Nach zwei Jahren Pause findet vom 15. bis 24. Juli endlich wieder die größte und schönste Kirmes am Rhein statt.

Info · Man kann es drehen und wenden wie man will: Das sogenannte „Sommerbrauchtum“, also alles rund um unsere Schützenvereine, ist ein wesentlicher, Identität stiftender Faktor im urbanen Leben Düsseldorfs. Das spiegelt sich nicht nur in den Schützenumzügen wider, die zwischen Mai und September durch die Viertel ziehen, sondern auch in den Volksfesten, die auf den zehn Kirmesplätzen zwischen Benrath und Unterrath stattfinden. Absoluter Höhepunkt aber ist die Große Kirmes am Rhein auf den Rheinwiesen vor Oberkasseler, fälschlicherweise auch „Oberkasseler Kirmes“ genannt, denn neben dem riesigen Volksfest gibt es auch eine eigene, „kleine“ Oberkasseler Kirmes. Für das Gros der bis zu vier Millionen Besucher steht aber nicht der Anlass im Vordergrund, sondern das Spaß. Das holen sie sich die Vergnügungswilligen dieses Jahr bei rund 300 Schaustellern auf 224.000 Quadratmetern – von der Losbude bis zur Achterbahn. [Lesezeit ca. 5 min]

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Seit einigen Jahren läuft die Kirmes zehn Tage lang, früher waren es sieben bzw. acht. Eröffnet wird das Volksfest am Freitag, 15. Juli. Einen Höhepunkt bildet das große Feuerwerk am Freitag, den 22. Juli. Schluss ist dann am darauffolgenden Sonntag (24. Juli). Geöffnet ist die Festwiese montags bis donnerstags von 14 bis 0 Uhr, freitags von 14 bis 2 Uhr, samstags von 13 bis 2 Uhr und sonntags von 11 bis 0 Uhr. Ein Zugang findet sich direkt an der Rampe der Oberkasseler Brücke, der andere an der Kniebrücke. Die beliebte Kirmesfähre, mit der Besucher seit vielen Jahren vom Unteren Rheinwerft direkt zur Wiese übersetzen konnten, fährt dieses Jahr leider nicht.



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Die Anfahrt

Für auswärtige Gäste ist es eine sehr, sehr schlechte Idee zu versuchen, mit dem Auto möglichst dicht an die Kirmes heranzukommen. Ganz Oberkassel ist de facto für Nichtanlieger gesperrt, legale Parkplätze gibt es gar nicht. Dafür wird wieder ein Shuttle-Service angeboten: Von Freitag 15.07. bis Samstag 20.07. kann man auf dem Messeparkplatz P1 parken und mit dem Shuttlebus Linie 890 direkt zur Festwiese (Haltestelle „Jugendherberge“) fahren; die Fahrtkosten sind in den 15 Euro Parkgebühr enthalten. Zwischen 14 und – je nach Bedarf – bis 2, 3 Uhr fahren die Busse im 15-Minuten-Takt hin und her, samstags schon ab 13 und sonntags bereits ab 11 Uhr.

Kirmes von hinten

Haltestelle für alle, die aus der Stadt, zum Beispiel vom Hauptbahnhof aus, kommen, ist der „Luegplatz“. Neben den „normalen“ U-Bahnlinien U74, U75 und U76 setzt die Rheinbahn an allen Tagen eine Linie E ein, sodass die Bahnen während der Öffnungszeiten der Kirmes im engen Takt fahren. Erfahrungsgemäß muss man am Luegplatz in Richtung Innenstadt selten länger als drei Minuten auf einen Zug warten. Auch auf anderen Strecken im Stadtgebiet wird der Takt der Bahnen und Busse stark verdichtet; die letzten Busse fahren teilweise erst gegen 3:30 Uhr von Oberkassel aus ab. Für Düsseldorfer:innen beginnt der Kirmesbesuch traditionell aber mit dem Fußmarsch über die Oberkasseler oder die Kniebrücke, denn so hat man schon lange einen wunderbaren Blick auf die Kirmes, besonders eindrucksvoll natürlich nachts, wenn die Fahrgeschäfte bunt leuchten.

