Braunschweine vs F95 0:2 – Tage der Abrechnung voraus

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Ihr sehr ergebener Berichterstatter und das Online-Magazin, in dem er seine ganz persönliche Sicht auf die glorreiche Fortuna verbreiten darf, leben seit Längerem mit dem ständigen Vorwurf, immer nur zu meckern, zu nölen und alles schlecht zu machen. Damit lässt sich angesichts dessen, was uns ein richtungsloser Aufsichtsrat, ein rumpfiger Rumpfvorstand, ein derangierter Sportmanager und vor allem die Trümmertruppe, die so gern ein Team gewesen wäre, angerichtet haben, letztlich ganz gut leben. Denn über all die Monate seit dem ersten Spieltag der Zweitliga-Saison 2015/16 gibt es per Saldo nur wenig Positives zu berichten. So wie es aktuell aussieht, war die Herbeiholung von Robert Schäfer als Vorstandsvorsitzender noch die beste Nachricht. Auch die Verpflichtungen der Herren Demirbay und Madlung könnten à la longue auf der Habenseite stehen. Der Rest? Na ja… dem Finanztod gerade noch mal von der Schippe gehopst. Damit das nicht wieder passiert, stehen F95 mit all seinen Ebenen und Sphären Tage der Abrechnung bevor. Wobei eine besonders scharfe Abrechnung auch mit gewissen Teilen der hiesigen Journaille nottut. Dazu später mehr. Kommen wir zuerst zum Spiel.

Das letzte Spiel

Die neue Bar von Dauerultra Micha Nord, das Bilker Häzz an der Bilker Allee, war pickepacke voll mit Fortunen, die es nicht nach Braunschweig geschafft hatten oder aus diversen Gründen selten oder nie auswärts fahren. Die Atmosphäre war vor dem Anpfiff einigermaßen gespannt, und die meisten versuchten, ihrer Sorge durch Witzeleien Herr zu werden. Dann ging’s los. Die ersten Eindrücke waren positiv, denn die vom Neusser Friedhelm gesteuerten Burschen in Rot gingen engagiert zu Werke, die Fehlerquote hielt sich in Grenzen, und mancher Spielzug gelang sogar. Es wurde ein ziemlich bewegtes Spiel, das ein bisschen unter der Laissez-fair-Haltung von Schiri Stieber litt, der vor allem der Braunschweiner No. 11 viel zu viel durchgehen ließ. Immer mehr zeigte sich, dass mit den Herren Madlung und Akpoguma eine ziemlich stabile Innenverteidigung zustande gekommen ist, die den wieder einmal matchwinnenden Herrn Rensing vor dem Gröbsten schützte.

Stadion DJ Opa meinte nachvollziehbar, der Herr Koch habe sich mit seinen bekloppten öffentlichen Äußerungen unter der Woche selbst aus dem Kader geschwafelt – vermisst hat ihn niemand. Da war sogar das schlafende Risiko Schauerte zu ertragen, das gerade in Hälfte Zwei weggrätschte, was wegzugrätschen war, und über allem Offensivgerenne das Verteidigen nicht vergaß. Auffällig war erneut, dass unter Druck die Zuordnung im eigenen Strafraum so gut wie nie funktioniert, dass F95-Kicker immer wieder hinter ihren Gegenspielern stehen oder am Sechzehner überlaufen werden. Nach diesem Muster entstanden beinahe alle Chancen der BTSVler. Die Opas im Mittelfeld – also der zum Glück verlängerte Herr Fink und sein Mithaudegen Bodzek – taten, was zu tun ist, ohne kreativ besonders aufzufallen. Unauffällig, aber zuverlässig und mit guten Ideen ausgestattet waren wieder die Herren Gartner und Mavrias, die man auch gern in der nächsten Saison in Rot sehen möchte. Wenn ihr Ergebener es richtig beobachtet hat, dann wechselten sich Fink und der junge Herr Sobottka mit dem offensiven Part der Mittelfeldarbeit ab, und der Herr Demirbay gab erneut den falschen Neuner. Das tut ihm offensichtlich gut, weil er so von festen Laufwegen weitestgehend befreit ist, rochieren kann wie der Teufel, ab und an zu Fernschüssen ansetzen oder Sololäufe zelebrieren darf.

Einer davon, der zu den schönsten dieser verkorksten F95-Saison zählt, führte in der 74. Minute zum nicht unverdienten Führungstreffer. Dass danach nicht dutzendweise Alt-, Pils- und Weißbiergläser an der Decke vom Bilker Häzz landeten und sich die Jubelnden in Bier wälzten, war nur der besonnenen Freude der altgedienten Anwesenden geschuldet. Wobei: Bierdusche in der Kneipe, das hätte was gehabt.

