Meinung · Auch das ist eine dieser Memes, die seit Jahrzehnten durch die Fußballwelt wabern: Dieses oder jenes brächte Unruhe in den Verein. Oder noch schärfer: „Unruhe in die Mannschaft“. Angewendet wird diese Floskel meistens dann, wenn personelle Wechsel anstehen und/oder persönliche Animositäten oder Machtkämpfe toben. Man kennt das aus Firmen. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, das Ihrem Ergebenen bestens bekannt ist, ging im vergangenen Herbst in Rente; ein frischer Nachfolger war rasch gefunden. Ein ehrgeiziger Abteilungsleiter aber war scharf auf den Posten und versuchte sich den Job durch allerlei Mobbing und Intrigen zu erschleichen – er brachte erhebliche Unruhe in die Firma. Nur, wer oder was litt darunter? Oder, um die Frage aufs Fußballgeschäft anzuwenden, hat das Team deswegen schlechter gespielt und öfter verloren? [Lesezeit ca. 3 min]

Im Beispiel sah es so aus, dass die normalen Mitarbeiter*innen außerhalb des engen Kreises der Führungskräfte so gut wie nichts von der Unruhe mitbekamen; ihnen war schlicht wurscht, wer unter ihnen Geschäftsführer sein sollte, sie machten einfach ihren Job weit so gut wie möglich. In der Teppichetage war dagegen die Atmosphäre vergiftet; im Umfeld der Tumulte kündigten zwei weitere Abteilungsleiter*innen, und der neu eingesetzte Geschäftsführer warf nach nur drei Wochen im Amt das Handtuch. Derlei kennt man aus dem Fußball zu Genüge. Und gerade wir bei der Fortuna haben noch die 3-Trainer-Saison 2013/14 im Hinterkopf und das Folgejahr mit dem Duo des Grauens, bestehend aus Dirk Kall und Helmut Schulte – das war Unruhe pur.

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Warum aber kann Unruhe schädlich wirken? Hauptsächlich, weil sie Mitarbeiter*innen ganz persönlich verunsichern kann. Was wird aus mir? Verliere ich meinen Job? Geht der Laden pleite? Wer wird mein*e Vorgesetzte*r? Wie werde ich mit ihr*ihm zurechtkommen? Das sind die Fragen, die in den Köpfen, Bäuchen und Herzen des „Umfelds“ aufpoppen. Unsicherheit ist ein schlechter Motivator; ja, manche Menschen macht Unsicherheit krank. Deshalb trudeln Unternehmen, in denen Veränderungen Unruhe ausgelöst haben, nicht selten in eine waschechte Krise.

Beim Fußball ist das prinzipiell nicht anders. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Spieler weit weniger von solchen Unruhen betroffen sind als gemeinhin angenommen. Die Form von Unruhe, die am ehesten auf die individuelle Leistungsfähigkeit wirkt, entsteht bei offenen Vertragsverlängerungen. Wobei ein altgedienter Profi Ihrem Ergebenem einmal sagte: „Daran gewöhnst du dich bei der dritten oder vierten Station deiner Karriere dann auch.“ Drohende Veränderungen im Trainer- und Funktionsteam, das bestätigen mehrere Kicker, verunsichern dagegen meist nur Burschen, die ohnehin ein bisschen sensibel sind und/oder starke persönlichen Bindungen zu Coaches und deren Mitarbeitern haben. Robusten Typen ist es eher wurscht, wer unter ihnen Cheftrainer ist.

Das gilt beinahe für alle Herren, die Geld dafür kriegen, dass sie den Rundball treten, wenn es um Unruhen in den Gremien geht – also bei F95 in Aufsichtsrat und Vorstand. Es ist ihnen schlicht egal, welche Nasen da sitzen – ausgenommen sind in aller Regel die Sportvorstände bzw. -direktoren. An dieser Stelle ist der Fußball mehr als viele andere Branchen ein Personengeschäft. D.h.: Ein Kicker wechselt gern zu einem Verein, in dem jemand das sportliche Sagen, mit dem er bereits positive Erfahrungen gemacht hat. Querelen um eine solche Vertrauensperson können dann auch gestandene Altprofis aus dem Tritt bringen.

Unruhe im Fußballclub ist aber nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, denn oft ist die vermeintliche, gern von Journalist*innen herbeigeschriebene Unruhe nichts anderes als Symprom für Veränderungsprozesse. Und nur Vereine, die Veränderungen nicht scheuen, sind erfolgreiche Vereine. Das geht Fußballromantikern oft gegen den Strich, die bekanntlich dazu neigen, einen Zustand X, den es in ihrer Jugend gegeben hat, für den Idealzustand zu halten, der sich möglichst nie, nie, nie ändern möge. Die langjährige Erfahrung zeigt übrigens, dass es skrupellose Scheibfinken nur sehr selten schaffen, mit von ihnen lancierten Gerüchten ungesunde Unruhe in einen Verein zu tragen.

Insofern sollten Fans, auch und gerade des TSV Fortuna Düsseldorf 1895, nicht allzu vorschnell davor warnen, dass dieses oder jenes Unruhe in den Verein tragen könnte, die dann möglicherweise sportliche Auswirkungen hat.

1 Kommentar

  1. Ich meine was die Bild Zeitung mit dem Röttgermann abzieht ist doch lächerlich. Der Mann hat sich unüberlegt geäußert aber deswegen alle fünf Minuten seinen Rücktritt zu fordern hat doch nichts mit Journalismus zu tun.

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