll ja gegen Corona helfen. Apropos: Was außer den üblichen optischen Bedingungen eines Geisterspiels noch irritierte, war, dass alle Spieler natürlich Gesichtsmasken in ihren jeweiligen Vereinsfarben trugen. Vielleicht ging da der Atem auch einfach zu schwer für ein richtige wildes Kampfspiel.

Und damit setzt Ihr extrem ergebener Berichterstatter die Berichterstattung von den nicht stattgefundenen Geisterspielen der Bundesligasaison 2019/20 fort und hofft, dass er damit allen Fortuna-Freundinnen und -Freunden eine Freude macht.

1 Kommentar

  1. Thomas Daniel am

    09.12.1978 Fortuna schlägt Bayer München 7:1.
    Mein erster Besuch im Stadion, damals dachte ich mir wer die Bayern so abzieht wird jahrelang oben mitspielen und bin für immer Fortuna Fan geworden. Das eine hat leider nicht geklappt.

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