Das überflüssige zweite Tor

Die älteren Fußballfreunde werden sich erinnern an letzte Spieltage, an denen es zeitgleich in verschiedenen Stadien um die Saisonwurst ging und sich die Technik-Freaks seifendosengroße Transistorradios ans Ohr pressten, um der Konferenzschaltung zu folgen und die Spielstände der anderen Partien zeitnah zu erfahren. Mancher wird noch im Ohr haben, dass plötzlich ein paar Meter entfernt jemand laut „Ja!“ schrie und das Jubeln begann, was die Umstehenden ratlos machte – dann gab der Transistormann das Ergebnis durch, und die Freude verbreitete sich unter den Fans wie das sprichwörtliche Lauffeuer.

Heute hat dagegen jeder sein Smartphone eingeschaltet in der Hand oder auf dem Schoß und weiß jederzeit genau, wie’s woanders steht. So richtig nötig war das heute nicht, denn so dramatisch wie es einschlägige Schreibknechte machen wollten, war die Situation ja nicht. Der MSV Duisburg hätte bei eigenem Sieg und Niederlage der Fortuna einen Sechs-Tore-Rückstand wettmachen müssen, beim FSV Bockenheim waren es sogar zehn Dinger. Ein Unentschieden im ausverkauften Eintracht-Stadion hätte der launischen Diva in jedem Fall gereicht. Die ehemaligen Jägermeister brauchten jedoch einen Sieg, um qua Fünfjahreswertung rund 350.000 Ocken TV-Gelder einzufahren. Für diese Knete versuchten sie viel, aber nicht alles. Und nach dem 0:1 zeigten sie sich zunehmend lust- und auch ein bisschen hilflos und verlegten sich mehr so aufs Foulspiel. Skandal übrigens der Ellenbogenschlag eines Blaugelben gegen die Birne vom Herrn Fink, die nicht einmal eine gelbe Karte nach sich zog und knapp am Rande eines Platzverweises dümpelte.

Dieser besonders blöde Braunschweiner schaffte es dann in seiner grenzenlosen Dummheit, dem in den Strafraum dringenden Herrn Demirbay eine hauchzarte Berührung angedeihen zu lassen, die den zu Fall brauchte und einen Elfer nach sich zog. Obwohl der BTSV-Keeper mit der Zombie-Frisur in die richtige Ecke flog und auch noch mit den Nähten seiner Handschuhe an die Pille kam, flutschte das Ei zwischen Hand und Pfosten durch ins Netz zum Endstand. Danach brannte dann nichts mehr an. Nur der merkwürdige Referee fiel noch einmal auf. Da fiel ein Braunschwein im Fortuna-Sechzehner hin, er reklamierte Strafstoß und kassierte wegen Schwalbe eine Gelbe. Weil er schon eine hatte, durfte er duschen gehen. Alles sehr schräg….

Das Feiern hielt sich sowohl auf dem Rasen in der Löwenstadt in Grenzen, als auch in der Kneipe in Bilk. Mehr als Erleichterung wollte sich nicht einstellen, und zum Glück kam niemand auf die Idee, die Spieler zu feiern. Die einzige Fortuna-Figur in Braunschweig, die zu feiern gewesen wäre, war der Neusser Friedhelm, der es aber mit dem ausgelassenen Feiern nicht so hat – außer wenn Schützenfest ist.

Wie die Mannschaft bei den Fans teilweise angesehen ist, bezeugt das Stöhnen bei den drei abschließenden Auswechslungen. Da kamen die Herren Pohjanpalo, Bolly und Strohdiek, und die möchte eigentlich niemand mehr im F95-Kader sehen. Auf der Bank blieben dafür zwei Jungs sitzen, die vielleicht einmal zu den Spielern gehören werden, an die sich F95-Anhänger gern erinnern: unser Kemal Rüzgar und der blutjunge Herr Kinjor. Wenn nicht alles täuscht, gehört diesen und den anderen Jungspunden, die jetzt aus der U19 und der Zwoten in den Profikader geliftet wurden, die Zukunft – gern auch unter der Leitung von Friedhelm Funkel. Der darf in Düsseldorf alt werden, kann in Krefeld wohnen bleiben und hat es auch nicht weit bis zur Neusser Festwiese.

