Dass die Donnerstage, an denen in den Gaststätten der Brauerei Schumacher das legendäre Latzenbier ausgeschenkt wird, zu wilden After-Work-Parties ausarten, ist eine relativ junge Erscheinung. Im Gegensatz zum Latzenbier selbst, das es schon viel länger gibt. Auch die Tatsache, dass dieses malzig-schwere Bierchen ausschließlich am jeweils dritten Donnerstag im März, September und November zu haben ist, galt nicht immer. In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg gab’s Latzen – wie man die Brühe liebevoll abgekürzt nennt -, wenn dem Braumeister danach war. Beziehungsweise, wenn er zufällig optimale Grundstoffe dafür parat hatte. Dann ließ er ein Starkbier ansetzen und in Fässer und Flaschen abfüllen … und heimlich beiseite legen. „Heimlich“ heißt in der Düsseldorfer Mundart „stickum“ – daher leitet sich der Name für das andere Sonder-Alt der Brauerei Uerige, das Sticke. Auch die Hausbrauerei zum Schlüssel hat ein solches Heimlichbier im Angebot.

Das Sticke vom Uerige gibt es am zweiten Dienstag im Januar und im Oktober. Das mit 6 Volumenprozent ausgestattete Gesöff wird von den wetterfesten Trinker im Januar traditionell unabhängig von Niederschlägen und Frost im Freien genossen. Im Schlüssel heißt es „Stike“, es hat 6,5 Prozent und wird im März und Oktober am jeweils zweiten Mittwoch angeboten. Tatsächlich aber ist Latzen vom Schumacher der König unter den stärker eingebrauten Altbieren.

Das Alt für Alt-Verächter

Selbst eingefleischte Alt-Verächter aus Köln und anderen Provinzkäffern finden nach dem ersten Probieren Gefallen an diesem extrem süffigen, voluminösen und runden Starkbier mit seinen 5,5 Prozent Alkoholgehalt. Und weil man „zum Latzen“ wie zu einer Kirmes geht und so viel trinkt wie reinpasst, werden jedes Mal wirklich alle Fässer geleert. Früher hat man der Legende nach sogar den Überschuss nach einem Latzen-Tag weggekippt. Tatsächlich wird Latzenbier auch auf Flaschen gezogen – und zwar in die weltberühmten Ein-Liter-Bügelverschluss-Flaschen. Dass es sich um Latzen handelt, erkennt man dunkleren Etikett mit dem Aufdruck „Latzenbier“.

Die einzige Chance, Latzenbier an den Tagen nach dem berühmten Donnerstag zu trinken, besteht darin, beim Getränkemarkt der Vertrauens die eine oder andere Flasche zu ergattern. Auch im Stammhaus an der Ostsstraße gibt es Latzen in Flaschen nicht nur am Latzen-Tag, sondern meist noch ein, zwei, drei Tage danach. Garantiert ist das nicht, denn gerade Erstrinker und Nichtdüsseldorfer neigen dazu, sich größere Vorräte mitzunehmen. Tipp: Die Filialen des Getränketempels beiziehen eigentlich immer nennenswerte Kontingente vom leckeren Stöffchen, die auch nach vier, fünf Tagen nicht vollkommen erschöpft sind.

Vorsicht, Party!

Leider, leider, leider kann man das Latzen gerade beim Septembertermin nicht in Ruhe vom Fass genießen, weil dann sowohl im Goldenen Kessel an der Bolker Straße, als auch im Stammhaus an der Oststraße Ringelpietz mit Anfassen abgeht. Weil Latzen inzwischen so total angesagt ist, empfiehlt es sich sogar, entweder gleich um 15:00 vor Ort zu sein oder sich zumindest schonmal ein Zugangsbändchen zu besorgen – ab 18:00 hat man bestenfalls noch die Chance, draußen vor dem Eingang Platz zu finden.

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