Braunschweig vs F95 2:1 – Auf dem richtigen Weg

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Wenn die Niederlage der Fortuna beim BTSV eine beweist, dann, dass ab einem gewissen Niveau das Glück im Fußball eine entscheidende Rolle spielt. Und natürlich die Leistung des Unparteiischen. Wie Friedhelm Funkel zurecht anmerkte: „Das war eine der schlechtesten Schiedsrichterleistungen, die ich je erlebt habe.“ Sven Jablonski, so der Name des Pfeifenmanns, pfiff gerade in der ersten Halbzeit dermaßen viel Unsinn, dass man daraus einen Lehrfilm für Schiris unter dem Motto „So nicht!“ hätte schneiden können. Da sein Pendel vorwiegend gegen F95 ausschlug, hatte er einen entscheidenden Anteil am 0:2-Rückstand zur Pause. Denn eigentlich war die Fortuna in diesen ersten 45 Minuten das deutlich bessere Team. Erneut wirbelten die Weißen besonders in der ersten Viertelstunde und erspielten sich einige Möglichkeiten. Der Tabellenführer aus Niedersachsen wirkte in dieser Phase überfordert. Das führte wohl auch zur Äußerung vom BTSV-Coach, F95 sei das bisher stärkste Team, gegen das seine Mannschaft zuhause antreten musste.

Tatsächlich spielten die F95-Jungs insgesamt betrachtet sogar noch besser als beim feinen 3:0 gegen Bochum. Und erneut war Kaan Ayhan der Spieler des Tages. Wohlgemerkt: Der 22-jährige aus Gelsenkirchen ist von Hause aus Innenverteidiger. Dass Funkel und Hermann ihn zum offensiven Mittelfeldspieler umfunktioniert haben, zeigt deren erhebliche fußballerische Sach- und Menschenkenntnis. Ayhan war gestern der Spielmacher, und er wird es auch in Zukunft sein. Auch Rouwen Hennings findet sich langsam in die ihm zugedachte Rolle. Hing er in den ersten Spielen noch völlig in der Luft, nahm er schon im Dienstagsspiel seine Aufgabe als Wühler, der auch mal auf den Flanken ausweicht an. In Braunschweig war er der sprichwörtliche „Unruheherd“ und hatte dreimal ein wenig Pech, dass er den Ball nicht in der BTSV-Hütte unterbrachte.

Man sollte bekanntlich nur Statistiken glauben, die man selbst gefälscht hat. Außer einer Statistik entspricht ungefähr dem, was man empfindet. Insofern spricht die offizielle Spiel- und Spielerstatistik auf bundesliga.de Bände. Danach hat Alexander Madlung mit einigem Abstand die meisten Pässe geschlagen und eine annehmbare Fehlpassquote dabei erzeugt. Außerdem zeigt die Statistik, in welchem hohen Maße die Innenverteidigung mit Madlung und Kevin Akpoguma das Spiel im Griff hatte. Während Julian Koch sich auf rechts auf Defensivaufgaben konzentrierte, gab Lukas Schmitz auf der anderen Seite wieder einmal einen waschechten Außenstürmer; bundesliga.de attestiert ihm sechs Flanken aus dem Spiel heraus – die meisten aller F95-Akteure. Keeper Michael Rensing war an beiden Tor schuldlos und hatte nur zweimal Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Gerade der Hammer, der zum 2:0 für den BTSV führte, war völlig unhaltbar.

Ein bestimmtes System

Adam Bodzek gab in der 4-1-4-1-Formation die Verbindung ins Mittelfeld und agierte bei Bedarf wie eine Art Libero. Erst das machte die Offensivaktionen von Schmitz möglich und gab zudem Ayhan den kreativen Freiraum. Interessant auch die Rolle von Marcel Sobottka, der über weite Strecken der Partie zusammen mit Ihlas Bebou ein Zwei-Mann-Pressing spielte. Überhaupt: Wer sich für die systemische Seite des Fußballs begeistern kann, bekommt vom Trainerteam der Fortuna momentan bei jeder Partie Anschauungsunterricht. Da wird viel über „Konzepttrainer“ salbadert, aber die alten Pragmatiker sind eigentlich die Erfolgreichen der Zunft.

Wie Friedhelm Funkel schon vor der Begegnung in Braunschweig sagte: Es werde ein völlig anderes Spiel als das gegen Bochum sein. Dieser Einsicht entsprechend veränderten er und Peter Hermann den Spielplan auch ohne personelle Veränderungen. Wobei: Mit einem fitten Käpt’n Oliver Fink würde das Team nie in dieser taktischen Version spielen, denn der hätte darin keine Rolle.

Jugend vor!

Immer noch würde sich mancher Fortuna-Freund wünschen, Funkel und Hermann würden mehr junge Spieler in der Startelf aufbieten und die erfahrenen Kollegen eher als Joker nutzen. Gestern zeigte sich aber, dass die geballte Jugendkraft ein Spiel noch drehen könnte. In der 63. Minute kamen Ari Ferati für Bodzek und Jerome Kiesewetter für Axel Bellinghausen, der nicht ganz so effektiv auftrat wie am Dienstag. Während die Coaches Ferati offensichtlich wieder die Lizenz zum freien Spiel mitgegeben hatten, wusste Kiesewetter vor allem mit seinem klaren Spiel und seiner großen Durchsetzungsfähigkeit zu überzeugen. Kein Wunder, dass es der USA-Nationalspieler war, der in der 78. Minute den Anschlusstreffer markierte.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt roch es nach einem Unentschieden, ja, selbst ein Auswärtssieg schien möglich zu sein. Denn die Braunschweiger zogen sich immer mehr zurück und gerieten durch die schiere Willenskraft der Fortunen immer mehr ins Hintertreffen. Der eingewechselte Emma Iyoha konnte den Druck aber nicht weiter verstärken, und größere Torchancen blieben letztlich aus.

Nein, um diese Fortuna mit diesem Kader und diesem tollen Trainerteam muss man sich als Fan keine Sorgen machen. Momentan sieht es so aus, als würde die Mannschaft immer besser. An diesem Eindruck kann auch die unglückliche Niederlage gegen den Tabellenführer nichts ändern. Wenn ein Satz unter Fortunen gestern häufig viel, dann war es der: Wir sind auf einem guten Weg. Das passt.

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1 Kommentar

  1. Beim 2:0 habe ich mich gefragt, wann das passive Abseits aus dem Regelbuch entfernt wurde. Die Schiedsrichterentscheidungen waren ohnehin zum größten Teil nicht nachvollziehbar.
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