Abrechnung mit den Medien

Nachdem gewissenlose Schreibfinken über Wochen versucht haben, den Abstieg herbeizuschreiben und nur wenige aufrechte Kollegen wie der oft zu Unrecht gescholtene Bernd Jolitz von der RP sich diesem Scheißtrend verweigert haben, begann ein gewisses Boulevardblatt kölscher Herkunft damit, die Bierkonsumenten, die Heimspiele der wankenden Diva drei Kilometer Luftlinie vom Stadion entfernt in irgendwelchen gastronomischen Betrieben verbrachten, zu wahren Fans hochzujazzen. Und weil eine ehemals seriöse Tageszeitung momentan eh auf der Quotenfängerwelle schwimmt, schloss man sich dem an. Und dort für kleine Mark schreiben müssende Journalisten sogen sich Boulevardeskes in langen Zügen durch die Nasen. Wer dies unwürdige Treiben kritisierte – wie Ihr Ergebener – bekam empörte Mails von leitenden Sportredakteuren und irgendwelchen Jungschreiberlingen, die sich in ihren Blogs in Ehrpusseligkeit ganz alter Schule üben. Das alles hat unsere Fortuna wahrlich nicht verdient. Und deshalb sollten die Fans auch mal mit diesen Medien abrechnen… anstatt sich im Glanze der Freundschaft mit solchen Defätisten zu sonnen.

Nun ist das ein Nebenkriegsschauplatz, wenn auch ein relativ bedeutender. Je weniger Düsseldorfer tatsächlich noch ins Stadion gehen, desto mehr bestimmen solche Medienvertreter das Bild der Fortuna. Das kann – und wer sich an die dunklen Jahre von 1999 bis 2004 erinnert, kennt den Effekt – zum verstärkenden Kreislauf führen, in dem die Beliebtheit der glorreichen Fortuna in der Stadt nach und nach auf annähernd Null sinkt. Und dann können es wieder nur die wahren und aktiven Fans sein, die den Verein kraft ihres Engagements aus der Scheiße ziehen. Man muss den Damen und Herren, die das in jener Zeit taten, keine Denkmäler bauen, und diese Phase der F95-Geschichte zu glorifizieren, bringt auch nichts und niemanden weiter. Es gilt nur: Wer aus der eigenen Historie nichts lernt, ist ein Idiot.

Abrechnung mit den Kickern

Mit einzelnen Insassen des Kaders, ob überhaupt noch mitkickend oder nicht, wurde hier und andernorts sattsam abgerechnet. In diesem manchmal fürchterlichen Facebook und den nicht weniger ekligen Foren oft sogar auf menschenverachtende, ja, unanständige Weise. Da haben nicht wenige Fans in ihrem Überschwang der Enttäuschung regelmäßig vergessen, dass sie es mit jungen Kerlen zwischen etwa 18 und maximal 35 Jahren zu tun haben, die ja völlig bescheuert wären, absichtlich scheiße zu spielen und sich so die Karriere zu versauen. Ihr Ergebener plädiert dafür, die Gescheiterten in Frieden ziehen zu lassen, ihnen trotz allem zu danken und alles Gute zu wünschen. Das gilt ganz besonders für die Kicker, die serienweise beschimpft wurden – wie besonders dolle die Herren Pohjanpalo und Bolly.

In der sogenannten „freien“ Wirtschaft bedeutet Abrechnung das eiskalte Abwägen von Leistung und Versagen der jeweils Verantwortlichen. Bekanntlich werden die besonders schlechten Loser mit großen Abfindungen in eine Wüste geschickt, an deren kurzen Ende ein neuer, noch höher dotierter Job steht. Das alles meist ziemlich emotionslos. Nicht wenige Fortuna-Freunde versuchen seit Wochen, mit dem Herrn Azzouzi eine solche faire Abrechnung zu bewerkstelligen. Also sauber zu analysieren, wann, wo und wie genau der Sportmanager Scheiße gebaut hat und wo er nützlich war. Über alles gerechnet trifft den Mann aus der Pauli-Fürth-Connection vor allem der berechtigte Vorwurf, aus Gründen interner Konflikte den Langzeitarbeitslosen Marco Kurz als Trainer geholt zu haben, während schon im Winter der Nüsser Jung zu haben gewesen wäre. Es gerüchtet, dass Nochvorstand Paul Jäger mit jenem F. Funkel gut befreundet sei und der Herr Azzouzi Sorge hatte, eine an ihm vorbei ausgeführte Trainerverpflichtung könne ihn überflüssig machen. Die Einstellung von Herrn Kurz dann selbst noch mit „Wir haben nur einen Schuss“ zu apostrophieren, lässt an seiner Eignung für ein solch verantwortungsvolles Amt zweifeln.

