[Dieser Beitrag erschien zuerst am 26. Oktober 2009 in unserem Vorgänger-Blog „Rainer’sche Post. Beim aktuellsten ADAC-Taxitest von 2017 schnitten die Düsseldorfer Taxis allerdings deutlich besser ab.] Wer in Düsseldorf lebt, wundert sich nicht weiter, dass Düsseldorfs Taxis im ADAC-Test schlecht abgeschnitten haben. Bei der Qualität der Fahrer trägt die schönste Stadt am Rhein sogar das rote Laternchen. Und das mit vollem Recht und aus gutem Grund. Denn nirgendwo ist es leichter, an einen Taxischein zu kommen – Hape Kerkeling in seiner Rolle als Droschkenchauffeur Günter Warnke wählte Düsseldorf auch als Austragungsort seiner Verkleidungs-Comedy, weil man ihn hier auch ohne P-Schein kutschieren ließ. Dass aber nicht nur TV-Stars ohne weiteres mit der Beförderung von Personen betraut werden, pfeifen hierorts die Spatzen von den Dächern. [Lesezeit ca. 2 min]

In gewissen Kreisen ist bekannt, wieviel es kostet, den Schein durch einen Ersatzmann (der schon etliche Male die Prüfung bestanden hat) erwerben zu lassen. Dem Vernehmen nach leben ganze Familien von diesem Business. Und nicht nur der Motor braucht Schmieröl, um zu laufen. Da nutzen alle Qualitätskampagnen wenig. Tatsächlich hat die Taxi-Düsseldorf eG bereits vor Jahren versucht, ihren ramponierten Ruf mit einer Einrichtung namens „Service-Taxi“ zu polieren. Allein: Was ein Service-Taxi gegenüber der Standarddroschke auszeichnet, zählt anderswo zur Basisqualität der individuellen Personenbeförderung. Aber das ist nicht das einzige Problem dieser Taxi-Zentrale; die viel zu hohe Anzahl an Konzessionen drückt ebenfalls auf die Qualität. Zumal mit Rhein-Taxi ein konkurrierender Dienst zur Verfügung steht, den jeder einigermaßen informierte Düsseldorfer im Zweifel bevorzugt.

Das alles mag in anderen Städten ähnlich sein. Vielleicht ist es auch woanders so, dass die Verrohung der Verkehrssitten hauptsächlich von den Taxifahrern vorangetrieben wird. Der ADAC berichtet von einer Fahrt in Düsseldorf, während der der Chauffeur beim Fahren sein Navi programmierte, dabei eine rote Ampel überfuhr, um später mit stark überhöhter Geschwindigkeit Umwege zu fahren. Das entspricht sehr weitgehend meiner persönlichen Wahrnehmung. Die hiesigen Droschkenkutscher scheinen der Ansicht zu sein, dass die für Menschen gemachten Regeln auf sie nicht zuträfen – und das auf breiter Front. Kaum ein Taxi blinkt beim Abbiegen. Vor Zebrastreifen wird eher beschleunigt als gebremst, und rote Ampel haben für die Profifahrer offensichtlich nur symbolischen Charakter. Da ich eigentlich sehr gerne mit dem Taxi fahre, ärgert mich die anschwellende Disziplinlosigkeit umso mehr. Zwar hatte ich bei meinen letzten Fahrten immer das Glück, auf sehr freundliche und korrekte Chauffeure zu treffen, aber das war nicht immer so.

Ob die Verantwortlichen – gerade bei der Taxi-Düsseldorf eG – sich der Auswirkungen dieses Image-Desasters überhaupt bewusst sind, wird von Insidern bezweifelt. Hatten doch PR-Profis vor wenigen Jahren ein umfassendes Konzept entwickelt, das für eine Qualitätsverbesserung durch interne Kommunikation plus öffentlichkeitswirksamer Auftritte sorgen sollte. Angeblich soll der Vorschlag von der Vollversammlung der in der eG organisierten Genossen mit dem Hinweis weggeputzt worden sein, dass man für „so’n Kram“ kein Geld ausgeben wolle. Nun ja…

[Bildnachweis – Titelbild (Ausschnitt): Fabian Börne via Wikimedia unter der Lizenz CC-by-sa 3.0/de]

4 Kommentare

  1. Die jüngeren Bürger dieser Stadt leihen sich den E-Scooter und sind eng umschlungen mit bis zu drei Personen auf dem Fahrzeug.

  2. Ich halte ihren Beitrag für einen unangemessenen, pauschalen Rundumschlag gegen eine Zentrale, die sie sogar namentlich benennen. Dabei beziehen sie sich u. a. auf einen ADAC Test von 2017, der nicht ausführt, dass es sich überhaupt um eines dieser Fahrzeuge handelt. Es scheint einfacher zu sein, einen sehr großen Anteil der Fahrerschaft mit einer Selbstverständlichkeit negativ zu beurteilen und gleichzeitig für eine alternative Zentrale zu werben. Zudem verschweigen sie, dass in dem Taxi-Test mindestens acht Städte in der Gesamtnote mit „gut“ abgeschnitten haben. Darunter Düsseldorf.

    Als öffentliches Medium sollten sie so etwas lassen. So etwas kann ich mir nicht gefallen lassen, auch wenn es tatsächlich in einigen Fällen Probleme gegeben haben sollte. 98 % der ausgeführten Fahrten verlaufen tadellos.

    • Rainer Bartel am

      Ich verstehe ihre Erregung. Aber, Sie haben vermutlich übersehen, dass der Artikel aus dem Jahr 2009 stammt, und damals waren die Ergebnisse des ADAC-Tests für Düsseldorf wirklich katastrophal. Im Test von 2017 – das wird im Artikel erwähnt – sieht es schon viel positiver aus. Also, bitte noch einmal genau hinschauen. Danke.

  3. Das habe ich nicht übersehen. Sie haben übersehen, das ich mit „u. a.“ selbst darauf hinwies, dass ich mit meiner Beschwerde mich eben nicht nur darauf beziehe. Sie erwecken den Eindruck, dass das Verkaufen von P-Scheinen nachwievor gängige Praxis sei und stützen das absurderweise anhand des Beispiels H.P. Kerkeling.

    Unfassbar finde ich allerdings ihre Behauptung: „Vielleicht ist es auch woanders so, dass die Verrohung der Verkehrssitten hauptsächlich von den Taxifahrern vorangetrieben wird.“

    Sie verstehen meine Erregung nicht.

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