Liebe Fortuna-Fans, wisst ihr, was eine „Filterblase“ ist? Wenn eine Gruppe von Menschen durch gleiche Interessen, Vorlieben und/oder Abneigungen miteinander verbunden sind, tendieren sie dazu, die Restwelt vorwiegend oder ausschließlich aus der Sicht dieser Gruppe zu sehen. Man sagt: Sie befinden sich in einer Filterblase. Von dort aus wird alles weggefiltert, was die gemeinsame (Welt)Anschauung stören könnte. Ist ein ganz neumodischer Begriff, der zusammen mit den sozialen Medien aufgekommen ist, aber ein uraltes Prinzip. Und betrifft natürlich auch uns Fortuna-Fans. Was uns aber verbindet – und das gilt schon so lange Euer ergebener Berichterstatter zur Fortuna rennt – ist diese unheilbare Fortuna-Krankheit. Heute nennt man es eine „bipolare Störung“, früher nannte man die Betroffenen „manisch-depressiv“. Oder wie der Volksmund immer noch sagt: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Das war schon so in den frühen Sechzigerjahren im alten Rheinstadion, wo die Männer in Mänteln und mit Hüten, stinkende Stumpen qualmend, angesichts der Mannschaft auf dem Platz negativ vor sich hin grummelten, aber bei einem Tor durch -sammerma- Pitter Meyer ihre Hüte und Stumpen jubelnd in die Luft warfen. Der Renterblock, von der Haupttribüne aus gesehen links vom Marathontor, hatte die Funktion, die heute Facebook-Gruppen und Diskussionsforen übernehmen.

Nun stecken wir ja alle auch in der Fortuna-Filterblase und kriegen deshalb so gut wie nie mit, wie das bei anderen Vereinen aussieht. Als jemand, der viel mit Anhängern anderer Clubs spricht und korrespondiert, kann ich euch sagen: Es ist überall ein bisschen anders, das Manisch-Depressive in dieser reinen Form ist jedoch wirklich typisch für die Freunde unserer launischen Diva. Die ja selbst auch nicht alle Latten am Zaun hat. Jedenfalls dann, wenn man diese Zusammenwürfelung aus Leuten, die Ämter im Verein bekleiden und/oder von diesem Gehälter beziehen, betrachtet. Denn das Verhalten dieser Menschen in ihrer wiederum ganz eigenen Filterblase ist mit Vernunft und von außen betrachtet, ziemlich irre. Apropos: Über die vergangenen rund 15 Jahre betrachtet gab es lediglich rund dreieinhalb Jahre, in denen in den Gremien die Vernunfti vorherrschte. Es war die Zeit, in der ein gewisser Dr. Dirk Kall Vorsitzender des Aufsichtsrats war. Der hat in dieser Zeit weder manisch, noch depressiv vorgeturnt und im Verein mit dem ebenfalls verstandesgesteuerten Vorstandsvorsitzenden Peter Frymuth für sinnvolle Entscheidung gesorgt, die sowohl sportlichen, als auch wirtschaftlichen Erfolg brachten.

Was nach dem leicht überstürzten Wechsel von Peter Frymuth zur Schneisen-Mafia folgte, hatte dann wieder einmal alle Züge einer neurotischen Störung. Der damalige Aufsichtsrat hielt es aus mit dem Verstand nicht nachvollziehbaren Gründen für richtig, den erfolgreichen Aufsichtsratsvorsitzenden zum vorhersehbar erfolglosen (und recht ordentlich entlohnten) Vorstandsvorsitzenden zu befördern. Von da an ging’s bergab. Die Fans in ihrer Filterblase aber nahmen diesen Dauerabstieg zunächst nicht in seiner ganzen Breite wahr (manisch), um ein Jahr später wütend einen Neuanfang zu fordern (depressiv). In beiden Blasen galt und gilt bis heute die Parole: Kommt uns bloß nicht mit Fakten. Weil die äußere Echtwelt in der Psychose durchweg als feindlich begriffen wird, gilt diese als grundsätzlich böse. Und weil man im Verlauf der Störung unbewusst nach Hilfe, nach Hoffnung sucht, wird auf einmal das spekulative Gequacke der zuvor verachteten Medien für relevant gehalten.