Bei den Spielerkäufen, die der liebe Rachid A. höchstpersönlich zu verantworten hat, gibt es eigentlich nicht wirklich viel zu kritisieren. Alle schlümmen Rohrkrepierer gehen noch auf das Konto des Mannes, der sich in Düsseldorf besser nie mehr sehen lässt. Im Gegenteil: Mit den Herren Madlung, Djurdjic und Mavrias holte der Sportmanager drei Spieler, die auch über den Rand der endlich abgeschlossenen Saison was taugen.

Abrechnung mit den Gremien und Funktionären

Sagen wir mal so: Für eine Abrechnung mit einem Aufsichtsrat, den keiner mehr ernsthaft als „Team“ betrachten mag, ist es zu früh. Immerhin hatten die Herren den Mumm, sich externer Beratung zu bedienen, um ihren katastrophalen Fehler namens „Dr. Kall als VV“ auszubügeln. Der eher einfach gestrickte Fan kann natürlich nicht verstehen, dass die hohen Herren nicht selbst suchten (was sie nebenbei bemerkt auch taten) und vor allem, dass sie nicht einen der ewig sichtbaren Ex-F95-Helden auf den Thron hoben – keine Namen an dieser Stelle! Lobenswert auch dass sich der Aufsichtsrat in seiner Gesamtheit weitgehend aus dem operativen Geschäft heraushielt. Zumal der Vorsitzende des Gremiums dies jederzeit gern und intensiv tut und vermutlich mal als graue Eminenz in den Fortuna-Geschichtsbüchern stehen möchte.

Andere gewählte F95-Volksvertreter haben’s derweil drangegeben, und die Fama sagt, die Satzungsänderung, nach der AR-Beschlüsse auch per Telefonkonferenz oder Mailaustausch stattfinden könnten, sei der Lustlosigkeit und Dauerabwesenheit zweier Aufsichtsräte geschuldet. Wenn’s ohne größeren Aufstand und Aufwand ginge, wäre eine komplette Neuwahl des Aufsichtsrats dringend angeraten. Ein Sonderfall trägt den Namen Jäger, Paul Jäger – ein absoluter Herzblut-Fortune, dem der Verein über mehr als zwanzig Jahre enorm viel zu verdanken hat, einer der wenigen, die der Erwinista seinerzeit die Stirn boten und derjenigen, der die finanzielle Rettung des Vereins aus dem Stadium von Konzept und Verhandlungen in die Realität überführte. Lange war dieser PJ, der seine Initialen mit einem großen Fortunen teilt, zudem Volkstribun und Bindeglied zwischen organisierten Fans und Offiziellen. Diese Rolle hat er seit der legendären Wichser-Affäre im Dezember 2012 leichtfertig und fahrlässig und stückweise aufgegeben, sich dabei immer mehr von der Realität der engagierten Fans entfernt und seine Volksnähe nur noch durch Büttenreden auf Jahreshauptversammlungen versucht zu belegen. Mit dem, was weite Teile der Fanszene wollen, haben seine Vorstellung von der F95-Zukunft inzwischen wenig zu tun. Aber loslassen kann der Mann, der wenig so sehr liebt wie den Fußball, leider nicht…

Abrechnung mit den Fans

Die andauernden, an- und abschwellenden Konflikte innerhalb der Fanszene sind eindeutig politischer Natur. Aber ganz anders als sich dies diejenigen vorstellen, die immer die Politik aus dem Stadion haben wollen. In Wahrheit stehen sich nicht Linke und Rechte feindlich gegenüber, sondern politische Idioten verschiedenster Geschmacksrichtung. Politisch gebildete Aktivisten finden sich unter den Fans, die man im Stadion und auswärts trifft, nur in Einzelfällen. Dafür versuchen Leute, die sich selbst für links halten, und Menschen, die alles Linke auf Basis irgendwelcher Neurosen hassen, die drohende feindliche Übernahme durch die jeweils andere Seite herbeizufantasieren. Das alles befeuert mit viel, viel überflüssigem Testosteron und den dazu passenden psychogenen Substanzen.

Sich selbst als Antifaschisten bezeichnenden Paranoiker werden nicht müde, an jeder Ecke brutale Faschisten zu wittern, die den Verein übernehmen wollen, und verteilen das Etikett „Nazi“ dabei völlig wahllos. Jungs, die sich nicht gern von solchen Bekloppten „Nazi“ nennen lassen, wehren sich nach Kräften. Und wenn dann noch haufenweise hirnlose Jungschläger auftauchen, die sich von irgendwelchen alten Säcken haben rekrutieren lassen, geht die Klopperei schon wieder los. Eine Abrechnung ist da nicht möglich, aber es ist zu wünschen, dass der Verein sich endlich einmal ernsthaft des massenhaften Drogenmissbrauchs im Stadion annimmt, um drohende Kämpfe im Vorfeld ein bisschen zu entschärfen.

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