Nach langen, intensiven Recherchen hat Euer Ergebener herausgefunden: Nein, der Pokal hat keine eigenen Gesetze.

Analyse · Denn: Der Ball ist auch da rund, und das Spiel dauert auch im Pokal neunzig Minuten. Es stehen je elf Spieler auf dem Platz, und das Runde muss ins Eckige. So ist das nämlich. Das Einzige, worin sich eine Begegnung im Wettbewerb um den DFB-Pokal vom normalen Ligabetrieb unterscheidet: Es handelt sich um K.O.-Spiele. Wer verliert, ist raus. Und dadurch, dass hier Teams aufeinandertreffen können, die nicht in derselben Liga spielen. Und so gewinnt manchmal ein Fünftligist gegen einen Zweitligist – wie damals vor langer, langer Zeit ein gewisser 1. FC Saarbrücken unsere geliebte Fortuna im Elfmeterschießen rauskegelte. Weil der Pokal aber doch keine eigenen Gesetze hat, kann man dagegen nicht viel tun. [Lesezeit ca. 4 min]

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Hält F95 eigentlich immer noch den Rekord für die meisten nacheinander gewonnenen Pokalspiele? Der stammte aus den goldenen Jahren zwischen ungefähr 1972 und 1983, also der Phase durchgehender Zugehörigkeit zur ersten Bundesliga, als Fortuna Düsseldorf sogar zweimal nacheinander Tabellendritter wurde und an internationalen Wettbewerben teilnehmen durfte. Im Pokal gewannen die Rotweißen von August 1978 bis Februar 1981 achtzehn DFB-Pokalspiele in Folge – hach, das waren noch Zeiten! Und dann natürlich Basel. Neben dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1933 der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte.

31.07.2011: Mehr F95-Fans im Stadion als Heimzuschauer beim Pokalspiel in Kassel (Foto: TD)

31.07.2011: Mehr F95-Fans im Stadion als Heimzuschauer beim Pokalspiel in Kassel (Foto: TD)

Der Bruch kam in der Saison 1983/84. Da entging F95 dem Abstieg mit gerade einmal zwei Punkten vor dem Relegationsplatz. Am 26. August 1983 flog Fortuna in der ersten Runde gegen Schalke aus dem Pokal; es gab ein 3:0 im Parkstadion, dem Ort, an dem der Verein nur drei Jahre zuvor einen Pokalsieg bejubeln durfte. Der S04 war im Juni per Relegation gegen Bayer Uerdingen in die zweite Liga abgestiegen, F95 hatte die Erstligasaison auf einem ordentlichen 9. Platz beendet. Und während man in Düsseldorf ganz zufrieden war, herrschte in Gelsenkirchen Tristesse. Die Zuschauer hatten sich enttäuscht von der Mannschaft abgewendet. Nur 12.000 Zuschauer kamen im weiten Rund zusammen, davon nach Augenzeugenberichten deutlich mehr als ein Drittel aus Düsseldorf. In dieser Situation aus dem Pokal zu fliegen, war bitter für die Fortuna. Und von da an ging’s bergab.

Koblenz vs F95: Feiner Mob im Gästeblock

Erinnerung: Koblenz vs F95 – Feiner Mob im Gästeblock (Foto: TD)

Es gibt mehrere Theorien darüber, weshalb Fortuna Düsseldorf im Gegensatz zu den anderen führenden Clubs der Siebzigerjahre aus ihren Erfolgen nicht ausreichend finanziell Kapital hat schlagen können. Der Tiefpunkt der Geldknappheit führte dazu, dass einer der besten F95-Kicker aller Zeiten, Klaus Allofs, für ein Linsengericht an den Äff-Zeh verscherbelt wurde. Sicher ist, dass das mangelnde Zuschauerinteresse in Zeiten, in denen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf die wichtigste Geldquelle war, seinen Anteil daran hatte. Man muss es sich vorstellen: Zur letzten Partie der Saison 1982/83, einem schicken 5:1, in dem der großartige Atli Edvaldsson alle fünf Treffer beisteuerte, verloren sich rund 7.500 Nasen im Rheinstadion – blamabel.

Da lag das Finale von Basel gerade einmal vier Jahre zurück. Noch 1980 diskutierten F95-Fans (Euer Ergebener war bei solchen Gesprächen dabei), welchen Supertrainer (Rinus Michels) man verpflichten solle, um fürderhin dauernd international antreten zu dürfen, und welche Topspieler aus Europa man an den Rhein locken könne. Okay, damals kamen zum Derby gegen Ostholland auch noch mehr als 30.000 Zuschauer:innen ins Rheinstadion. Könnte sein, dass die angesprochene Pokalniederlage gegen den FC Schalke 04 im Jahr 1983 der Wendepunkt war.

Oktober 2018: Fröhliche Fortuna-Fahnen im eiskalten Ulm (Foto: TD)

Oktober 2018: Fröhliche Fortuna-Fahnen im eiskalten Ulm (Foto: TD)

Könnte auch sein, dass das unglücklich im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund verlorene Achtelfinale im Dezember 2011 dem Team den letzten Kick in Richtung Relegation und Aufstieg gegeben hat. Und wenn es so wäre, dann hätte der Pokal doch ein Gesetz, dass das Abschneiden in diesem Wettbewerb den Erfolg oder Misserfolg zum Ende der Ligasaison vorwegnimmt. So betrachtet MUSS das Team von Trainer Thioune am kommenden Samstag in Offenbach gewinnen. Sonst wird das mit dem Aufstieg in die erste Liga nächste Jahr nix…

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