Geschäftsführer, Finanzvorstand, Direktor – der ewige Paul Jäger steht für die Fortuna-Familie…

Porträt · Im Jahre 2012, ohnehin eines der wildesten der F95-Historie, hatte Euer schwer Ergebener mehrfach Beef mit Paul Jäger. Besonders nach dem Vorfall im Wädchen hinter dem Stadion der Offenbacher Kickers. Nachdem die aktiven Fans im Rahmen der Aktion „12:12“ die Mannschaft nicht supportet hatten, beschimpfte der damalige Vorstand Jäger die Fans, und Leute, die ganz dicht bei ihm standen, wollen sogar das W-Wort gehört haben. Hinzu kam der Verdacht, Paul habe Machtgelüste. Das alles gipfelte am 18. Dezember 2012 in einem Telefonat, bei dem er sagte: „Ich strebe gar nichts mehr an. Und für den DFB bin ich sowieso schon zu alt. Ich will bei Fortuna in Rente gehen.“ Und nun ist es bald soweit, denn nachdem der gute Paul gestern 65 geworden ist, kann er in genau einem Jahr in Rente gehen – genau wie von ihm prophezeit. [Lesezeit ca. 3 min]

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Wir telefonierten gelegentlich miteinander, wir frühstückten zusammen, und immer wieder trafen wir uns bei Auswärtsfahrten an irgendeiner Raste. Und immer wieder stritten wir miteinander. Nach seinem bescheuerten Auftritt auf der Jahresmitgliederversammlung 2015, bei dem er von arabischen Investoren schwafelte, hatte der Ergebene die Schnauze voll. Paul Jäger trug die Schuld daran, dass dieser F95-Analyst aus dem Verein austrat … nicht ohne nach etwas mehr als einem Jahr wieder einzutreten. Auch wegen Paul Jäger. Denn wieder gab es Gespräche, und so langsam wurde dem Ergebenen klar, dass dieser ewige Paul genau für die Fortuna stand, die er so liebte. Oder wie es damals in diesem wunderbaren Online-Magazin hieß: Paul Jäger war und ist einer, der die Idee von der Fortuna als Familie verkörpert wie kaum ein anderer. Dass er später den Posten des Direktors CSR (Corporate Social Responsibility = unternehmerische Sozialverantwortung) übernahm, war absolut folgerichtig.

Zur Fortuna gestoßen ist der Diplom-Kaufmann 1989 in einer ausgesprochen schwierigen Phase des Vereins. Einerseits war man nach erfolgreichen Jahren in die zweite Liga abgestiegen, andererseits hatte der Club massive finanzielle und organisatorische Probleme. Wer hätte ahnen können, dass er 21 Jahre lang Geschäftsführer sein würde? Und diese 21 Jahre sind so voller Anekdoten, dass man eigentlich ein Buch über Paul Jäger und seine Fortuna schreiben müsste – man denke an den Disput mit Käpt’n Jörres im IC Deichgraf oder an das defekte Faxgerät in Wilhelmshaven, das der Fortuna einen Abstieg ersparte.

Man denke vor allem aber an das, was dieser Paul Jäger in all den Jahren für die glorreiche Diva geleistet hat. Legendär seine Basteleien an den Lizenzunterlagen, die immer und immer wieder entgegen aller Erwartungen beim DFB durchgingen. Man denke daran, unter welchen räumlichen und organisatorischen Verhältnissen Paul Jäger über Jahre eine Geschäftsstelle am Flinger Broich am Laufen hielt. Man denke an die vielen kleinen und großen Aktionen, mit denen er die Fortuna am Leben hielt und gleichzeitig den Zusammenhalt zwischen der Stadt und dem Verein förderte. Und man denke daran, dass dieser Paul Jäger die soziale Verantwortung des Clubs schon lange vor seiner Zeit als CSR-Direktor ernstnahm und in ganz praktische Aktivitäten umsetzte.

Euer Ergebener meint: Feiern wir diesen ganz großen F95-Liebhaber, diesen oft witzigen, aber auch streitbaren Kerl, der neben der Fortuna nur noch ein großes Interesse hat: zu einem der weltweit beklopptesten Groundhopper zu werden.

3 Kommentare

  1. Peter Jeromin am

    Paul Jäger verkörpert die Fortuna. Er ist wirklich der einzige in der bezahlten hauptamtlichen Mannschaft, der Fortuna mit der Stadt, der Stadtgesellschaft und den Fans verbindet. Er hat das Auf und das viele Ab der Fortuna erlebt,
    Vorstände und Aufsichtsratsvorsitzende ertragen müssen, die Fortuna nicht verstanden haben und heute Gott sei dank alle vergessen sind. Nicht vergessen sind die Mitstreiter wie beispielsweise Werner Sesterhenn, die mit anderen leider schon Verstorbenen den Verein in schwierigsten Jahren über Wasser gehalten haben.
    Paul Jäger herzlichen Glückwunsch zum 65 und Fortuna ole.

  2. Für die Arbeit, die Paul für Fortuna geleistet hat, beschäftigt Fortuna heute eine Armee von Direktoren und BWL-Schnöseln. Professioneller ist es nicht geworden, nur erheblich teurer und mit einer Entfremdung vom Verein und seinen Fans. Einen Ansprechpartner, wie Paul, gibt es heute bei Fortuna nicht mehr. Ob du 60 Jahre oder ein Jahr Fortune bist: Für die Teppichetage bist du ein Fremder und Kunde.

    Uns wollen wir nichts beschönigen: Die „Beförderung“ zum CSR-Direktor war ein Tritt in den Arsch von Paule, den er wahrlich nicht verdient hat. Ich schätze an Paul, dass er streitbar geblieben, aber auch weise und gelassener, und kein Don Quixote geworden ist. Ich hoffe, er wird niemals eine „abrechnende Autobiogtrafie“ schreiben und sowas lächelnd abwinken.

    Mich verbunden mit dem alten Groundhopper, der mir zugegebenermaßen anfangs unsymphatisch war, viele schöne, interessante und lustige Begegnungen bei Auswärtsspielen der Zwoten, die er rege – und ohne VIP-Gehabe! – besucht hat.

    Santé au conaisseur du vin Paule, einem authentischen Fortunen!

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