Die Kosten

Hiesige Altbiertrinker:innen waren dieser Tage ein bisschen schockiert: Der Preis für ein 0,25-Liter-Glas wird erstmal bei über drei Euro liegen. Von den Hausbrauereien mit eigenen Zelten – teils samt angeschlossenem Biergarten – vertreten sind dieses Jahr Schlüssel, Schumacher und erstmal das Oberkasseler Gulasch-Alt. Im Schützenzelt wird Füchschen-Alt ausgeschenkt. Erfahrungsgemäß ziehen auch die Preise für 0,2 Liter Alt an den nicht zu den Brauereien gehörenden Ständen entsprechend an und dürften bei deutlich über 2,50 Euro liegen. Von diesem Maß aus kann man die Preise für andere Getränke abschätzen.

Größte Kirmes am Rhein 2017: Willis Pinte

Größte Kirmes am Rhein 2017: Willis Pinte

Ob Bratwurst, Pommes, Zuckerwatte, Backfisch oder sonstige Snacks: Auch die Betreiber der Imbissbuden werden bei den Preise teils drastisch zu legen. Erfahrungsgemäß kostet eine Bratwurst auf der Kirmes mindestens 30 Prozent mehr als an einer „normalen“ Pommesbude. Über die Preisgestaltung der Fahrgeschäfte ist noch nichts Genaues bekannt, dass aber die Fahrgeschäfte deutlich mehr nehmen werden als 2019, ist sicher.

Was bedeutet das konkret? Den beispielhaften, vierstündigen Kirmesbesuch sollte eine vierköpfige Familie (Papa, Mama, zwei Kinder) inklusive Anfahrt und Parkgebühren mit mindestens 120 Euro kalkulieren. Wer nur über den Rummel bummeln will, weder Riesenrad, noch Achterbahn fährt, aber hier und da etwas trinkt und isst, sollte mit 20 Euro pro Person hinkommen.

Die Höhepunkte

Eindeutiger Höhepunkt ist seit alters her das Kirmesfeuerwerk am zweiten Freitag (22. Juli), das bis zu einer Million Besucher in die Stadt zieht. Das lässt sich von verschiedenen Orten aus prima anschauen. Fans versuchen, zum richtigen Zeitpunkt eines der Fahrgeschäfte zu entern, besonders gern natürlich das Riesenrad – aber das hinzubekommen, ist Glückssache. Mutige drängen sich zwischen Kirmeswiese und Rhein bis an die Absperrungen, andere verfolgen das Spektakel von den Biergärten der Zelte aus. Beliebt ist es, sich während der Böllerei auf einer der beiden Brücken aufzuhalten; wer das vorhat, ist gut beraten, sich spätestens um 20:30 Uhr einen Platz zu suchen. Das gilt auch für das gesamte Untere Rheinwerft und die Rheinuferpromenade. Zwei Geheimtipps: Von der Terrasse der Tonhalle aus hat man einen tollen Blick und auch von der Plattform am Stadttor – in beiden Fällen sollte man ebenfalls sehr früh da sein. Besonders schön ist eine Feuerwerksfahrt auf dem Schiff; sowohl die Weisse Flotte (85 Euro inkl. Snacks und Getränken), als auch die KD (109 Euro inkl. Büffet und Getränke) bieten das an.

Düsseldorf, Größte Kirmes am Rhein – Feuerwerksfahrt mit der MS Jan Wellem

Am buntesten, fröhlichsten und auch am vollsten wird es traditionell am „Pink Monday“ (18. Juli), der schon seit vielen, vielen Jahren der Tag der LGBTQ+-Szene ist und dieses Jahr bereits zum 43. Mail stattfindet. Ein großes und buntes Programm erwartet die Besucher in den Zelten und an den Buden der größten Kirmes am Rhein. Und wenn die Kirmes nachts um 1 Uhr schließt, geht die Party in den Szene-Kneipen und Bars der Stadt weiter. Hauptquartier auf der Kirmes ist die legendäre Schwarzwaldchristel.

Und wer sich auf den Ursprung der Kirmes besinnen will, der merkt sich den Schützenzug am Sonntag (17. Juli) vor, bei dem bis zu 3.000 Schützen samt Pferden und Wagen durch die Stadt ziehen. Organisiert wird der – wie die Kirmes selbst auch – St.-Sebastianus-Schützenverein Düsseldorf 1316 e.V.

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