Die Niederlage gegen Sandhausen hat gezeigt: Wenn Cello Sobottka fehlt, findet das magische Dreieck nicht statt, und F95 hat schlechtere Karten.

Analyse · Sechser, Achter, Zehner – mit diesen Begriffen kennzeichnen Fachleute des modernen Fußballs Standardpositionen in den Systemen. Aber, es handelt sich natürlich nur um Hilfskonstruktionen, mit denen die Aufgaben eines Spielers gekennzeichnet werden sollen. Beim Sechser ist diese Zuordnung noch vergleichsweise klar: Er ist der legitime Erbe des Vorstoppers früherer Zeiten, der vor der eigentlichen Abwehr agierte und vor allem das Offensivspiel des Gegners verhindern sollte. Heutzutage zählt zu den Aufgaben eines Sechser jedoch auch die Spieleröffnung – etwas, das in alten Zeiten dem Libero vorbehalten war, der jedoch hinter der Abwehr postiert war. [Lesezeit ca. 4 min]

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Wobei: Beim Libero gab es immer zwei Geschmacksrichtungen. Einer wie Bruno Pezzey von Werder Bremen Mitte der Achtziger war im Prinzip Zerstörer, der höchstens einmal einen langen Ball in den Sturm drosch. Franz Beckenbauer war dagegen ein Libero, von dem durchdachte Spielzüge stammten. Und nun haben wir schon seit Langem Marcel „Cello“ Sobottka als Sechser (auch wenn der bekanntlich in der Not auch schon als linker Außenverteidiger spielte). Im Duett mit dem Ex-Käpt’n Adam Bodzek fungierte er eher als Teil einer Doppelsechs, also als einer von zwei defensiven Mittelfeldspielern.

So starr wie noch vor vier, fünf Jahren werden die Systeme aber nicht mehr gespielt; moderne Trainer denken nicht mehr in einzelnen Positionen, sondern eher in Funktionsgruppen. So betrachten sie heutzutage in der Regel die Kombination aus einem Außenverteidiger und einem Außenläufer als eine dieser Gruppen. Das gilt natürlich horizontal für die Dreier- oder Viererkette sowie für eine Doppelspitze, wenn denn eine aufgeboten wird. Interessant an dieser Stelle ist, dass mit den Zahlen eben nur Sechser, Achter und Zehner als Positionen beschrieben werden.

Fachsimpeln auf Japanisch: Ao Tanaka und Shinta Appelkamp

Unter einem Zehner wird der zentrale Mittelfeldspieler verstanden, also derjenige, den man vor ein paar Jahren noch den Spielmacher genannt hat. Über viele Jahre war der eine zentrale Figur jeder Mannschaft, weil er nicht nur die Schaltstelle zwischen Abwehr und Sturm bildete, sondern für das Einleiten offensiver Spielzüge zuständig war. Kevin Stöger war so einer als er bei der Fortuna kickte, aktuell hat Shinta Appelkamp öfters diese Planstelle inne.

Sechser, Achter, Zehner: Früher durften sich die Spieler ihre Rückennummern nicht einfach aussuchen, sie wurden zugeteilt. Bei Spielen von Länderauswahlen war dies sogar vom jeweiligen Verband vorgegeben. Der Torhüter trug zwingen die Nummer 1, der Mittelstürmer war die 9, die beiden Außenstürmer liefen als 7 und 11 auf. Diese Zuordnung stammt aus den Tagen des WM-Systems, des nach der „Schottischen Furche“ erst zweiten Systems, das überhaupt theoretisch beschrieben wurde. Im WM-System gab es magische Quadrate, die aus den beiden Halbstürmern mit den Nummern 8 und 10 sowie den beiden Außenläufern (4 und 6) bestanden, die quasi das Mittelfeld darstellten. Bleiben noch die Nummern 2 und 3, die den beiden Verteidigern vorbehalten waren, den legitimen Vorfahren der heutigen Innenverteidiger.