Zwei Beispiele für die Krankheit in den Filterblasen
Nehmen wir ein Beispiel: Der Aufsichtsrat hat vor einigen Wochen verlauten lassen, man habe bei der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden auch eine Agentur in München eingeschaltet. Die Gremienhocker in ihrer Filterblase betrachten das als Ausweis professionellen Verhaltens. Weil das in der Wirtschaftswelt ganz normal ist, sich bei der Suche nach einem Topmanager professioneller Personalberater zu bedienen. Die Fans in ihrer Filterblase sind dagegen empört, dass der Aufsichtsrat es nicht alleine schafft, einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu finden und zu installieren. Die „Agentur aus München“ wird als fremd und feindlich begriffen. Eigentlich hätte man gern irgendeine bekannte Fortuna-Nase, die sich hauptsächlich dadurch auszuzeichnen hat, eine bekannte Fortuna-Nase zu sein. Überhaupt müsse der neue VV Düsseldorfer sein … irgendwie. Und weil nur ganz, ganz wenige Insassen der Fan-Filterblase in ihrem Berufsleben mit der Installation von Topmanagern befasst sind, wenden sie ihren nicht ganz so gesunden Fortuna-Menschenverstand an und kommen auf Personalideen, die nicht einmal mehr witzig sind. Keine Namen an dieser Stelle…

Nehmen wir ein zweites Beispiel: Die Hanseln in Vorstand und Aufsichtsrat in ihrer haltlosen Hilflosigkeit haben nun ja seit Norberts Meiers Rauswurf neue Trainer nach dem Zufallsprinzip erwürfelt. Mike „Buyo“ Büskens war immerhin noch ein nachvollziehbarer Versuch, ne ächte Düsseldorfer Jong zum Volkshelden zu machen. Die Verpflichtung von Lorenz-Günter Köstner kann dagegen nur als Anfall von Wahnsinn betrachtet werden. Als der kränkelte, übernahm Olli Reck und brachte frischesten Wind ins Team. Als dann die desorientierten Entscheider angesichts der Rückrunde 14/15 Panik kriegten, kickten sie den lieben Olli, um dann den guten Taskin Aksoy in ein paar bedeutungslosen Spielen zu verheizen. Mit Frank Kramer zauberten sie dann einen Heilsbringer aus der Mütze, um ihm alsbald das Vertrauen zu entziehen. Nun stand die Söldnertruppe ohne Trainer da. Was die diversen Schreibfinken von RP, WZ, Abzess und Blöd natürlich anspornte, nach Belieben Namen in den Ring zu werfen. Und die treuen Fans in der ihrer Filterblase diskutierten brav jede neue Nase, die benannt wurde, und ergänzte die Liste nach Bedarf um die absurdesten Vorschläge, die man sich denken kann. Keine Namen an dieser Stelle… Weil die Medchenvertreter aber jedes Mal so taten, als stünde die Verpflichtung von X oder Y kurz bevor, es dann aber nicht zum Abschuss kam, bastelten sich die Fortuna-Anhänger in ihrer Filterblase das Bild, Dutzende, ach was, Hunderte Trainer hätten ihrer geliebten Fortuna einen Korb gegeben.

Es folgt Jahr 4 der dunklen Phase
Wie immer in de depressiven Phase fordert der Filterblasen-Mob rollende Köpfe. Alle die im Verein was zu sagen haben, müssen dann weg. Weil das alles Nichtskönner sind, Versager, Loser! Dieselben Filterblasen-Bewohner wollen dann aber in den manischen Phasen allesamt ein Kind von jedem der Leute, die im Verein was zu sagen haben. Das ist das fortunistische Krankheitsbild. Und weil diese Krankheit unheilbar ist, werden sich die Phasen in relativ gleichmäßigem Rhythmus wiederholen. Wer vom Morbis Fortuna befallen ist, sich aber einen Rest Verstand bewahrt hat, weiß: Das muss man aussitzen. Denn auf sieben strahlende Fortuna-Jahre (z.B. 2006 bis 2012) folgen mit tödlicher Sicherheit sieben dunkle Jahre. Aktuell befinden wir uns erst am Ende von Jahr 3 der finsteren Phase. Da müssen wir jetzt durch.

[Übrigens: Das Foto stammt aus der Rückrunde der Saison 2007/2008]

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