EM 2016: Le Quartier von Le Mannschaft – bei den Reichen und nicht ganz so Schönen

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Wir sind stolz und glücklich, jetzt auch Pamela Broszat als Autorin bei The Düsseldorfer begrüßen zu dürfen, die bekannt dafür ist, über Dinge deutlich neben dem Mainstream aus der Genießerinnenperspektive zu berichten. Im Mai war sie mit voller Absicht in Évian am Lac Léman, quasi dem Malente des Jahres 2016, und hat sich im Umfeld des Quartiers von Le Mannschaft umgeschaut und dabei Luxus, gutes Essen, Golf und Glücksspiel vorgefunden. Hier ihr Tatsachenbericht:

Évian-les-Bains. Die einen entfalten sich in 90 Minuten auf dem Rasen und sehen, je nach Einsatz, anschließend alt aus. Die anderen lassen sich 75 Minuten lang im Fünf-Sterne-Spa entfalten und sehen danach zumindest für zwei Halbzeiten verjüngt aus. Wo dieser Personenkreis mit den unterschiedlichen Neigungen aber dem gemeinsamen Drang zur treffsichern Freizeitgestaltung zusammen trifft? In Évian-les-Bains. Das ist der prospere Ort, in dem die Bundes-Boygroup, die aktuell als „Die Mannschaft“ firmiert, während der EM ihr Quartier bezogen hat.

In mitten blühender Landschaften

Évian-les-Bains geht auf Tuchfühlung mit den Rhône-Alpen und dem Lac Léman, hierzulande als Genfer See populär. Das Mannschafts-Hotel „Ermitage“ liegt mit dem Fünf-Sterne-Haus „Hotel Royal“ oberhalb des Städtchens in mitten blühender Landschaften. Eine kleine Brücke im Hotelpark verbindet die beiden Unterkünfte, welche der Danone-Gruppe gehören. Die Anwesen punkten mit zurückhaltendem Luxus, sofern Luxus und Zurückhaltung eine Symbiose eingehen können.

Selbstverständlich sind hier die auf den Tellern anmutig drappierten Speisen ambitioniert. Selbstverständlich wird hier vom Personal auf jeden Atemzug des Gastes reagiert. Selbstverständlich unterläßt es die Sommelière zu dozieren und beschränkt sich auf charmante Fachberatung. Und mit angenehmen Selbstverständnis orientiert sich hier das Interieur farblich und stilsicher an der Umgebung statt sich protzigem Oligarchen-Geschmack zu beugen. Die kreisrunden Löcher im Rasen sind gewollt, schließlich schätzt der ein oder andere Gast das Golfspiel.

Évian - alles andere ist bloß Wasser

Évian – alles andere ist bloß Wasser

Region der Wasserträger

In Évian geht es mit saturierter Gelassenheit zu. Dabei ist es die Region der Wasserträger. Es ist eine unbezahlbare Einnahme-Quelle, die den Reichtum in die Stadt sprudeln lässt. Danone darf die Mineralwasserquelle nicht kaufen, sondern zahlt Jahr für Jahr dafür, eine bestimmte Menge des Wassers entnehmen zu dürfen. In dem knapp 9000 Einwohner starken Städtchen gibt es zwei Brunnen, aus denen von jedermann kostenlos das Wasser mit der amtlich bestätigten wohltuenden Wirkung abgefüllt werden darf. Sei es, dass ein Flaneur rasch einen erfrischenden Schluck nehmen möchte, sei es, dass jemand sich seine Wochenration abzapft. Auch „Knie“ oder „Rücken“ geplagte Zeitgenossen können die Brunnen simpel erreichen. Sie nutzen die kostenlose, betagte Standseilbahn. Seit 1907 schleppt die „Funiculaire“ die Fahrgäste zu vier Haltepunkten. Zwei davon gehören zu jeweils einem Hotel.

Leben wie Gourmand in Frankreich

Leben wie Gourmand in Frankreich

Wer ungern hohe Summen auf dem Konto hat, Siegerprämien zum Beispiel, auch dem wird vor Ort geholfen. Durch den Gang ins Casino, welches vis à vis des Lac Léman liegt. Spieltische und Automaten machen da lästigem Großgeld den Garaus. Besucher, deren Affinitäten eher bei Linien, Punkten, dem Runden und dem Eckigen liegen, können sich an den wechselnden Kunstausstellungen erfreuen. Aktuell werden im Palais Lumière die Arbeiten von Albert Besnard „Modernité Belle Epoque“ gezeigt. Ebenso sehenswert sind die Holzskulpturen an der Seeuferpromenade. Sie werden zwischen Frühjahr und Herbst von verschiedenen Künstlern aufgebaut. Bleibt noch die Frage zu klären, wo die besten Selfies geschossen werden. Die einen meinen vor dem weiten Panorama des Lac Léman. Die anderen empfehlen die Dokumentation des dort vorherrschend entschleunigten Lebensgefühls durch einen Schnappschuss mit einem lustvollen Café Gourmand.

[Fotos: Pamela Broszat]

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2 Kommentare

  1. Habe ich im Vorspann der Herausgebers von „td“ fälschlicherweise Ironie herausgelesen?
    Der „Tatsachenbericht“: nett und unterhaltsam im Mainstream-Schreibstil. Macht mich nicht glücklich!

    • Rainer Bartel am

      Tja, wie sagte ein sehr guter Freund einst: „Alles Geschmacksache – der eine isst gern Himbeereis, der andere trinkt gern Bier.“

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