Und dann ist da noch der Achter, den man heute auch Box-to-Box-Spieler nennt, weil er bei Ballbesitz das offensive Mittelfeld bespielt und gemeinsam mit dem Zehner die Angriffszüge einleitet, und bei gegnerischen Angriffen auf Höhe des Sechsers aktiv am frühzeitigen Unterbinden mitwirkt. Wie flexibel das alles heutzutage gespielt wird, erkennt man am hohen Pressing. Im Eishockey, aus dem dieses Prinzip stammt, nennt man es Forechecking und bezeichnet damit das aktive Verteidigen der blauen Linie durch die Stürmer. Im Fußball sind es vor allem die Spitzen und die Außenläufer oder -stürmer, die den Gegner bei dessen Ballbesitz in der eigenen Hälfte stören.

SVD vs F95: Mehr Zweikampfhärte ist das Einzige, was Tanaka noch fehlt (Screenshot Sky)

SVD vs F95: Mehr Zweikampfhärte ist das Einzige, was Tanaka noch fehlt (Screenshot Sky)

Bei diesem hohen Pressing ist es dann eher ein Achter, der mit auf die Verteidiger und den Torwart geht, als der Zehner, der nominell weiter vorn postiert wird. Der uns abhanden gekommene Kuba Piotrowski war solch ein Box-to-Box-Spieler, der aber trotzdem so gut wie nie als Achter zum Einsatz kam. Dieser Achter muss nämlich zwei Kompetenzpakete besitzen: Er muss in der Lage sein, robust auf Ballbesitz zu gehen, aber eben auch mit dem Ball schnell nach vorne zu gehen, um im Idealfall einen Stürmer per Schnittstellenpass einzusetzen. Einen solchen Spieler haben wir. Er heißt Ao Tanaka und ist japanischer Nationalspieler.

Das heißt im Klartext: Im Prinzip verfügt Trainer Thioune über ein magisches Dreieck im Mittelfeld, also über drei Spieler, die – zumindest theoretisch – je einen idealen Sechser, Achter und Zehner darstellen können. Und tatsächlich haben die beiden ersten Saisonspiele die Magie dieses Trios aufscheinen lassen. Dass dieses Dreieck noch nicht optimal funktioniert, hat mit den jeweiligen Schwächen der genannten Akteure zu tun. Cello Sobottka betrifft das noch am wenigsten – mit seiner Routine stellt er inzwischen einen multifunktionalen Sechser dar. Bei Ao Tanaka ist immer noch eine gewisse Schwäche im Zweikampf zu sehen, obwohl er den direkten Kampf um den Ball inzwischen vermehrt sucht. Und wenn Shinta Appelkamp auf seiner Lieblingsposition spielen darf, dann kann es passieren, dass er bei mangelndem Erfolg irgendwann untertaucht. Das alles sind aber Dinge, die sich mit Hilfe der Trainer abstellen lassen.

Weil dieses Dreieck ein magisches werden kann, plädiert euer ergebener Fortuna-Beobachter dafür, Cello Sobottka, Ao Tanaka und Shinta Appelkamp wann immer möglich als Sechser, Achter und Zehner aufzubieten – eine Verstärkung in diesem Bereich hält er für nicht zwingend nötig.

 

2 Kommentare

  1. BuA D-Unterrath am

    Immer wieder gut, die qualitativ gute Aufarbeitung des Spieles. Nur wer sich auf SKy Sprechnasen verlässt. 1000 Fans, ne mindestens 2500. Wir haben, so wie unsere Sitznachbarn, erst an der Tageskasse kekauft. Die Idee hatten in den Blöcken C1 – 6 und B3 wohl einige.
    Spätestens in der 24 Min musse den geneigten TV Zuschauer klar sein, Fortuna wurde von den Rängen mit Düsseldorf lautstark ereiedert. Tolle Atmosphäre will ich mal sagen. F95 immer einen Stopp wert.

    • Rainer Bartel am

      Wenn’s der Ergebene richtig verstanden hat, wurden etwas mehr als 1.000 Tickets im Vorverkauf an Auswärtsfahrer vergeben. In Sandhausen selbst hat noch eine ziemlich große Zahl Leute vor Ort eine Karte gekauft. So werden es wohl um die 1.500 gewesen sein. Das würde auch zur Gesamtzuschauerzahl von 6.700 passen.

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